Bad Wildbad
Bad Wildbad -  04.06.2026
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Nach Axt- und Messervorfällen in Bad Wildbad: So ist die Situation vor Ort

Bad Wildbad. Es sind Szenen wie aus einem schlechten Film, festgehalten auf einem Handyvideo: Ein Mann mit Mütze, weißem Shirt und auffälliger Kette marschiert über den Bad Wildbader Bahnhofsplatz. In der linken Hand hält er ein Messer, in der rechten eine Axt.

Vor dem Bad Wildbader Bahnhof hat sich eine problematische Szene etabliert.
Vor dem Bad Wildbader Bahnhof hat sich eine problematische Szene etabliert. Foto: Biesinger

Drohend baut er sich vor einem untersetzten Mann auf und fuchtelt mit Axt und Messer in den behandschuhten Händen vor dessen Gesicht. Was auf dem Video gesagt wird, ist nicht zu verstehen, doch die Szene, die sich am 19. Mai abgespielt hat, wirkt auch ohne Worte für Außenstehende angsteinflößend.

Wer das Video aufgenommen hat, ist nicht bekannt. Seine Echtheit wird jedoch von einem Ladenbetreiber bestätigt. Er kenne die Leute, die darauf zu sehen sind. Das Video kursiert seit Tagen in Bad Wildbad und sorgt für ungläubiges Kopfschütteln. Auch die Polizei hatte in einer Pressemitteilung über die Tat berichtet.

Ein paar Tage vor dem Vorfall eine andere Szene, andere Beteiligte, nur wenige Hundert Meter vom Bahnhof entfernt in der Bad Wildbader Fußgängerzone: Ein Mann soll am 9. Mai mit einem Messer hantiert und seinen Hund auf Passanten gehetzt haben. Kurz darauf geht er in seine Dachgeschosswohnung und droht mit einer Axt aus dem Fenster des Mehrfamilienhauses.

In beiden Fällen wird die Polizei auf den Plan gerufen. Beim Bahnhof nimmt sie einen 32-Jährigen fest, der zuvor mit einem 39-Jährigen in Streit geraten war und den er schließlich mit Axt und Messer bedroht hatte. Da die Freundin des 32-Jährigen den Polizeieinsatz massiv stört, wird auch sie in Gewahrsam genommen. Beide werden kurz darauf wieder freigelassen. In der Fußgängerzone umstellen die Polizisten zehn Tage zuvor das Mehrfamilienhaus und können den Mann schließlich zum Verlassen seiner Wohnung bewegen. Laut Polizei befand er sich in einem psychischen Ausnahmezustand sowie unter Alkohol und Drogeneinfluss. Er wird in einer psychiatrischen Fachklinik untergebracht.

Es sind zwei besonders heftige Fälle, die sich innerhalb weniger Tage in der beschaulichen Kurstadt abgespielt haben und in Teilen der Bevölkerung für Verunsicherung sorgen. Tatsächlich ist die Zahl der Straftaten in Bad Wildbad zuletzt gestiegen. Nach Angaben des Polizeireviers Calw wurden im Jahr 2025 insgesamt 492 Straftaten registriert – ein Plus von 12,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Einberechnet sind darin aber auch kleinere Delikte. Gleichzeitig sank die Aufklärungsquote um 10,9 Prozent auf 65 Prozent. Die Polizei betont jedoch, dass diese Entwicklung weitgehend dem Landestrend entspreche.

Wie sicher ist die Bad Wildbader Innenstadt? Wie bewertet die Polizei die Lage und wird es nun verstärkt Kontrollen geben? Die PZ hat sich mit Bürgermeister Marco Gauger sowie dem Sprecher des Polizeipräsidiums Pforzheim, Alexander Uhr über die Sicherheitslage in der Stadt unterhalten und sich selbst ein Bild von der Stimmung in der Innenstadt gemacht.

Es ist Mittagszeit an einem normalen Wochentag. Am zentralen Omnibusbahnhof vor dem prächtigen Bahnhofsgebäude ist es ruhig. Wären keine Schulferien, würden zahlreiche Schüler des Enztalgymnasiums auf Bus und Bahn warten. So sitzen nur vereinzelt Reisende oder Pendler auf den Bänken. Eine Mitarbeiterin des Bad Wildbader Ordnungsamts fährt mit ihrem Dienstwagen vorbei und weist zwei Reisende auf das seit 1. Juni geltende Rauchverbot an Bushaltestellen hin. Auf den ersten Blick deutet nichts darauf hin, dass dort erst kürzlich ein mit Axt und Messer Bewaffneter Angst und Schrecken verbreitet hat. Doch auf den zweiten Blick und nach Gesprächen mit einem Ladenbetreiber, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, wird schnell deutlich, dass die Ruhe trügerisch ist.

