Niefern-Öschelbronn
Enzkreis -  28.04.2021
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Zwischen Zukunftsplänen und akuten Problemen: Wird der Enzkreis zum Fahrrad-Wunderland?

Enzkreis. Der beliebte Enztal-Radweg ist vor Niefern an der A8 lange Zeit zu: Die Gemeinde schlägt eine Umleitung neben der B10 vor. Die Radwegekommission sieht insgesamt gute Signale für eine zukunftsträchtige Schnelltrasse.

Große Gruppe, große Aufgaben: Unter Führung von Bürgermeisterin Birgit Förster, Landrats-Vize Wolfgang Herz und Andrea Wexel vom Mobilitätsamt (vorne von links) nimmt die Radwege-Kommission des Enzkreises mit Kreisräten, Vertretern der Polizei, der Fachbehörden und der Fahrradverbände kritische Stellen in Niefern unter die Lupe. Foto: Steinert
Große Gruppe, große Aufgaben: Unter Führung von Bürgermeisterin Birgit Förster, Landrats-Vize Wolfgang Herz und Andrea Wexel vom Mobilitätsamt (vorne von links) nimmt die Radwege-Kommission des Enzkreises mit Kreisräten, Vertretern der Polizei, der Fachbehörden und der Fahrradverbände kritische Stellen in Niefern unter die Lupe. Foto: Steinert

Der Fahrradmarkt boomt, vor allem elektrische Drahtesel sind gefragt wie nie zuvor. Doch hält der Ausbau von Radwegen Schritt mit dem Trend? Gleich zwei dicke Brocken in Niefern rückten in den Blickpunkt, als sich die Kommission des Enzkreises unter Leitung des zuständigen Dezernenten Wolfgang Herz in der Gemeinde umsah. Zum einen ist noch nicht geklärt, wie der Enztal-Radweg von Pforzheim über Niefern Richtung Mühlacker während des rund sechsjährigen Umbaus der A8 umgeleitet wird – der Zweig unter der Enzbrücke wird in der Baustelle gesperrt. Und da das Bundesverkehrsministerium nun viel Geld ausschüttet für besonders schnelle Verbindungen, ist die Frage offen, wie eines Tages durch Niefern so eine ansprechende Linie der Enztalstrecke geführt werden soll.

Für die Verlegung des Radwegs in der A8-Großbaustelle hat Andrea Wexel vom Amt für nachhaltige Mobilität drei Varianten ins Visier genommen. Klarer Favorit der Kreisverwaltung ist eine Linie, die in Eutingen von der B10-Unterführung über den Weg neben der Bundesstraße und über den Reisersweg zum Nieferner Queens-Hotel führt, dort in die Pforzheimer Straße abzweigt und in der Ortsmitte über die Hebelstraße die Radfahrer zur Enztalstrecke nach Mühlacker bringt. „Das haben wir vorgeschlagen“, sagte Bürgermeisterin Birgit Förster.

Möglich wäre auch eine Umleitung über die neugebaute A8-Gemeindebrücke von Eutingen nach Niefern-Vorort, so Wexel. Doch diese Variante übers Wohngebiet Herrenwingert lehnte die Rathausverwaltung ab. Dritte Alternative wäre eine Verbindung über die A8-Kreisstraßenbrücke – die Autobahn-Gesellschaft des Bundes, die Regie führt beim Ausbau, will diese Überführung allerdings im Sommer abbrechen und durch ein neues Bauwerk ersetzen. Das kann zwei bis drei Jahre dauern. Bleibt also nur der Weg neben der B10? „Das muss nun das Regierungspräsidium Karlsruhe entscheiden“, sagte Wexel der PZ.

Und wie sieht die Zukunft eines attraktiven Schnell-Radwegs aus? Der Gemeinderat hat die angedachte Linie über den Herrenwingert und die Bahnhofstraße in Niefern-Vorort verworfen. „Das steht noch nicht fest, das war nur eine erste Überlegung unserer Studie“, so Wexel. Aus Sicht der Gemeinde birgt ein Weg über die Wohnstraße Gefahren für Radfahrer. Zudem wären Fahrten bergauf und bergab nicht sinnvoll. Das Ratsgremium machte sich für einen Ausbau des bestehenden Enztal-Radwegs zwischen Eutingen und der Nieferner Ortsmitte stark.

Jedenfalls muss Landrats-Vize Herz solche Probleme nicht mehr lösen. In 20 Jahren hat er 40 Sitzungen der Radwege-Kommission geleitet, in einem Monat geht er in den Ruhestand. Als der Enzkreis vor zwei Jahrzehnten die Gruppe mit Mitgliedern des Kreistags, Vertretern der Polizei, der Fachbehörden und der Fahrradverbände gründete, war das eine Neuheit – „und nahm damals zahlreiche Aspekte der heutigen Förderung des Radverkehrs vorweg“, so Herz. Bestes Beispiel: Jetzt will das Land schnelle Verbindungen schaffen und der Bund schießt viel Geld für solche Projekte zu. „Der Schnellweg Vaihingen-Ludwigsburg wurde gut bewertet, das ist ein Signal für uns mit dem Anschluss nach Mühlacker und weiter durchs ganze Enztal“, sagte Herz.

Autor: rst