Schömberg
Schömberg -  29.08.2021
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Harmonisch und doch konfliktbeladen: Kammermusikprogramm in Schömberg

Schömberg. Ein anspruchsvolles Programm mit Klaviertrios von Beethoven und Schumann eröffnete die Sommerkonzerte im herbstlich kühlen Schömberg. Der coronakonform bestuhlte Kursaal war gut besucht, wobei der lässige Umgang mit den Coronaregeln am Einlass und im Saal irritierte. Gerd-Uwe Klein (Violine), Guido Larisch (Vionloncello) und Tobias Schabenberger (Hammerflügel) hatten sich bei „Beethoven plus“ für die historische Aufführungspraxis entschieden.

Gerd-Uwe Klein, Tobias Schabenberger und Guido Larisch (von links) spielten Klaviertrios von Beethoven und Schumann. Foto: Volz
Gerd-Uwe Klein, Tobias Schabenberger und Guido Larisch (von links) spielten Klaviertrios von Beethoven und Schumann. Foto: Volz

Das bestens aufeinander eingespielte Ensemble, das mit einem sehr harmonischen Zusammenklang überzeugte, gab jedem Mitspieler Raum zur Demonstration seiner virtuosen Fähigkeiten.

Auf besonderes Interesse stieß der Hammerflügel, ein Nachbau der französischen Klavierbaufirma Pleyel. Er ist dünner und mit weniger Zug besaitet, auch die Hammermechanik unterscheidet sich. Der Klang ist verhalten-warm und fügt sich gerade im kammermusikalischen Zusammenspiel sehr gut ein, ohne durch Lautstärke zu dominieren.

Zu Beginn erklang Beethovens Klaviertrio in Es-Dur, op. 70 Nr. 2. Es entstand 1808, zeichnet sich durch eine heitere, unbeschwerte Grundstimmung aus und ist Beethovens Mäzenin Marie Gräfin Erdödy gewidmet.

Die vier Sätze zeigen ein meisterhaftes Spiel mit Kompositionsformen. Ein einleitender Kanon im historisierenden Stil mit Elementen der Renaissancemusik durchläuft den zweiteiligen ersten Satz und bildet gleichzeitig einen strukturierenden Rahmen. Tänzerisch kommt der zweite Satz mit einer Gavotte (barocker Tanz) auf die Bühne, in einer von Haydn erfundenen Doppelvariation in elegantem Dur und kräftig stampfendem Moll. Humorvoll der Schlussteil, in dem die Akzente versetzt sind, so dass man quasi „unbegabte Tanzschüler“ vorüberstolpern hört.

Ein Kabinettstück ist der dritte Satz in fünfteiliger Scherzoform mit zweifach wiederholtem Trio, dessen Kern eine lyrische, kantable Melodie bildet, wieder mit der Doppelvariation von Themen im Renaissance- und Haydnstil. Der rastlos drängende und treibende vierte Satz soll vor allem im auffälligen Rhythmus Elemente eines kroatischen Tanzes zeigen.

Schumanns 1847 geschriebenes, seltener gespieltes Klaviertrio Nr. 2 F-Dur op. 80 ist seinem Spätwerk zuzuordnen. Die vier im Gegensatz zur italienischen Praxis deutsch bezeichneten Sätze kreisen um seine Vertonung der Eichendorff-Verse „Dein Bildnis wunderselig“. Sie sind lebhaft und abwechslungsreich gestaltet und überraschen immer wieder mit ungewöhnlichen harmonischen und rhythmischen Formen. Der Höreindruck ist überwältigend vielfältig und insgesamt nur schwer zu fassen.

Obwohl die Grundstimmung des Trios als „freundlich“ interpretiert wird, scheinen in der Komposition doch auch die Schwierigkeiten, Komplikationen und Konflikte in Schumanns Leben einen Niederschlag gefunden zu haben. Lange anhaltender Beifall und als Zugabe der zwei Satz aus dem Beethoven-Klaviertrio.

Autor: Uta Volz