Mühlacker
Mühlacker -  13.08.2026
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Liegendfahrten vor dem Aus? Dialysezentrum Mühlacker warnt vor ernsten Folgen für Patienten und Abfolge

Mühlacker. Ein Mühlacker Fahrdienst darf womöglich keine Liegendfahrten mehr anbieten. Für das Dialysezentrum könnte das zum ernsten Problem werden – denn schon bei wenigen Patienten kommt es auf einen exakt getakteten Ablauf an.

Dialyse-Arzt Dr. Rainer Miemietz warnt vor Problemen, sollten spezielle Fahrmöglichkeiten für seine Patienten fehlen.
Dialyse-Arzt Dr. Rainer Miemietz warnt vor Problemen, sollten spezielle Fahrmöglichkeiten für seine Patienten fehlen. Foto: Rose

Wer durch den Haupteingang des Dialysezentrums Mühlacker kommt, sieht sie sofort: Rechts stehen zahlreiche Rollstühle bereit. Wenige Meter weiter liegt einer der großen Behandlungsräume. Patienten sitzen und liegen dort an den Dialyseplätzen, über Stunden dauert ihre Behandlung. Der Eindruck vor Ort macht sichtbar, welche Rolle Mobilität für den Alltag des Zentrums spielt.

Viele Patienten können mit einem gewöhnlichen Taxi kommen. Doch längst nicht alle. 

„Die Patienten werden immer älter und kränker“, sagt Dr. Rainer Miemietz, der seit dem Jahr 2000 in Mühlacker tätig ist.

Manche seien auf einen Rollstuhl angewiesen, andere müssten liegend transportiert werden. Für diese Patienten brauche es spezielle Transportmöglichkeiten.

Und die müssen zuverlässig funktionieren. Morgens kommen innerhalb von etwa einer Stunde rund 30 Patienten im Dialysezentrum an. Insgesamt stehen 34 Behandlungsplätze zur Verfügung. Eine Dialyse dauert mindestens vier Stunden, behandelt wird in festen Schichten. Schon Verzögerungen bei wenigen Patienten können deshalb die Planung durcheinanderbringen.

Genau deshalb verfolgt Miemietz mit Sorge, was derzeit beim Mühlacker Unternehmer Hasan Irmak passiert.

Streit um Liegendfahrten

Seit mehr als 15 Jahren betreibt der 47-Jährige „Irmak Krankenfahrten“. Das Unternehmen übernimmt auch Fahrten für Patienten des Dialysezentrums. Doch um die weitere Zulässigkeit seiner Liegend- und Tragestuhlfahrten ist eine rechtliche Diskussion entstanden. Das Landratsamt Enzkreis beruft sich dabei auf eine Rechtsprechung des Oberlandesgerichts Hamm zur Verwendung bestimmter Krankentragen und Tragestühle im Mietwagenverkehr.

Inzwischen hat Irmak eine neue Genehmigung für den Mietwagenverkehr erhalten und darf weiter Rollstuhltransporte anbieten. Über die Voraussetzungen für Liegend- und Tragestuhlfahrten will das Landratsamt noch in dieser Woche förmlich entscheiden. An seiner bisherigen Rechtsauffassung hält die Behörde fest. Wegen möglicher Versorgungsfragen habe sie zudem einen Austausch mit den zuständigen Ministerien angeregt. Für Miemietz ist vor allem entscheidend, was das praktisch bedeutet. „Das ist für uns ein zentraler Punkt, dass die Transporte funktionieren“, sagt er.

Liegendtransporte sind im Dialysezentrum kein Massenphänomen. Aktuell seien drei bis vier Patienten darauf angewiesen, sagt Miemietz. Doch sie müssen in der Regel dreimal pro Woche zur Dialyse kommen.

„Sobald kein flüssiger An- und Abtransport mehr da ist, hängt das System“, sagt Miemietz.

Ist die Behandlung eines Patienten beispielsweise von 7 bis 11 Uhr vorgesehen und dieser kommt erst um 9 Uhr, gerät die Planung durcheinander. Die Plätze sind schließlich in festen Schichten belegt.

