Schömberg
Schömberg -  13.09.2020
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Wilde Musik aus den Fünfzigern: „The Booze Bombs“drücken Open-Air-Konzert im Kurpark musikalischen Stempel auf

Schömberg. Ein neues Hygiene- und Abstandskonzept macht’s möglich: Dem ersten und zugleich einzigen Open Air-Konzert im Kurpark Schömberg drückte die Rockabilly-Formation „The Booze Bombs“ am Freitagabend ihren musikalischen Stempel auf. Die Band aus Calw schöpfte aus einem reichen Repertoire an sofort zündenden Rock-Klassikern, eigenen und adaptierten Balladen und mitreißendem Rhythm and Blues.

Begeistern das Publikum: Lothar Schmitt (Kontrabass), Ian Bowman (Schlagzeug), Anneliese Pardo (Gesang), Christoph Weiß (Bluesharp)und Stephan Brodbeck (Gitarre, von links). Foto: Frommer
Begeistern das Publikum: Lothar Schmitt (Kontrabass), Ian Bowman (Schlagzeug), Anneliese Pardo (Gesang), Christoph Weiß (Bluesharp)und Stephan Brodbeck (Gitarre, von links). Foto: Frommer

Nach einer Begrüßung von Ursula Buchleitner, Touristik & Kur, legen die vier Musiker mächtig los. Den zupackenden Sound der „Booze Bombs“ („Schnapsbomben“) bestimmen sowohl die kraftvolle Stimme der Sängerin Anneliese Pardo als auch die in tiefen Duane Eddy-Tonlagen beheimatete Gitarre von Stephan Brodbeck („Lucky Steve“). Für den Rhythmus-Teppich sorgen der schnörkellose Kontrabass von Lothar Schmitt („Lodl the Barbarian“) und das kompromisslos und staubtrocken gespielte Schlagzeug von Ian Bowman („Dollar Bill“) aus Oxford.

Jeweils in den letzten Sequenzen der Sets kommt stets Christoph Weiß („Dynamite White“) an der Bluesharp hinzu. Schon beim zweiten Song des Abends, „Rip It Up“, zucken in den pandemiegerecht konfigurierten Zuschauerreihen die ersten Beine. „Tanzen dürft ihr zwar nicht, aber mitsingen“, gelingt es Anneliese Pardo („Annie Leopardo“), den Bewegungsdrang der Konzertgäste in Bahnen zu lenken. Beim nachfolgenden Titel nimmt die Band etwas Fahrt raus, und bei „He’s Mine“ kommt die authentische Stimme der Frontfrau mit sizilianischen Wurzeln überragend zur Geltung.

Im Pausengespräch mit der PZ sagt Pardo: „Wir haben zunächst die Musik der 1950er-Jahre nachgeahmt und später einen eigenen Stil gefunden, der sich inzwischen in sechs Booze Bombs-Alben niedergeschlagen hat“. Pardo zeichnet bei den Eigenkompositionen für die Texte verantwortlich. Die Kompositionen stammen von Stephan Brodbeck, dem einzigen verbliebenen Gründungsmitglied der Schnapsbomben. „Er hat mich für die Band gewollt“, lacht Pardo, mit der Begründung: „Rockabilly-Sänger gibt’s eine Menge, Sängerinnen nicht“.

Wohl auch wegen der wuchtigen Alt-Stimme der Italo-Schwarzwälderin. Die brennt sich besonders bei der getragenen Ballade „My Baby Is Gone“ ins Gedächtnis. Der Abend wird allmählich kälter. Doch die Uptempo-Stücke ermuntern zum Hüftwackeln auf den Stühlen – und halten einige Gäste augenscheinlich ganz gut warm.

Für puren Hörgenuss sorgt der soulige Cover-Song „You’ll Lose A Good Thing“ (im Original 1966 von Barbara Lynn) und das stramm nach vorne stampfende Stück „Ice Cold Whiskey“, bei dem Ian Bowman Snare, Base und Becken mit Paukenschlägel statt mit Drumsticks zum Klingen bringt.

Bei den R&B-Songs wie „She Likes To Rock“ wird – auch durch die Bluesharp von Christoph Weiß – überdeutlich, woher Jagger und Kollegen ihre frühen Anregungen bezogen haben. Klasse Konzert, klasse Frontfrau! Das schreit nach einer Wiederholung.

Autor: Robin Daniel Frommer