Dobel -  04.11.2021
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Lesung von vier Mitgliedern der Goldstadt-Autoren: Von Erotik bis Mord – wo die Liebe hinfällt

Dobel. Irgendwo in uns muss es wie eine Schlacke im Hochofen liegen – das Bedürfnis nach Liebe. Eine kleine Ahnung davon, was sich hinter dem Gefühl verbergen könnte, war am Samstag im Dobler Kurhaus zu erhaschen. Eingeladen zu der Lesung hatten vier Mitglieder des Vereins „Goldstadt Autoren“ – das Thema Liebe schien fast immer ein wenig eine Abrechnung mit dem eigenen Leben zu sein.

Um die Liebe ging es bei den „Goldstadt Autoren“ Uschi Gassler, Wolfgang Weimer, Elfriede Weber und Ina Zantow (von links) bei ihrer Lesung in Dobel. Foto: Meyer
Um die Liebe ging es bei den „Goldstadt Autoren“ Uschi Gassler, Wolfgang Weimer, Elfriede Weber und Ina Zantow (von links) bei ihrer Lesung in Dobel. Foto: Meyer

Das ist so unterschiedlich wie die Formen von Liebe und die Qualität dessen, was die Autoren aufs Papier brachten. Der erste Brief des Paulus an die Korinther lief wohl außerhalb dieser Autorenschaft – warum das Hohelied der Liebe von Ina Zantow aus Pforzheim verlesen wurde, mochte sich nicht so recht erschließen lassen. Allerdings hatte sie bereits mit der Feststellung „Gott ist die Liebe“ begonnen, um sich dann in ihrer Geschichte doch mehr der irdischen Gefühlsversion zuzuwenden, die dann aber wieder am Kreuz endete: „Er hatte ihre gemeinsame Liebe gekreuzigt.“ Da ist doch noch was, was zum Thema gehört? „Mein Teil ist der Sex“, sagte Wolfgang Weimer. Der Dobler ging es direkt an. „Hat jemand Lust, mit mir zu schlafen“, fragte er und steckte das Feld mit einer Klärung der Konditionen ab: Überwiegend männliche Personen sind ausgeschlossen, die zeitliche Grenze nach unten ist zu beachten und nach oben bildet die 90 eine Schallmauer: „Man sollte ja aus dem Bett wieder herauskommen“. Als alle Hände irgendwie geniert unten blieben, kam, nicht unerwartet, die Pointe: „Ich meine wirklich schlafen – aber Vorsicht, ich schnarche.“ Ein bisschen knorrig und knarzig, aber voller Witz lässt er mit voller Kraft die lustigen Seiten des Themas durcheinander purzeln. Sex, so mag es Elfriede Weber aus Straubenhardt nicht angehen – sie nannte ihre Gedichte erotisch. Da reimte sich vieles. Auch wenn ihre Gedanken zur Liebe sehr persönlich und tief sind, der Anspruch, dass es hinten richtig endet, verstellt die Sicht. In ihrer Erzählung ging es dann wieder um die Suche – nach dem Richtigen, nach der Liebe.

Ein ganz anderes Genre hat sich Uschi Gassler aus Königsbach ausgesucht. Krimifans kamen auf ihre Kosten. Da lernte man das Gruseln, Skelette klapperten, ein Biolehrer à la Dr. Mabuse ersetzte das marode Schulobjekt durch den stabileren Knochenbau der Frau an seiner Seite. Weshalb Menschen ihre Liebsten töten? Die Antwort gab man am Schluss gemeinsam: Männer töten, um ihre Frau nicht zu verlieren. Frauen töten, um ihren Mann loszuwerden. Schauen wir mal, ob’s stimmt.

Autor: Gabriele Meyer