Neulingen
Enzkreis -  13.07.2021
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Vorher war es zu trocken, dieses Jahr zu nass: Getreideernte im Enzkreis beginnt verspätet

Neulingen/Enzkreis. Witterungsbedingt begann am späten Montagnachmittag in Bauschlott rund zwei Wochen später die Ernte von Winterbraugerste. Die Familien Bastian vom Auweg, Scheible in der Auwegsiedlung und Prokosch Am Anger mussten schnell handeln, um das Getreide noch vor dem neu zu erwartenden Regen einbringen zu können. Wie von Jörg Prokosch zu erfahren war, fielen im Juni in Bauschlott 120 Liter Regen pro Quadratmeter.

Mühsam ist das Dreschen von Getreide, das bei Unwettern durch Starkregen aus dem Boden gedrückt wurde, weshalb Junior Christof Rometsch vom gleichnamigen Lohndruschunternehmen aus Enzberg viel Fingerspitzengefühl benötigt. Foto: Dietrich
Mühsam ist das Dreschen von Getreide, das bei Unwettern durch Starkregen aus dem Boden gedrückt wurde, weshalb Junior Christof Rometsch vom gleichnamigen Lohndruschunternehmen aus Enzberg viel Fingerspitzengefühl benötigt. Foto: Dietrich

Dennoch lag bei Familie Scheible der gemessene Feuchtigkeitsgehalt des Getreides von 13,6 Prozent immerhin noch unter dem erlaubten Wert von bis zu 14 Prozent. Früher war die Norm um dreschen zu können bei bis zu 16 Prozent angelegt.

Wenn der Feuchtigkeitsgehalt zu hoch liegt, muss das Getreide aufwendig getrocknet werden und es gibt in der Folge weniger Geld. Ab neun Prozent Feuchtigkeit abwärts kann ohne Trocknung gedroschen werden. Ist es zu trocken, wird aber das Gewicht beim Verkauf entsprechend leichter.

„Der Ertrag ist besser als im Vorjahr“, sagt Jungbauer Holger Scheible. Weil 2020 in der Frostnacht der Eisheiligen die Blüten erfroren, konnte das Getreide nicht mehr bestäubt werden und in der Folge keine Körner bilden, so dass Winterbraugerste  teils nur noch an die Biogasanlage verkauft werden konnte.

Welche Erträge die anderen Getreidesorten Raps, Sommergerste (Braugerste), Weizen, Hafer und Roggen bringen werden, wird sich zeigen, wenn sie reif sind und ebenfalls in den kommenden Wochen gedroschen werden können.

Mühsame Ernte

Der Mähdrescher vom Lohnunternehmen Bernd Rometsch aus Mühlacker-Enzberg, mit dem am Montagnachmittag in Bauschlott gedroschen wurde, hat eine Schnittbreite von 6,80 Metern. Dadurch können in einer Stunde sechs bis acht Hektar abgeerntet werden, wie von Christof Rometsch zu erfahren war. In diesem Jahr jedoch, wo das Getreide aufgrund reichlicher Wasserzufuhr für die Böden dichter steht oder dort, wo das reife beziehungsweise das fast reife Getreide bei den Unwettern durch Hagel und Starkregen aus dem Boden gedrückt wurde, schafft er nur drei bis vier Hektar pro Stunde. So etwa auf einem großen Acker der Familie Prokosch. Daher ist auch der Feuchtigkeitsgehalt entsprechend höher, wie bei Prokoschs befürchtet wurde. Doch dies wurde in Kauf genommen, um noch mehr Verlust durch weiteren Regen zu vermeiden. Aufgrund der Nässe hat der Mähdrescher auch seine Spuren im Ackerboden hinterlassen.

Der Korntank fasst acht Tonnen Getreide. Da in Pforzheim kein Getreide mehr angenommen wird, kommt es nach Wilferdingen oder Knittlingen.

Autor: Peter Dietrich