Bad Wildbad
Bad Wildbad -  11.09.2020
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Grandioser Abend bei Rossini-Mini-Festival in Bad Wildbad

Bad Wildbad. Ihr gestisches und mimisches Spiel als Rosina, als affektiertes reiches Mündel im Hause Bar-tolos, war von hinreißendem Charme. Und die sangliche Ausgestaltung der Glanzrolle aus Gioachino Rossinis Melodrama buffo „Il barbiere di Siviglia“ (Der Barbier von Sevilla) umwerfend klangschön.

Kurzfristig eingesprungen: Die japanische Mezzosopranistin Aya Wakizono, partnerschaftlich begleitet vom Pianisten Michele D’Elia, lieferte einen begeistert aufgenommenen Auftritt. Moritz
Kurzfristig eingesprungen: Die japanische Mezzosopranistin Aya Wakizono, partnerschaftlich begleitet vom Pianisten Michele D’Elia, lieferte einen begeistert aufgenommenen Auftritt. Moritz

Dabei lotete die japanische Mezzoso-pranistin Aya Wakizono mit Rosinas Kavatine „Una voce poco fa“ (Frag ich mein beklommnes Herz) lyrische Abgründe aus, tischte locker erklommene, glitzernde Spitzentöne auf und gurgelte, aufmunternd begleitet von ihrem Pianisten Michele D’Elia, musikantische Perlenketten. Das war im Wildbader Forum König-Karls-Bad der Höhepunkt beim Rossini-Solistenkonzert, vom coronabedingt kleinen Publikum mit begeisterten „Bravo“-Rufen quittiert.

Ein Glücksfall fürs Festival

Auch mit weiteren Rossini-Preziosen präsentierte sich die junge Sängerin, die nicht nur bei den weltberühmten italienischen Rossini-Festspielen in Pesaro bereits große Erfolge feierte, gut gelaunt und in bester vokaler Form. Obwohl dankenswerterweise kurzfristig auf Vermittlung ihres Pianisten für die verhinderte Dalla Benetta eingesprungen, meisterte Wakizono das vorgegebene, nicht wie üblich geprobte Programm stimmgewaltig mit professioneller Bravour – ein Glücksfall für „Rossini in Wildbad“.

Ihre fulminante Mezzo-Stimme intonierte dunkel verhangen und samtig weich zu verträumtem Klavierspiel Elenas Kavatine „Oh mattutini albori“ (aus „La donna del lago“) oder leuchtete in aufsteigenden Forte-Passagen in der Rossini-Arietta „Amori scendete“. „Romanze“ und „Gebet“ der Desdemona (aus „Otello“) wurden teils in ergreifend zarter Tonlage, teils mit ausdrucksstarken, dramatisch eingeworfenen Akzenten ausgeführt. Dunkler Trauerton bestimmte die Kantate „Il voto filiale“, iberische Folklore-Farben die Ariette Espagnole „A Grenade“. Fantastische Koloraturen, hohe Haltetöne und herrliche Melodiebögen zeichneten das „Donna del lago“-Finale aus. Sein enormes Können zeigte D’Elia, der Begleiter am Flügel, auch solistisch mit Rossinis komödiantisch-lustvollem „Marche et réminiscences pour mon dernier voyage“.

Alles übertreffendes Ende

Dann die Zugabe, die alles übertreffen sollte. Bei großen Belcanto-Sängern als Konzertabschluss beliebt, servierte auch Aya Wakizono Rossinis im Original für Singstimme und Klavier komponiertes Freiheitslied „La Danza“ (auch als „Mamma Mia“ bekannt). Im Sechs-Achtel-Takt und Rhythmus einer neapolitanischen Tarantella, vom Klavier vorangetrieben, jagte der gesungene Text rasant dahin. Mit unglaublicher Verve legten sich die beiden Interpreten ins Zeug. Grandioser hätte der Wildbader Rossini-Abend nicht enden können.

Autor: Eckehard Uhlig