Gerade bei Patienten, die aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität spezielle Transportmöglichkeiten benötigen, kommt es deshalb auf verlässliche Fahrdienste an. Nach Miemietz‘ Kenntnis gibt es vor Ort derzeit keinen anderen Anbieter, der entsprechende Liegendfahrten in gleicher Weise übernehmen könne.

Müssen solche Fahrten anderweitig organisiert werden, können nach den Erfahrungen des Dialysezentrums bei nicht dringlichen Krankentransporten Wartezeiten von zwei bis drei Stunden entstehen. Einen solchen Fall hat Miemietz bereits erlebt: Ein Patient sei nach seiner Behandlung nicht wie vorgesehen abgeholt worden. Eine Mitarbeiterin habe deshalb rund zwei Stunden länger bleiben müssen.

Bedarf dürfte steigen

Noch könne das Zentrum die Situation organisatorisch auffangen. Miemietz blickt jedoch auf die kommenden Jahre. Die Patienten würden älter und immobiler. Damit dürfte auch die Zahl derjenigen steigen, für die ein gewöhnliches Taxi nicht mehr ausreicht. Die Position des Landratsamts könne er grundsätzlich nachvollziehen. Seine Sorge gelte den praktischen Folgen. Gerade angesichts von Personalmangel und steigendem wirtschaftlichen Druck könnten zusätzliche Schwierigkeiten bei den Transporten die Lage verschärfen. Für Miemietz bleibt deshalb eine einfache Voraussetzung entscheidend: Damit die medizinische Behandlung nach Plan funktioniert, müssen die Patienten zuverlässig zur Dialyse kommen – und anschließend auch wieder nach Hause.

Wer übernimmt die Krankenfahrten, wenn Mühlacker Fahrdienst keine Genehmigung erhält?

Welche Auswirkungen die Diskussion um die Liegend- und Tragestuhlfahrten des Mühlacker Unternehmens „Irmak Krankenfahrten“ auf die Patientenbeförderung in der Region haben könnte, beschäftigt auch weiter Akteure im Gesundheitswesen. PZ-news hat bei RKH Gesundheit, der Muttergesellschaft der Enzkreis-Kliniken, bei der AOK Nordschwarzwald und beim DRK-Kreisverband nachgefragt, wie sie das Thema sehen.

„Wir werden die notwendigen Krankenfahrten und Patiententransporte weiterhin zuverlässig organisieren“, sagt RKH-Pressesprecher Alexander Tsongas.

Hierfür stünden verschiedene Anbieter zur Verfügung. Deshalb sondiere man den Markt im Enzkreis. „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir beispielsweise finanzielle Folgen nicht abschätzen“, sagt Tsongas auf die PZ-Frage hin, ob Krankentransporte durch die Anwendung des Gerichtsurteils dazu, teurer werden könnten. „Und die organisatorischen Auswirkungen werden wir gegebenenfalls gemeinsam mit unseren Partnern bewerten und entsprechende Maßnahmen ergreifen“, so

Tsongas.

Ähnlich fallen die Reaktionen der AOK und des Roten Kreuzes aus. Man sei intern in der Analyse, was die Entscheidung über das Beförderungsunternehmen bedeuten könnte, heißt es von der Krankenkasse. Das DRK wiederum wäre ein möglicher Anbieter für Krankentransporte. Solche Fahrten übernehme man „im Rahmen unserer Kapazitäten“, so Susan Miersch von der Pressestelle des Kreisverbands Pforzheim-Enzkreis. Was die Debatte um den Mühlacker bedeuten könne, lasse sich derzeit aber nicht sagen. Weder wirtschaftlich noch organisatorisch. Auch das Urteil des Oberlandesgerichts Hamm, das hinter der Sache steckt, könne der Kreisverband derzeit nicht bewerten. „Für uns steht im Vordergrund, dass Krankenfahrten sicher und unter den jeweils geltenden rechtlichen und fachlichen Vorgaben durchgeführt werden.“