Außergewöhnliche Reise: PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer erzählt beim Mönsheimer Männervesper von seiner Zeit in Lambarene
Mönsheim. Ein Abend über Mut, Naivität, Afrika, ein Urwaldhospital und eine prägende Begegnung mit einer der bekanntesten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts: Beim Themenabend des Männervespers in Mönsheim nahm PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine Reise zurück ins Jahr 1962 – in das Urwaldhospital von Albert Schweitzer nach Lambarene. Das Interesse an der Geschichte eines Mannes, der als 20-Jähriger spontan nach Afrika reiste, um Albert Schweitzer zu treffen, war so groß, dass in der Alten Kelter nachbestuhlt werden musste.
Zweimal im Jahr laden die evangelischen Kirchengemeinden Friolzheim, Mönsheim und Wimsheim zum Männervesper ein. Hinter der Veranstaltungsreihe steht das Team „Heckengäu Männervesper“. Die Abende verbinden Vortrag und gemeinsames Essen und greifen Themen aus Berufsleben, Wirtschaft, Medien, Gesundheit, Familie und Gesellschaft auf. Die organisatorischen Fäden laufen bei Eberhard Frohnmayer zusammen.
Ohne Zusage, aber mit Neugier
Im Mittelpunkt des Abends stand die Lebensgeschichte von Albert Esslinger-Kiefer, der als junger Mann die Welt sehen wollte. Nach Abitur, Schriftsetzerlehre und journalistischer Ausbildung zog es ihn hinaus. Nach einem Praktikum in London erinnerte er sich an einen Vortrag, den Albert Schweitzer Jahre zuvor im Gemeindehaus in Schramberg gehalten hatte. Dieser Eindruck ließ ihn nicht mehr los. 1962 reiste der damals 20-Jährige schließlich von Bordeaux mit dem Schiff nach Zentralafrika – ohne Anmeldung, ohne konkrete Zusage, aber mit viel Neugier. Mit seinem Rucksack stand er eines Tages im Urwaldhospital in Lambarene.
Empfangen wurde er dort von zwei Niederländerinnen, Maria Lagendyk und Ali Silver, die im Hospital organisatorisch das Sagen hatten und Neuankömmlinge zunächst kritisch musterten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich jedoch ein gutes Verhältnis, und der junge Deutsche durfte bleiben.
Für Esslinger-Kiefer begann damit ein Jahr, das sein Leben prägen sollte. Arbeit gab es genug, vor allem in der Werkstatt. Mit Hobel und Säge wurde repariert, gebaut und instandgesetzt. Er war Teil des Hospitalalltags und erlebte das Leben in Lambarene aus nächster Nähe.
Die Zeit beschrieb er rückblickend als eindrucksvolles Erlebnis. Besonders beeindruckt habe ihn der bescheidene Lebensstil im Hospital. Trotz der großen internationalen Bekanntheit lebte Albert Schweitzer einfach und arbeitete unter schwierigen klimatischen Bedingungen unermüdlich weiter. Als „Grand Docteur“ sei er ein strenger Patron gewesen, zugleich aber eine Persönlichkeit mit großer Ausstrahlung, Überzeugungskraft und Güte.
Albert Schweitzer habe bewusst ein einfaches Hospital geführt, das sich an den Lebensbedingungen der Menschen orientierte und nicht an europäischen Maßstäben. Sein Denken sei geprägt gewesen von der Ehrfurcht vor dem Leben.
Im Vortrag wurde auch deutlich, dass Albert Schweitzer eine vielschichtige Persönlichkeit war. Um ihn hätten sich viele interessante Menschen versammelt, gleichzeitig sei er im Laufe der Geschichte auch kritisch gesehen worden – etwa wegen seines Afrikabildes oder seiner Rolle als europäischer Leiter eines Hospitals in der Kolonialzeit.
Esslinger-Kiefer machte deutlich, dass viele Bewertungen gleichzeitig richtig und falsch seien und man Schweitzer immer im historischen Zusammenhang betrachten müsse. Für ihn persönlich sei die Zeit in Lambarene vor allem eine Zeit großer Gemeinschaft gewesen.
Nach einem Jahr im Hospital reiste Esslinger-Kiefer noch ein weiteres Jahr durch Westafrika und die Sahara, bevor er nach Pforzheim zurückkehrte. Es folgte ein Studium zum Druckingenieur, später übernahm er die Leitung des Verlagshauses der Pforzheimer Zeitung. Afrika und Lambarene haben ihn jedoch bis heute nicht losgelassen.
Während des gesamten Abends herrschte in der „Alte Kelter“ eine besondere Ruhe und Aufmerksamkeit. Die Zuhörerinnen und Zuhörer folgten den Schilderungen gespannt, gerade so, als seien sie selbst ein Stück weit dabei gewesen – im Urwaldhospital, in der Werkstatt, im Alltag von Lambarene.
