Mühlacker
Enzkreis -  10.01.2022
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Kinderärztliche Versorgung ein Problem

Mühlacker/Enzkreis. Die teilweise unzureichende, fachärztliche Versorgung im Enzkreis soll in einer der kommenden Sitzungen des Sozial- und Kulturausschusses (SKA) des Kreistags behandelt und über die Situation in der Region informiert werden.

Die Kreisverwaltung griff damit einen Antrag des Mühlacker Kreisrates Günter Bächle in der jüngsten digitalen Sitzung auf, den er für die CDU-Kreistagsfraktion gestellt hatte. Gleichzeitig hatte Bächle konkret nach den großen Engpässen bei der Versorgung mit Kinderärzten gefragt und Klagen von Eltern aufgegriffen. So berichten Erziehungsberechtigte aus der Senderstadt, sie fänden keinen Ersatz für ihren Kinderarzt, der die Praxis geschlossen, aber vergeblich eine Nachfolge gesucht habe.

Inzwischen liegt die Antwort der Kreisverwaltung generell zur fachärztlichen Versorgung vor, die der CDU-Fraktionssprecher für ausreichend differenziert hält. Die Fachärztliche Versorgung wird allerdings unterschiedlich eingeschätzt. „Uns erreichen keine Meldungen zu fehlenden Frauenärzten, Hals-Nasen-Ohren-Ärzten (HNO) oder Orthopäden sowie weiteren Facharzt-Gruppen“, schreibe Hilde Neidhardt, die Erste Landesbeamtin. Dagegen habe die Kreisverwaltung immer wieder Meldungen zu fehlenden Kinderärzten, Psychiatern und Hausärzten erreicht, so die Vize-Landrätin an die CDU-Fraktion. Der Enzkreis sei hier seit einigen Jahren aktiv mit der Aktion Docs4Pfenz und dem Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin im Gespräch. Leider habe auch hier die Corona-Pandemie in den vergangenen zwei Jahren die Umsetzung von Werbeaktionen beeinträchtigt, aber die Kreisverwaltung hoffe, bald wieder aktiver werden zu können.

Die kinderärztliche Versorgungssituation stelle sich sowohl im ambulanten wie auch im stationären Sektor als unzureichend dar, analysiert Neidhardt. „Auch in unserer Region kommt es immer wieder zu Aufnahmestopps bei Kinderärzten. Neu zugezogene Eltern haben dann keine Chance, ihre Kinder beim Kinderarzt versorgen zu lassen.“ In Akutsituationen bestehe allerdings Behandlungspflicht. Da auch Hausärzte Kinder versorgen könnten, sei in der Regel damit keine Notsituation verbunden. Die Kinderärzte berichteten nach Angaben der Vize-Landrätin, die Bedarfsplanung sei veraltet und werde den Anforderungen nicht mehr gerecht. Immer weniger Hausärzte seien bereit oder in der Lage, insbesondere kleine Kinder zu versorgen, auch weil die Ansprüche an die fachliche Spezialisierung gestiegen seien. In den vergangenen Jahrzehnten seien zahlreiche Vorsorge-Untersuchungen in den Leistungskatalog mit aufgenommen worden. Diese Aufgaben seien zeitintensiv. Zudem habe die Kinderklinik am Helios – die einzige Kinderklinik in Pforzheim und Enzkreis – nach Erkenntnissen der Kreisverwaltung ein notorisches Personalproblem. pm