Mühlacker
Mühlacker -  13.05.2019
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Mahle streicht 380 Jobs - trotzdem gute Nachrichten für Mühlacker

Stuttgart/Mühlacker. Angesichts der eher mauen Erwartungen für 2019 macht der Autozulieferer Mahle ernst mit seinem angekündigten Sparkurs. Bis Ende des kommenden Jahres sollen an den Stuttgarter Standorten des Unternehmens rund 380 von 4300 Stellen gestrichen werden, wie Mahle-Chef Jörg Stratmann am Montag ankündigte. Betroffen sind sogenannte indirekte Bereiche, also zum Beispiel die Verwaltung, aber nicht die Produktion. Die Produktionsstätten in Mühlacker und Vaihingen seien gut ausgelastet.

Von einem „anspruchsvollen Jahr“ spricht Jörg Stratmann, Geschäftsführer der Mahle GmbH. Der Autozulieferer setzt auf Produkte für die E-Mobilität. Foto: Sommer
Von einem „anspruchsvollen Jahr“ spricht Jörg Stratmann, Geschäftsführer der Mahle GmbH. Der Autozulieferer setzt auf Produkte für die E-Mobilität. Foto: Sommer

Keine Kündigungen

Der Jobabbau soll über Altersteilzeit- und Aufhebungsverträge gelingen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben – zumindest bis Ende dieses Jahres sind sie im Zuge einer Beschäftigungssicherung allerdings ausgeschlossen. Weltweit hat Mahle 79.600 Mitarbeiter, in Deutschland sind es gut 13.200 Beschäftigte. Ob weitere Stellen zur Disposition stehen, nannte Stratmann Spekulation, aber auch nicht ausgeschlossen. In der Produktion gelinge es bisher, Schwankungen über das Auslaufen befristeter Verträge und über Leiharbeit auszugleichen, hieß es. Aber: „Jeder Standort muss nachhaltig zu unserer Strategie passen“, sagte Stratmann. Vor allem ein zuletzt schwächelnder Markt in China, sinkende Marktanteile beim Diesel und die weltweite Unsicherheit durch schwelende Handelskonflikte machen dem Autozulieferer zu schaffen. Mahle hatte deshalb schon angekündigt, dass die Kosten gesenkt werden müssten, um Investitionen in neue Geschäftsfelder stemmen und zugleich profitabel bleiben zu können.

Keine Auswirkungen auf Mühlacker

In der Region Mühlacker hätten die Stellenstreichungen keine Auswirkungen, so Dieter Kiesling, stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender. Die Produktionsstätten in Mühlacker und Vaihingen seien gut ausgelastet. „Der Umsatzrückgang im Dieselsektor wird durch die Produktion des indirekten Ladeluftkühlers für Benzinmotoren weitgehend kompensiert.“ Die beiden Werke in der Region Mühlacker (früher Firma Behr) zählen insgesamt 1700 Mitarbeiter. Kiesling erinnerte an die Standortvereinbarung bei Mahle, die Ende 2019 ausläuft. Dadurch sind bundesweit betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. „Wir starten demnächst Verhandlungen über eine Fortführung der Standortsicherung.“ In Mühlacker wurde die erste bereits vor über 20 Jahren vereinbart.

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Sparen auch bei Reisen und Messen

Neben den Personalkosten will Mahle bei Sachkosten etwa für Reisen oder Messen sparen. „Dieser Fokus ist absolut notwendig“, sagte Stratmann. Auch ein großes Neubauprojekt am Firmensitz liegt weiter auf Eis. 2018 ging der Umsatz um 1,6 Prozent auf knapp 12,6 Milliarden Euro zurück. Hier machten sich insbesondere ungünstige Effekte bei den Wechselkursen und der Verkauf eines Gemeinschaftsunternehmens bemerkbar, dessen Umsatz wegfiel. Das Konzernergebnis von Mahle fiel dafür mit 446 Millionen Euro mehr als viermal so hoch aus wie 2017 – vor allem auch wegen des Erlöses aus dem erwähnten Verkauf der Anteile an Hella Behr Plastic Omnium. Eine eindeutige Prognose für das laufende Jahr wollte der Mahle-Chef nicht abgeben. „Zu viele Unsicherheiten prägen den Markt, von einer Stabilisierung können wir im Moment nicht ausgehen.“

Autor: Nico Esch/ne