Dobel -  02.06.2022
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SPD-Urgestein Franz Müntefering stellt in Dobel Buch über Leben im Alter vor

Dobel. Franz Müntefering, Jahrgang 1940, früherer Vizekanzler und SPD-Vorsitzender, ist sein Alter nicht anzusehen. Er steht im Kurhaus vor interessiertem Publikum und referiert über das Alter.

In seinem neuen Werk „Das Jahr 2020+“ beschreibt Franz Müntefering (links) seine Ideen und Gedanken. Die Zuhörerschaft lässt sich das Buch signieren. Foto: Zoller
In seinem neuen Werk „Das Jahr 2020+“ beschreibt Franz Müntefering (links) seine Ideen und Gedanken. Die Zuhörerschaft lässt sich das Buch signieren. Foto: Zoller

Darüber, wie Senioren Vereinsamung und Krankheiten entgegenwirken können. „Das terminierte Renteneintrittsalter ist ein kultureller Irrtum unserer Zeit“, so der Sozialdemokrat der alten Schule: „Das Rentenalter gab es vor 150 Jahren nicht und das wird es in 150 Jahren auch nicht mehr geben.“

Als Buchautor ist der mittlerweile 82-jährige aktiv unterwegs und referiert auf dem Dobel ohne Manuskriptvorlage über das Thema Demografie – die Wissenschaft, die sich mit der Entwicklung von Bevölkerungen beschäftigt. Persönliche Erinnerungen aus Kindertagen bilden den Auftakt für eine Zeitreise und den Blick in eine Zukunft, in der die Lebenserwartung der Menschen immer höher werden. „Wer heute geboren wird, hat die Chance, 100 Jahre alt zu werden“, so die Prognose von Müntefering. Er bringt damit zum Ausdruck, dass es schön ist, das Leben zu genießen – aber älter zu werden eben nicht so ganz einfach ist: „Mit Corona kamen Beschränkungen, die belastend und für viele zu einer persönlichen Katastrophe wurden.“ Müntefering spricht von Vereinsamung und den Sorgen um die Gesundheit. Er motiviert dazu, auch als Ruheständler aktiv zu sein: „Unsere Währung ist die Zeit – und wer die einsetzt, der bekommt auch Dividende.“

Leben in Einsamkeit

Er referiert über kognitiv geschwächte und demente Menschen, die in Heimen leben und von Besuch abhängig sind, um soziale Kontakte zu pflegen. „Doch in Corona-Zeiten war das alles weg. Keiner durfte die alten Menschen besuchen – auch dann nicht, wenn es Todesfälle gab.“ Müntefering berichtet über die vielen Facetten, die ein dritter Lebensabschnitt mit sich bringen kann. Er fordert auf, präventiv zu denken: „Wir müssen auch im fortgeschrittenen Alter lebendig bleiben, denn wir haben etwas zu tun.“ Mit einem Exkurs in die Babyboomer-Jahre zeigt er den Wandel der Gesellschaft auf: „Damals lebten noch drei Generationen in einer Wohnung.“ Heute gebe es in Großstädten mehr als 50 Prozent Single-Haushalte, und auf dem Land viele einsame Senioren. Müntefering fordert seine Zuhörer auf, sich über das Thema soziale Kontakte Gedanken zu machen.

Als Lösungsansatz nennt er seine „Drei L-Methode“, die er mit Laufen, Lehren und Lachen definiert. „Laufen ernährt das Gehirn, Lehren können wir auch noch im Alter, um die Jungen zu unterstützen.“ Wichtigstes Element für das gesunde Älterwerden seien Kommunikation und Lachen, das bei diesen Treffen nie fehlen darf.

Autor: zol