Ensemble für Erwachsene: Offene Fragen zu neuem Blasorchester im Enzkreis
Enzkreis. Mühlacker/Enzkreis. Blasmusik-Kreisverband diskutiert über ein Ensemble für Erwachsene. Da es für die Vereine Klärungsbedarf gibt, ist noch keine Entscheidung gefallen.
Der Umgangston ist wertschätzend, die Atmosphäre immer höflich und freundlich, geprägt von Lob und Anerkennung. In den Räumlichkeiten des Mühlacker Musikvereins gibt es keinen Redner, der sich nicht mehrfach bedankt und das Engagement der Ehrenamtlichen würdigt. Angeregt, bisweilen auch kontrovers wird dort am Samstag bei der Jahreshauptversammlung des Blasmusik-Kreisverbands trotzdem diskutiert, unter anderem über ein kreisweites Blasorchester für all jene, die sinfonische Blasmusik auf hohem Niveau spielen wollen. Der Vorstand würde es gern ins Leben rufen, doch nicht wenige Vertreter der Mitgliedsvereine sehen noch Klärungsbedarf. Nach einer fast zwei Stunden dauernden Diskussion entscheidet man daher mit großer Mehrheit, das Thema zu vertagen.
Bis dahin will man es im Hintergrund weiter vorantreiben, um Details zu konkretisieren. Etwa zur Gestaltung der Proben, zum Niveau der Stücke und zu den Mitwirkungsmöglichkeiten. Verbandsvorsitzender Heiko Genthner ist nicht der Einzige, der das Auswahlorchester für eine gute Idee hält. Auch der für den Fachbereich Musik zuständige Horst Bartmann wirbt dafür. Aus seiner Sicht könnte das Kreisverbandsorchester eine Plattform sein, auf der Erwachsene ab 27 Jahren aus den Mitgliedsvereinen zusammen musizieren: auf hohem Niveau, mit Literatur, die in ihren Heimatorchestern vielleicht nicht so oft gespielt wird. Bartmann erhofft sich davon eine Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls, wertvolle Impulse für die Vereine und ein Angebot für all jene, die im Kreisjugendorchester nicht mehr mitspielen können, weil sie zu alt werden. Doch unter den Vereinen gibt es Zweifel, vor allem an der Tragfähigkeit des Konzeptentwurfs. Befürchtet werden unter anderem Terminkollisionen und eine Elitenbildung, die den meisten Vereinen nichts bringen, vielleicht sogar eher schaden könnte.
Aus der Mitte der Versammlung kommt der Wunsch, stattdessen ein Angebot für Wiedereinsteiger auszurichten, vielleicht sogar eine Bläserklasse für Erwachsene. Auch diesen Vorschlag nimmt die Verbandsverwaltung ernst. Bei der Hauptversammlung blickt sie zurück auf Aktivitäten, die der Kreisverband im vergangenen Jahr auf die Beine gestellt hat. Geprägt war es laut Genthner von „Austausch, Planung und der Frage, wie man die Blasmusik zukunftsfähig weiterentwickeln kann“. Er denkt dabei unter anderem an einen Workshop – man habe mit Vertretern der Vereine über ein mögliches Wiederbeleben des ins Stocken geratenen Kreismusikfests gesprochen. „Ausbauen und intensivieren“ will man das Patenkonzept, das die Verbindung zu den Vereinen stärken soll, indem es ihnen ein Vorstandsmitglied als festen Ansprechpartner bietet.
Viele Lehrgänge
Viel Lob gibt es für das Kreisjugendorchester, das laut David Kalsow-Alonso äußerst aktiv war. Der Vorsitzende der Bläserjugend berichtet von etlichen Lehrgängen und einer Tagesprüfung, von einem Wanderausflug und von zwei erfolgreichen Konzerten. Ihren nächsten Auftritt absolvieren die Nachwuchsmusiker am Sonntag, 22. März, in Bauschlott, bevor am 12. April ein Jugendwertungsspiel in Niefern stattfinden soll, sofern es die Teilnehmerzahlen erlauben.
Lob kommt auch vom neuen Mühlacker Oberbürgermeister Stephan Retter, der selbst seit 40 Jahren Saxofon spielt. Er weiß, dass Musik spielerisch Brücken und Sprachbarrieren überwindet. Für ihn steht fest: „Überall, wo Menschen zusammenkommen, ist auch irgendwo Musik.“