Der Mann berichtet von täglichen Saufgelagen und Kiffertreffen. Rund 20 Leute würden sich auf dem Bahnhofsvorplatz regelmäßig treffen und er zeigt Fotos von einem Mann, auf dem Gehsteig im Schneidersitz vor sich hinkauernd, offensichtlich in ein Selbstgespräch vertieft. Solche Szenen würden vor allem ältere Menschen verunsichern und wirkten verstörend auf die jungen Leute vom Enztalgymnasium, sagt der Ladenbetreiber und fordert vehement ein Alkoholverbot rund um den Bad Wildbader Bahnhof. Das, so ist er überzeugt, würde viele Probleme lösen. Den Mann mit Axt und Messer kennt er. Es sei nicht das erste Mal, dass er bewaffnet im Bahnhofsbereich aufgetaucht sei. Und es sei auch nicht das erste Mal, dass die Polizei ihn festgenommen habe.

„Der lacht dann immer nur, wenn er abgeführt wird, denn am nächsten Tag ist er schon wieder draußen“, ärgert sich der Ladenbetreiber.

Da geht es ihm wie anderen Bad Wildbadern auch. Es wird viel spekuliert in diesen Tagen. Wahrheiten und Unwahrheiten machen die Runde. Von kriminellen Ausländern ist die Rede, von einem nicht funktionierenden Rechtsstaat. Die PZ will von Polizeisprecher Uhr wissen, welche Nationalitäten die Täter in den beiden genannten Fällen hatten. Er betont jedoch: „Zu persönlichen Hintergründen der beteiligten Personen äußert sich die Polizei in diesem Fall nicht. Ein möglicher Migrationshintergrund spielt für die Bewertung des vorliegenden Sachverhalts keine Rolle.“ In der Stadt wird darüber gesprochen, dass es sich bei dem mutmaßlichen Täter am Bahnhof um einen Mann mit ausländischen Wurzeln handeln soll. Bei dem Vorfall in der Fußgängerzone sei die handelnde Person ein Deutscher gewesen. Und die Clique am Bahnhof, so schätzt der Ladenbetreiber, bestehe zu 95 Prozent aus Deutschen.

Doch wie wollen Polizei und Stadt nun damit umgehen, dass sich rund um den Bahnhof eine Szene etabliert hat, die von vielen Bürgern als problematisch wahrgenommen wird?

„Die Polizei bewertet die Sicherheitslage im Bereich von Bahnhof und Innenstadt weiterhin als kontrollierbar“, sagt Uhr.

Eine außergewöhnliche Kriminalitätsentwicklung sei derzeit nicht erkennbar. Gleichwohl habe die Polizei ihre Präsenz in den betroffenen Bereichen verstärkt und die Maßnahmen an die aktuelle Lage angepasst. Beobachtern fällt auf, dass seit den Vorfällen mehr Polizei in der Stadt unterwegs ist. „Die Polizeipräsenz wurde in den betroffenen Bereichen verstärkt beziehungsweise lageorientiert angepasst“, bestätigt Uhr. Die Maßnahmen würden der Prävention sowie der sichtbaren Präsenz dienen und würden fortlaufend an die aktuelle Entwicklung angepasst. Ähnlich äußert sich Bürgermeister Gauger: „Wir nehmen die Besorgnis in der Bevölkerung wahr“, sagt Gauger. Gemeinsam mit Ordnungsamt und Polizei setze die Stadt alles daran, ordnungswidriges und strafbares Verhalten konsequent zu unterbinden. Die Vorfälle passen nicht zum Image der Kurstadt.

„Wir alle wünschen uns, dass unsere Stadt für eine herzliche Gastfreundschaft und ein friedliches Miteinander steht. Ich habe große Betroffenheit wahrgenommen und bin gleichzeitig sehr dankbar für die schnelle und starke Präsenz der Polizei“, so Gauger.

Doch wie soll es nun weitergehen, damit Reisende, Pendler und Schüler sich wieder sicher fühlen können? Die Polizei werde ihre Präsenz und präventive Maßnahmen entsprechend anpassen, um das Sicherheitsgefühl der Menschen zu unterstützen, verspricht Polizeisprecher Uhr.

Fest steht, die beiden Vorfälle waren Ausnahmeereignisse. Doch sie haben eine Debatte angestoßen. Für viele Bürger wird entscheidend sein, ob die angekündigte Präsenz von Polizei und Ordnungsamt auch dauerhaft sichtbar bleibt.

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