Remchinger Bürgermeisterin trägt vor: Zwischen Fortschritt und Nachholbedarf bei der Gleichstellung
Remchingen. Dass Julia Wieland 2023 im Alter von 28 Jahren zur Bürgermeisterin von Remchingen gewählt wurde, war nicht nur wegen ihres Alters ungewöhnlich – sie gehört auch zu den weniger als zehn Prozent weiblichen Rathauschefinnen im Land. „Vor etwas mehr als 100 Jahren hätte ich als Frau noch nicht einmal wählen oder eigenständig den Führerschein machen dürfen, um täglich von Heidelberg hierher zu pendeln“, stellte Wieland bei ihrem Vortrag bei den Remchinger Landfrauen fest.
Heute sei es für sie selbstverständlich, selbst am Neubau anzupacken, den sie derzeit in Nöttingen gemeinsam mit ihrem Partner Jonas Bentz realisiert – während dieser leidenschaftlich gerne kocht. In manchen Ländern sei das noch immer undenkbar.
Wieland blickte auf die Fortschritte des vergangenen Jahrhunderts zurück. Kraft Amtes ist sie unter anderem Vorsitzende des Heimatvereins, des Partnerschaftsvereins sowie des Fördervereins für Kinder und Jugendliche in Remchingen. Bei den Landfrauen engagiert sie sich hingegen als Privatperson: Seit dem Frühjahr ist sie dort Schriftführerin und zudem Beisitzerin im ASB-Kreisverband.
Mit Blick auf die Kommunalpolitik betonte sie, dass fünf von 22 Gemeinderäten in Remchingen weiblich seien. „Das ist gut, aber noch lange nicht paritätisch“, sagte Wieland mit Blick zu Birgit Gay. Schließlich solle der Gemeinderat die Bevölkerungsstruktur widerspiegeln – und die bestehe aus mehr Frauen als Männern. Sie ermutigte die Anwesenden, Verantwortung zu übernehmen.
Toller Erfindergeist
Frauen hätten in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht, betonte Wieland und verwies auf zahlreiche Erfindungen, die von Frauen stammen – darunter Spülmaschine, Kaffeefilter, Scheibenwischer, Ultraschall, WLAN und Sicherheitsgurt.
Heute seien rund 70 Prozent der Frauen berufstätig. Dennoch sollten sie sich weder ungleiche Bezahlung noch unangemessene Fragen gefallen lassen – auch nicht von anderen Frauen. Sie selbst sei im Wahlkampf mehrfach gefragt worden, wie sie Familie und Beruf vereinbaren wolle.
Dabei gebe es genügend Beispiele – auch im Enzkreis, etwa Sabine Wagner (Neuhausen) und Antonia Walch (Sternenfels) –, die zeigten, dass sich Familie und Rathausspitze wunderbar vereinbaren lassen. „Genauso gibt es einen Vater – den würde man so etwas gar nicht fragen“, betonte Wieland.
