Wegen Baustelle an der Guldenbrücke: Hier muss der Enztalradweg auf die Straße weichen
Bad Wildbad. Nach langer Vorbereitungszeit und mehreren Verzögerungen ist es nun so weit: An der Guldenbrücke zwischen Bad Wildbad und Christophshof wird tatsächlich gebaut. Seit einigen Tagen stehen die Ampeln, der Verkehr rollt abwechselnd und nach Angaben des Regierungspräsidiums (RP) Karlsruhe bislang ohne größere Rückstaus an der Baustelle vorbei.
Für Unmut sorgt allerdings die Verkehrsführung auf dem Enztalradweg. Radfahrer können diesem nicht bis unmittelbar an die Baustelle folgen, sondern müssen bereits auf Höhe des Christophshofs auf die L 351 wechseln. Damit sind sie mehrere Kilometer gemeinsam mit Autos und anderen Fahrzeugen auf der Landesstraße unterwegs. Das betrifft auch Familien mit Kindern, die den touristischen Radweg nutzen. Eine vom motorisierten Verkehr getrennte Führung gibt es auf diesem Abschnitt derzeit nicht.
Der insgesamt 106,5 Kilometer lange Enztalradweg führt von Enzklösterle durch den Nordschwarzwald und über Pforzheim bis nach Walheim, wo die Enz in den Neckar mündet.
Beengte Verhältnisse
Grund für die weiträumige Umleitung ist nach Angaben des RP das Baufeld, das sich unmittelbar auf dem Enztalradweg befindet. Wegen der beengten Platzverhältnisse könne der Radverkehr dort nicht vorbeigeführt werden, erklärt RP-Sprecherin Irene Feilhauer auf PZ-Anfrage.
Eine kürzere oder alternative Route sei bereits vor Baubeginn geprüft worden. Aufgrund der topographischen Verhältnisse habe sich jedoch keine geeignete und zumutbare Strecke gefunden. Das RP verweist darauf, dass das Verkehrsaufkommen auf der L 351 im Vergleich zu anderen Landesstraßen eher gering sei. Um die Sicherheit der Radfahrer zu erhöhen, wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit zwischen Christophshof und Guldenbrücke dennoch auf 50 Kilometer pro Stunde reduziert. Zusätzlich warnen Schilder Autofahrer davor, dass Radfahrer die Fahrbahn mitbenutzen.
Die Umleitung soll nur vorübergehend bestehen. Der Enztalradweg bleibt laut RP so lange gesperrt, bis die Behelfsumfahrung für den motorisierten Verkehr und die Radfahrer fertiggestellt und freigegeben ist. Nach den bisherigen Planungen soll die Behelfsbrücke Ende Oktober eingehoben und Mitte November für den Verkehr freigegeben werden. Danach sollen auch die Radfahrer wieder über den Enztalradweg geführt werden.
Für Verwirrung könnte allerdings die derzeitige Kommunikation auf touristischen Online-Portalen sorgen. Sowohl auf der Internetseite des Enztalradwegs als auch beispielsweise bei Outdooraktiv wird die Sperrung zwischen Guldenbrücke und Christophshof derzeit bis Ende Juli 2027 angegeben. Das RP stellt auf PZ-Anfrage dagegen klar, dass die Umleitung über die L 351 nur bis zur Fertigstellung und Freigabe der Behelfsumfahrung bestehen soll.
Der Bau der Behelfsbrücke ist Voraussetzung dafür, dass die historische Guldenbrücke selbst saniert werden kann. Derzeit werden unter anderem eine Blocksteinmauer zur Böschungssicherung und der Kranstandort für das spätere Einheben der Behelfsbrücke hergestellt. Sobald diese Mitte November für den Verkehr freigegeben ist, soll die eigentliche Sanierung der Guldenbrücke beginnen.
Das 1886 errichtete Bauwerk weist Defizite bei der langfristigen Standsicherheit auf, zudem entspricht die Absturzsicherung nicht mehr den heutigen Anforderungen. Für die Sanierung sind rund neun Monate eingeplant. Die gesamte, rund drei Millionen Euro teure Baumaßnahme soll nach derzeitiger Planung im Spätsommer 2027 abgeschlossen sein.
Absperrungen entfernt
Unterdessen sollen dem Vernehmen nach bereits Radfahrer Absperrungen am gesperrten Enztalradweg eigenmächtig entfernt haben. Bestätigen kann das RP solche Vorfälle bislang nicht. Der Bauüberwachung sei kein entsprechender Fall bekannt, sagt Feilhauer.
Ausschließen könne die Behörde solche Eingriffe allerdings nicht. Da diese häufig außerhalb der regulären Arbeitszeiten stattfänden, seien die Verantwortlichen nur schwer festzustellen. Die Beteiligten an der Baustelle sollen die Situation deshalb künftig verstärkt beobachten.
