Dobel -  19.11.2019
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Hotel mit Sternküche der Provence: Diese Quereinsteigerin aus der Region erfüllt sich Traum in Südfrankreich

Dobel. Fallendes Laub, Kälte und der Dobel in dichte Wolken gehüllt. Dennoch freut sich Margot Stängle, wieder in ihrer Heimat zu sein. „Ich weiß, wo meine Wurzeln sind“, verrät die Frau, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten ein Hotel in Südfrankreich betreibt, das seit diesem Jahr auch mit einem Michelin-Stern auftrumpfen kann.

Margot Stängle zieht es immer wieder auf den Dobel zurück – für die PZ posiert sie vor dem Kurhaus. Foto: Meister
Margot Stängle zieht es immer wieder auf den Dobel zurück – für die PZ posiert sie vor dem Kurhaus. Foto: Meister

Die heute 52-Jährige hat in ihrem Leben viel erlebt und trotz des Wohnsitzes hat sich der Kontakt mit der Familie und Freuden bis heute gehalten. Stängle wuchs auf dem Dobel auf und legte in Neuenbürg ihr Abitur ab. Schon früh interessierte sie sich für Architektur und wurde an der Kunstakademie in Stuttgart aufgenommen. Nach dem erfolgreichen Studium konnte sie in New York Einblicke in die Arbeit von Star-Architekt Richard Meier sammeln. Der vermittelte Stängle nach einem halben Jahr nach München, später machte sie sich dort als Architektin selbstständig.

Dabei lernte sie ihren heutigen Lebensgefährten Ralph Hüsgen kennen. Obwohl beide in ihren Berufen erfolgreich waren, sehnten sie sich 2009 nach etwas Neuem. „Wir haben uns die Frage gestellt, ob wir die tägliche Tretmühle bis zum Lebensende fortführen wollen“, so Stängle.

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Hüsgen selbst kam aus der Marketingbranche, hatte aber ebenso wie Stängle eine Affinität für Architektur. Sein Gedanke ein Hotel zu eröffnen, faszinierte Stängle so sehr, dass sie den gemeinsamen Entschluss fassten. Da sie bereits seit 1999 mit Bio-Wein handelte und gute Kontakte zum in Frankreich wohnhaften Winzer Henning Hoesch hatte, fiel die Entscheidung über das Land nicht schwer.

Anschließend waren die beiden rund drei Wochen in sämtlichen Landstrichen Frankreichs unterwegs. Trotz interessanter Objekte stießen die beiden auf einige Widerstände. In Teilen Frankreichs seien die Wunden des Zweiten Weltkriegs noch nicht vergessen, erzählt Stängle: „Unser Anliegen wurde in einer Gemeinde rigoros abgeschmettert.“

Erst drei Jahre später fanden Stängle und Hüsgen in Saint Remy de Provence ihr Domizil. Der Ort in der Nähe von Avignon ist die Geburtsstätte von Nostradamus, später wurde Vincent van Gogh in der örtlichen psychiatrischen Klinik behandelt. Das noble Stadtpalais aus dem 17. Jahrhundert, in dem einst eine Adelsfamilie wohnte, wurde 2013 bis auf die Fassaden abgerissen und 2015 konnte das Hotel eröffnet werden. Das heutige Hotel de Tourrel besticht vor allem durch Einrichtungsgegenstände bekannter Designer und historischem Charme. Im Sommer lockt die Dachterrasse.

2019 kommt der Stern dazu

Das gehobene Ambiente lockt jährlich Menschen aus der ganzen Welt in den Ort. Anfang 2019 erhielt die Küche um Chef Jérémy Scalia einen Michelin-Stern. „Wir achten in unserer Küche sehr auf den regionalen Charakter und setzten deshalb nur auf Lebensmittel aus der näheren Umgebung“, so Stängle. Passend dazu lagern im benachbarten Gewölbekeller rund 600 verschiedene Bio-Weine.

Rückblickend spricht sie von einem erfolgreichen Schritt. „Wir sind froh, dass wir uns dieses Wagnis auch ohne gastronomische Erfahrung getraut haben“, freut sie sich. Dabei macht sie auf die deutschen Tugenden, wie Fleiß und Disziplin aufmerksam, die vor allem in Südfrankreich oftmals belächelt werden.

Für den Dobel würde sie sich ein ähnliches Engagement wünschen. „Es wäre schön, wenn jemand den Versuch wagt, gastronomisch auf dem Dobel Fuß zu fassen“, sagt sie. Aus ihrer Sicht sollte sich die Gemeinde vor allem die Natur zunutzemachen und damit mehr Menschen anlocken.

Autor: Stefan Meister