Dobel -  07.12.2018
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Blickfang fällt der Säge zum Opfer

Dobel. Die Blutbuche vor der Dobler Sporthalle muss gefällt werden. Baum kränkelt seit längerer Zeit, nun ist er von einem Pilz befallen.

Das waren noch Zeiten: Altbürgermeister Wolfgang Krieg und Pfarrer Ludwig Thon (Mitte von links) mit Mitgliedern des damaligen Fördervereins „Parkhallenbad“ und Gästen bei der Einweihung der Rundbank am Fuß der Blutbuche 2009.
Das waren noch Zeiten: Altbürgermeister Wolfgang Krieg und Pfarrer Ludwig Thon (Mitte von links) mit Mitgliedern des damaligen Fördervereins „Parkhallenbad“ und Gästen bei der Einweihung der Rundbank am Fuß der Blutbuche 2009.

Es war nur eine kurze Mitteilung unter „Bekanntgaben“ in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Doch die Blutbuche vor der Dobler Sporthalle, die nun aus Sicherheitsgründen gefällt werden muss, hat eine lange und bedeutende Geschichte für den Ort.

Die Buche, nach Aussage von Kämmerer Jürgen Gall wahrscheinlich fast 100 Jahre alt, war jahrzehntelang markanter Blickfang. Altbürgermeister Gerhard Westenberger erwähnt sie nicht umsonst in seinen Erinnerungen als einen der ortsbildprägenden Bäume Dobels.

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Das Grundstück, auf dem sie steht, wechselte in den frühen 1900er-Jahren mehrfach den Eigentümer – aus der Parkvilla wurde die Villa Blind. Schließlich verkaufte, so Westenberger, die Erbengemeinschaft Bossinger 1955 das Anwesen an den Badischen Turnerbund, das Haus wurde Turnerheim. Damals schon stand die Blutbuche an exponierter Stelle. Eineinhalb Jahrzehnte später erwarb die Gemeinde Dobel das Anwesen für Kurzwecke – eben in der Amtszeit Westenbergers.

Der Baum erlebte den Abriss des Turnerheims und 1979 den Bau des Parkhallenbades. „Schon da wurde die Architektur für den Badbau um den mächtigen Baum herum in halbrunder Form geplant“, weiß der Altbürgermeister, „der Buche sollte nichts passieren.“

30 Jahre lang prägte der Baum den Vorplatz des Bades. 2009 noch wurde eine Rundbank um den Fuß der Blutbuche eingeweiht. Die Hoffnung auf Bestand des Parkhallenbades war vergeblich, es wurde im Oktober 2010 geschlossen. Als 2013 der Abriss der Gebäude lief, war erneut der Erhalt der Buche Anliegen der Gemeinde. Bei der Planung der Außenanlage für die neue Sporthalle spielte der ehrwürdige alte Baum wiederum eine zentrale Rolle. Es war klar, dass quasi mit und um ihn herum gebaut werden sollte. So erlebte er, abgetrennt durch Bauzäune, den Bau der neuen Halle samt Außenanlagen.

Bereits im Herbst 2017, mit der Fertigstellung des Projektes, waren jedoch erste Krankheits-Anzeichen an der Blutbuche zu erkennen. Laut Gall unternahm die Gemeinde eine Vielzahl von Maßnahmen dagegen – von der zusätzlichen Bewässerung über Lanzendüngung bis zum Rückschnitt. Zudem sei der „Patient Baum“ Baumsachverständigen, Biologen und Naturschutzbeauftragten vorgestellt worden. Deren Diagnose war aber einheitlich schlecht. Zumal sich seit Sommer 2018 ein Pilz, ein Riesenporling, am Fuß des Stammes angesiedelt hat. Durch ihn wird nicht nur das Holz spröde, sondern auch das Wurzelholz mit der Zeit weich. „Wahrscheinlich“, schätzt Gall, „haben schon die Erschütterungen beim Rückbau des Parkhallenbades die ersten Schäden verursacht. Eine Buche hat sehr feine, empfindliche Wurzeln.“ Buchen würden daher nicht als Straßenbäume gesetzt.

Möglicherweise schon kommende Woche wird die Blutbuche gefällt. Die Winterzeit muss genutzt werden. Das entsprechende Gerät wie ein Hubsteiger sowie die Mithilfe des Bauhofes sind erforderlich, die Witterung muss passen. Außerdem soll ein für Artenschutz zuständiger Biologe die Aktion begleiten, um sicherzustellen, dass keine Tiere bei der Fällung zu Schaden kommen. Wie Westenberger bedauernd sagt: „Man kann das Sterben eines alten Menschen letztlich nicht verhindern, das eines alten Baumes auch nicht.“

Autor: Winnie Gegenheimer