Knittlingen
Knittlingen -  12.02.2020
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Visionär und Sammler aus Leidenschaft: Walter Pfitzenmeier prägte Knittlingen maßgeblich - nun ist er gestorben

Knittlingen/Bretten. Wer Walter Pfitzenmeier kennengelernt hat und ihn mit nur einem Adjektiv beschreiben dürfte, dem würde die Wahl vermutlich nicht besonders schwerfallen. Die meisten würden wohl das Wort „leidenschaftlich“ wählen. Denn Leidenschaft trieb Pfitzenmeier, der am Dienstag voriger Woche im Alter von 88 Jahren verstorben ist, immer schon an.

Walter Pfitzenmeier im Jahr 2015 inmitten seiner umfangreichen Oldtimersammlung. Diese beinhaltet auch die ersten Müllautos seines Unternehmens. Foto: Tilo Keller/Archiv
Walter Pfitzenmeier im Jahr 2015 inmitten seiner umfangreichen Oldtimersammlung. Diese beinhaltet auch die ersten Müllautos seines Unternehmens. Foto: Tilo Keller/Archiv

Quasi aus dem Nichts schuf Pfitzenmeier (zunächst gemeinsam mit zwei Cousins, nach kurzer Zeit nur noch mit einem) Ende der 1950er Jahre das in Knittlingen ansässige Entsorgungsunternehmen Pfitzenmeier und Rau. Dass man auch in ländlichen Gebieten eine Müllabfuhr unterhält, war damals noch nicht üblich, da auf den Dörfern bislang kaum Abfall übrig blieb, heißt es in Pfitzenmeiers Autobiographie, die seine Großnichte Christina Buchtala mit ihm verfasste. Asche sei in den Garten gekommen, Hausabfälle hätten die Schweine oder Hasen gefressen. Und Gegenstände wie Blechdosen habe man den fahrenden Lumpensammlern mitgegeben.

Mit dem wachsenden Wohlstand in den 50er- und 60er-Jahren wuchsen jedoch auch die Abfälle – und schnell kristallisierte sich heraus, dass es einer institutionalisierten Abholung bedurfte. Rund 40 Jahre lang prägte Pfitzenmeier das stetig wachsende Unternehmen maßgeblich mit – dann folgte der Beschluss zum Verkauf.

Längst hatte sich zu diesem Zeitpunkt die Abfallindustrie gewandelt, immer größere Mitspieler ließen den kleineren kaum mehr Raum. Zunächst übernahm „Sita“, danach „Suez“.

Pfitzenmeier aber blieb weiterhin umtriebig. Seine Anfang der 1990er-Jahre begonnene Lust am Sammeln alter Gegenstände und Oldtimer wurde seine neue große Leidenschaft. Heute finden sich zahlreiche Autos, Laster und weitere Exponate in einem von ihm gegründeten Museum, das Interessierten seine Pforten öffnet.

Neben Pfitzenmeiers Ausstellungsstücken finden sich dort auch Stücke seines Großneffen Jay Alexander. Den Startenor und seinen Onkel Walter verband zeitlebens eine enge Verbindung, die sich nicht nur im Sammeln von Oldtimern, sondern auch in der Liebe zur Musik manifestierte. „Er war nicht nur ein Visionär im Beruf, Walter war auch ein Mensch voller Herzenswärme und Tatendrang, der bis zuletzt stets positiv blieb“, sagt Jay Alexander.

Als die PZ Pfitzenmeier vor wenigen Jahren in seinem Museum besuchte, wirkte er glücklich, neben seinem Unternehmen den Menschen auch eine touristische Attraktion hinterlassen zu können: „Das Schöne ist, dass ich weiß, dass all die Exponate noch in vielen Jahren Menschen eine Freude machen werden.“

Nun ist Walter Pfitzenmeier, der in den letzten Jahren unter einer schweren Nierenkrankheit litt, verstorben. Er hinterlässt seine Ehefrau und eine große Familie. Nicht nur in Knittlingen und seinem Wohnort Bretten wird er nicht vergessen werden.

Mehr lesen Sie am Donnerstag, 13. Februar, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.