Königsbach-Stein
Königsbach-Stein -  07.02.2021
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Experte fordert gegen Klimawandel: mehr Bahn, weniger Auto

Königsbach-Stein. Überschwemmungen, Dürren, Flüchtlingsströme, Hungersnöte und wirtschaftliche Schäden in unvorstellbarer Höhe: Die Auswirkungen des Klimawandels könnten verheerend sein. Entsprechend deutlich sind die Worte und Warnungen, die Andreas Zahn formuliert: „Die Politik muss jetzt handeln“, sagt er mit ernster Stimme: „Je länger wir warten, desto teurer wird es.“ Er ist Physiker und Klimaforscher am Karlsruher Institut für Technologie und kennt sich bestens aus mit Ursachen und Folgen des Klimawandels.

Klare Forderung: Klimaforscher Andreas Zahn plädiert in seinem Vortrag unter anderem dafür, den Bahn- und Nahverkehr weiter auszubauen. Foto: Roller
Klare Forderung: Klimaforscher Andreas Zahn plädiert in seinem Vortrag unter anderem dafür, den Bahn- und Nahverkehr weiter auszubauen. Foto: Roller

Bei einer von der Gemeinde Königsbach-Stein finanziell unterstützten Videokonferenz der Volkshochschule spricht er am Freitagabend vor rund 40 Teilnehmern. Zahn erklärt den Treibhauseffekt, die mittlere Temperaturänderung und die Folgen, die ein Anstieg der globalen Temperatur um zwei bis drei Grad hätte: In Mitteleuropa wäre das Wetter zwar an vielen Tagen ähnlich wie bisher. Aber: Extremwetterlagen würden zunehmen, lange, heiße Trockenperioden wären ebenso zu erwarten wie Starkniederschläge. Global käme es zu Hurrikans, Waldbränden und untergehenden Inseln. Zahn prognostiziert eine Verschiebung von Klima- und Vegetationszonen, Veränderungen in der Biosphäre und „extreme Kosten“. Er verweist auf sogenannte Kippelemente, die den Klimawandel noch einmal zusätzlich verstärken könnten, etwa tauende Permafrostböden oder die unter Trockenheit und Abholzung leidenden Regenwälder Amazoniens. Wie Dominosteine könnten sie nacheinander umfallen. Um all das zu verhindern, sieht Zahn vor allem die Industrieländer in der Verantwortung, allen voran die Bundesrepublik, die weltweit die viertstärkste Wirtschaftskraft hat.

Deutschland könnte aus seiner Sicht eine Führungsrolle übernehmen – nicht nur wegen der eigenen Innovationskraft, sondern auch wegen des Einflusses in Europa. Die Gesellschaft sei schon so weit, sagt Zahn. Jetzt müsse die Politik liefern. Er fordert die Bundesregierung auf, Rahmenbedingungen für Industrie, Verbraucher, Landes- und Kommunalpolitik zu setzen. „Die Politik sagt viel und tut wenig“, meint Zahn und verweist auf das Klimapaket der Bundesregierung. Das werde als Durchbruch verkauft, obwohl viele Bereiche ausgeklammert seien. Aus seiner Sicht müsste die Politik Vergünstigungen für fossile Brennstoffe abbauen, Kohlenstoffdioxid deutlich verteuern, regenerative Energien schneller ausbauen, Bahn- und Nahverkehr ausbauen und den Fahrradverkehr stärken. Auch die Verbraucher sieht er in der Pflicht, denn ihnen seien mehr als zwei Drittel der Kohlenstoffdioxid-Emissionen zuzuordnen. Sei es der Kauf von regionalen Produkten, der Wechsel zu echten Ökostromanbietern, oder die verstärkte Nutzung von Bus, Bahn und Fahrrad. Der Klimaforscher hält viel von der Fridays-for-Future-Bewegung. „Ich hoffe, dass das so weitergeht.“

Autor: Nico Roller