Gemeinden der Region
Enzkreis -  04.02.2026
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Streit um Windrad-Standorte entbrennt: Schutz des Klosters Maulbronn verschiebt Bau in Neulingen

Pforzheim/Enzkreis/Kreis Calw. Die Regionalräte aus dem Nordschwarzwald wollten auf die Zielgerade einbiegen, um die zahlreichen Standorte für Windkraftanlagen festzuklopfen. Eigentlich sollten die Mitglieder des Planungsausschusses des Regionalverbands im Calwer Rathaus 49 Vorranggebiete festzurren, die sich für den Bau von Windrädern eignen – 16 im Enzkreis, 17 im Kreis Calw, 15 im Landkreis Freudenstadt und in Pforzheim einen Bereich zwischen den Stadtteilen Huchenfeld und Hohenwart.

Windkraft wie im Park Straubenhardt stößt oft auf Kritik.
Windkraft wie im Park Straubenhardt stößt oft auf Kritik. Foto: Meyer

Doch ausgerechnet in letzter Minute entbrannten Auseinandersetzungen um umstrittene Stellen in Remchingen, Engelsbrand und um den Pforzheimer Standort sowie um den Wasserschutz in den festgezurrten Orten.

Entscheidung nächste Woche

Nun soll in einer Woche die Verbandsversammlung in Freudenstadt den Streitfall lösen und Nägel mit Köpfen machen, um den Windkraftplan unter Dach und Fach bringen. Ob das gelingt, steht allerdings in den Sternen.

Schon vor der Sitzung hatte der Verband einen Standort in Neulingen aus der Liste herausgenommen – da spielt der Denkmalschutz für die rund sechs Kilometer entfernte Welterbestätte Kloster Maulbronn eine Rolle, wie die PZ berichtet hat. Laut dem zuständigen Landesministerium schädige diese geplante Windenergieanlage „den außergewöhnlichen, universellen Wert der Kloster-Stätte“. Doch ein Gutachter des Unternehmens, das in Neulingen Windräder ins Auge fasst, sieht das anders. Der Regionalverband startet nun für das Neulinger Gebiet eine zusätzliche Analyserunde.

„Mit Untersuchungsstufen haben wir die Flächen bestimmt, die hohes Potenzial für diese Art der klimafreundlichen Energieerzeugung haben und möglichst konfliktarm bebaubar sind“, sagte Verbandsdirektor Sascha Klein.

Außerdem sei der Abstand von Windrädern zu Wohngebieten nun auf mindestens 850 Meter festgelegt worden.

Eilanträge in letzter Minute

Doch mit Eilanträgen versuchten CDU-Fraktionschef Günter Bächle und Frank Schneider für die FDP eine Kehrtwende. Schneider machte sich dafür stark, den Standort „Sauberg“ in Engelsbrand zu streichen, doch die Mehrheit stimmte dagegen. Bächle forderte, neben Engelsbrand auch die Standorte in Remchingen und Pforzheim in eine erneute Analyse zu schieben. Verbandsvorsitzender Klaus Mack (CDU) hingegen säuerlich:

„Die Gemeinden wollen doch endlich Klarheit, zudem drohen uns dann Klagen von Kommunen, die auch Einwände hatten.“

Nach schier endlosen Debatten und einer Unterbrechung der Sitzung brachte Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann (CDU) seine Fraktion mit Freien Wählern, SPD, Grünen und FDP zusammen – um einen Kompromiss zu finden. Ergebnis mit übergroßer Mehrheit: Der Windkraftplan steht an sich, jedoch bis auf die vier beanstandeten Stellen im Enzkreis und in Pforzheim, über die nun der Verband nächste Woche entscheiden soll. Außerdem soll die Verbandsspitze bis dahin auch den Vorschlag der Freien Wähler prüfen, wie es um den Wasserschutz bestellt ist.

Der Verband hat noch Spielraum. Die geplanten 49 Stellen verbrauchen 2,8 Prozent des Nordschwarzwalds – mit 6600 Hektar eine Fläche, die so groß ist wie 9500 Fußballfelder. Gesetzlich vorgeschrieben sind in der Region 1,8 Prozent, das wären im Verbandsgebiet 4200 Hektar. Die AfD-Fraktion kam im Ausschuss nicht mit ihrem Antrag durch, die angepeilte Flächensumme zu drücken.

Viel los im Raum Bad Wildbad

Dass sich viele Buckel im Schwarzwald für Windkraft eignen, ist kein Geheimnis und zeigt sich konzentriert im Oberen Enztal. So sind im Raum Bad Wildbad gleich sechs Standorte ausgewiesen worden – darunter zwei von der Kurstadt Richtung Oberreichenbach sowie drei in der Nähe von Enzklösterle, Simmersfeld und Seewald. Zudem ein Gebiet oberhalb von Neuenbürg nahe Schömberg.

Festgehalten hat der Verband an strittigen Flächen in Königsbach-Stein (bis in die Nähe des Neulinger Ortsteils Nußbaum), in Birkenfeld-Gräfenhausen sowie in Mühlacker Richtung Großglattbach und Wiernsheim-Serres.

Ein Kommentar von PZ-Redaktionsmitglied Ralf Steinert

„Es ist eigentlich unglaublich: Jahrelang diskutieren die Regionalräte über geeignete Standorte für Windräder, doch ausgerechnet kurz vor Torschluss entdecken die Regionalräte von CDU und FDP die Proteste gegen Windkraft in Pforzheim, Engelsbrand und Remchingen. Unverkennbar ist dabei: Nur mit Blick auf die Landtagswahl in einem Monat sind solche Schnellschüsse erklärbar. Unwürdig ist das allemal: Da wurde im Fachausschuss eine Debatte angezettelt, in der nach über zwei Stunden fast niemand mehr durchblickte, wie es weitergeht. Der Regionalverband muss ganz schnell wieder zur Besinnung kommen.“