Mühlacker
Mühlacker -  30.05.2026
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Zwischen Nostalgie und Netto: Was wird aus der alten Weberei in Lomersheim?

Die Diskussion um den geplanten Abriss der alten Weberei beschäftigt viele Menschen im Ort. Zwischen Heimatgefühl, historischem Ortsbild und gesicherter Nahversorgung suchen viele nach einem vernünftigen Weg.

Und ein größerer Markt würde die Nahversorgung im Ort langfristig zusätzlich absichern – auch für Kunden aus Dürrmenz wäre der Standort nicht weit entfernt. Dass die alte Weberei nicht komplett verschwindet, sondern einzelne Fassadenelemente erhalten bleiben sollen, wirkt deshalb wie ein vernünftiger Kompromiss, schreibt PZ-Redakteur Johannes Rose.
Und ein größerer Markt würde die Nahversorgung im Ort langfristig zusätzlich absichern – auch für Kunden aus Dürrmenz wäre der Standort nicht weit entfernt. Dass die alte Weberei nicht komplett verschwindet, sondern einzelne Fassadenelemente erhalten bleiben sollen, wirkt deshalb wie ein vernünftiger Kompromiss, schreibt PZ-Redakteur Johannes Rose. Foto: Röhr (Archivfoto)

Die alte Weberei bewegt Lomersheim. Das zeigen nicht nur Gespräche im Ort, sondern inzwischen auch Flyer mit QR-Codes. Wer sie scannt, landet bei einer Online-Petition gegen den Abriss der historischen Hallen, die für einen neuen Netto-Markt weichen sollen. 38 Menschen haben dort bislang unterschrieben – nach rund zwei Wochen. Für einen Stadtteil mit rund 3000 Einwohnern ist das zumindest kein überwältigendes Signal. Dass viele an der alten Backsteinfassade hängen, ist verständlich. Solche Gebäude erzählen Geschichte.

Sie prägen ein Ortsbild – und oft auch Erinnerungen. Trotzdem fällt beim Blick auf die Petition ein Vergleich auf. In Sternenfels sammelten Bürger zuletzt binnen eines Wochenendes mehr als 250 Unterschriften gegen den Abriss des ehemaligen Volksbank-Gebäudes. Nicht online. Sondern mit Gesprächen an Haustüren. Klinkenputzen statt Klicks. Natürlich ist eine Online-Petition einfacher. Schnell unterschrieben, schnell geteilt. Aber echte Bewegung entsteht meist dort, wo Menschen miteinander reden und Überzeugungsarbeit leisten. Dabei geht es in Lomersheim ohnehin um mehr als nur alte Mauern. Viele waren Anfang 2025 schlicht erleichtert, dass mit Edeka Schelske ein Nachfolger für den Nah-und-gut-Markt gefunden wurde – samt Postfiliale, Toto-Lotto und den kleinen Dingen des täglichen Bedarfs. Entsprechend groß ist nun die Sorge, dass der bestehende Markt durch Netto verdrängt werden könnte. Gleichzeitig dürfte kaum plötzlich ganz Lomersheim nur noch bei Netto einkaufen. Und ein größerer Markt würde die Nahversorgung im Ort langfristig zusätzlich absichern – auch für Kunden aus Dürrmenz wäre der Standort nicht weit entfernt. Dass die alte Weberei nicht komplett verschwindet, sondern einzelne Fassadenelemente erhalten bleiben sollen, wirkt deshalb wie ein vernünftiger Kompromiss. Geschichte bleibt sichtbar – aber eben angepasst an die Realität. Denn Heimat besteht nicht nur aus alten Mauern. Sondern auch daraus, dass ein Ort lebendig bleibt.