Mögliche Gefahr durch sich lösende Betonteile: Mühlacker plant Schutznetz an Bahnbrücke
Mühlacker. An der Bahnbrücke in der Lienzinger Straße sollen künftig Schutznetze mögliche Gefahren durch sich lösende Betonteile reduzieren. Zudem dürfen Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 16 Tonnen die Brücke nicht mehr befahren.
Die Bahnbrücke in der Lienzinger Straße bleibt ein Sanierungsfall. Nachdem eine erneute Untersuchung weitere Schäden am Bauwerk bestätigt hat, plant die Stadt Mühlacker zusätzliche Sicherungsmaßnahmen. Unter anderem soll ein Schutznetz eine mögliche Gefahr durch sich lösende Betonteile für die darunter verlaufende Bahnstrecke reduzieren.
Der Zustand aller drei zuletzt untersuchten Brücken hat sich seit 2019 verschlechtert. Betroffen sind neben der Bahnbrücke in der Lienzinger Straße auch die V-7-Stabbogenbrücke in der Ziegeleistraße sowie die Alte Eisenbahnbrücke, die als Fuß- und Radwegverbindung in Richtung Ulmer Schanz dient. Bei allen drei Bauwerken seien typische Alterungs- und Verschleißerscheinungen festgestellt worden. Die Schäden umfassen laut Stadtverwaltung Beton-, Beschichtungs- und Korrosionsschäden. Der schlechtere Zustand sei allerdings eine zu erwartende Entwicklung durch fortschreitende Abnutzung infolge von Nutzung und Witterungseinflüssen.
Besonders im Fokus steht die Brücke in der Lienzinger Straße. Dort gilt bereit seit Mitte April eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 Stundenkilometern, um die Belastung des Bauwerks zu reduzieren. Anfang des Monats untersagte die Stadt zudem das Befahren der Brücke für Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 16 Tonnen. Ausgenommen sind Busse des öffentlichen Nahverkehrs. Nun soll in Abstimmung mit der Deutschen Bahn zeitnah ein Schutznetz an der Unterseite der Brücke montiert werden.
Auch an der V-7-Stahlbogenbrücke in der Ziegeleistraße besteht Handlungsbedarf. Dort wurden laut Prüfbericht neben Beton- und Beschichtungsschäden auch Korrosionsschäden an der Übergangskonstruktion festgestellt. Die vorhandenen Roststellen sollen kurzfristig beseitigt werden. Weitere Verkehrsbeschränkungen plant die Stadt derzeit nicht. Auch eine Sperrung einer der drei Brücken steht nach aktuellem Stand nicht im Raum.
„Laut vorliegendem Gutachten sind zum jetzigen Zeitpunkt keine Sperrungen oder Teilsperrungen erforderlich“, teilt Stadtsprecher Philipp Schad mit.
Erst im Zuge späterer Bauarbeiten müsse geprüft werden, ob zeitweise Einschränkungen notwendig werden.
Wann die eigentlichen Sanierungen beginnen können, ist allerdings weiterhin offen. Die Stadt befindet sich nach eigenen Angaben in Abstimmung mit der Deutschen Bahn. Aufgrund der aktuellen Auftragslage lasse sich derzeit noch kein genauer Zeitplan nennen. Nach Angaben der Stadt wird die vollständige Sanierung der Brücke in der Lienzinger Straße mehrere Jahre in Anspruch nehmen.
Hohe Bedeutung
Warum die bereits 2019 bekannten Schäden bislang nicht behoben wurden, begründet die Stadt mit der finanziellen und personellen Priorisierung anderer Projekte. Gleichzeitig betont die Verwaltung, dass auch eine frühere Sanierung die altersbedingte Abnutzung der vergangenen Jahre nicht vollständig verhindert hätte.
Die beiden Straßenbrücken genießen nach Angaben der Stadt inzwischen hohe Priorität. Sie seien für die innerstädtischen Verkehrsbeziehungen von zentraler Bedeutung. Zugleich verweist die Verwaltung auf die besondere Bedeutung der Alten Eisenbahnbrücke, die unter Denkmalschutz steht.
Die drei Brücken sind kein Einzelfall. Sie stehen exemplarisch für den wachsenden Sanierungsbedarf bei Brücken in Mühlacker. Besonders deutlich zeigt sich dies an der Enzbrücke in Mühlhausen. Dort gilt seit Jahren eine Gewichtsbeschränkung von 7,5 Tonnen, nachdem massive Schäden am Tragwerk festgestellt worden waren. Zwar liegt inzwischen eine Machbarkeitsstudie für einen rund 4,7 Millionen Euro teuren Ersatzneubau vor, die konkrete Planung hat jedoch bislang noch nicht begonnen.
Auch Brücken in anderen Kommunen betroffen
Der Sanierungsbedarf bei Brücken ist kein rein kommunales Problem in Mühlacker. Auch an wichtigen Verkehrsachsen in der Region wurden zuletzt Schäden festgestellt. So musste Ende vergangenen Jahres die Brücke der B35 bei Maulbronn-West für Lastwagen über 7,5 Tonnen gesperrt werden. Hintergrund waren Ergebnisse einer Hauptprüfung, bei der sich bereits bekannte Schäden am Tragwerk als gravierender als bislang angenommen erwiesen hatten. Auch an der B10 bei Illingen wurden Anfang Mai Schäden festgestellt. Bei einer turnusmäßigen Bauwerksprüfung entdeckten Fachleute Mängel am Glattbach-Durchlass. Das Regierungspräsidium veranlasste daraufhin Instandsetzungsarbeiten.
