Bad Wildbad
Bad Wildbad -  11.09.2020
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"Mutiges Kulturprojekt": Kampfansage gegen den Kulturverlust in Bad Wildbad

Bad Wildbad. In Bregenz geht man aufs Wasser, in Bad Wildbad in die Luft. Doch das eigentlich Entscheidende ist ein Konzept, das in diesen Zeiten Kultur überhaupt möglich macht. Corona hat auch dem traditionsreichen Rossini-Festival in dem Schwarzwaldstädtchen den Boden unter den Füßen weggezogen, Intendant Jochen Schönleber hat ihn zurückerobert. Mit dem Mini-Rossini-Festival und einer Oper „L’isola disabitata – Die einsame Insel“ auf der Hängebrücke Wildline ging am Freitag ein mutiges Kulturprojekt in die erste Runde.

Blicken trotz aller Schwierigkeiten hoffnungsvoll auf das nächste Jahr: Bürgermeister Klaus Mack, Intendant Jochen Schönleber und Landrat Helmuth Riegger (stehend) mit dem künstlerischen Rossini-Ensemble des Mini-Festivals. Foto: G. Meyer
Blicken trotz aller Schwierigkeiten hoffnungsvoll auf das nächste Jahr: Bürgermeister Klaus Mack, Intendant Jochen Schönleber und Landrat Helmuth Riegger (stehend) mit dem künstlerischen Rossini-Ensemble des Mini-Festivals. Foto: G. Meyer

Der Calwer Landrat Helmuth Riegger und Wildbads Bürgermeister Klaus Mack sparen nicht mit Lob für das Experiment. „Eine großartige Leistung“, nennt es Riegger und stellt klar:

„Das ist unser Festival, die herausragende Kulturveranstaltung im Landkreis Calw. Das Landratsamt steht auch weiterhin an Ihrer Seite."

Mit Blick auf etwaige Finanzierungslücken im kommenden Jahr darf das Festival offensichtlich mit Unterstützung durch den Kreis rechnen. „Es wird auch in Zukunft gut funktionieren“, gibt Riegger die Tendenz vor. Emotionaler Trost für Schönleber, dessen Kreativitätslevel vermutlich deutlich reichhaltiger ist als der finanzielle Fundus, aus dem er schöpfen kann.

Auch in Klaus Mack hatte Schönleber, als er Ende Februar die Idee des Mini-Festivals auf den Rathaustisch legte, einen kämpferischen Unterstützer: „Wir lassen uns nicht so leicht unterkriegen. Leicht wäre es gewesen, alles einfach abzusagen“. Die Strategie einer Mini-Variante wurde damals von allen Beteiligten mit beeindruckender Geschlossenheit vorangetrieben. „Eine extrem schwierige Zeit“ nennt es Schönleber und ruft in Erinnerung, dass ständige Umplanungen und Neuorientierungen durch die Virus-Vorgaben notwendig waren, bis man schließlich ganz zuletzt auch noch die Endproben kurzfristig verlegen musste – Bad Wildbad machte es möglich. Das junge Ensemble, das angesichts des spektakulären Spielorts auch seine Schwindelfreiheit unter Beweis stellen musste, konnte zusammen ein Haus beziehen und dadurch einige Corona-Maßnahmen dämpfen. Und von der Wildline ist Schönleber begeistert. „Das ist das tollste Bühnenbild, das ich je hatte. So etwas hat man noch nicht gesehen.“

Geschafft hat er auf jeden Fall eines: In Zeiten der Unwägbarkeit und Unsicherheit, in denen die Kunst-Spielregeln außer Kraft gesetzt scheinen und „Oper eigentlich nicht machbar ist“, ist das das Mini-Rossini-Festival eine Kampfansage gegen den Kulturverlust.

Autor: Gabriele Meyer