Schömberg
Schömberg -  06.01.2019
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Zwischen Diesseits und Jenseits bei Wanderung durch Schömberger Wald

Schömberg. Elfen, Vampire und redende Tiere – Humbug? Nicht während der zwölf Rauhnächte. Einst, in vorchristlicher Zeit, schrieb man ihnen mystische Wirkung zu. Die Rauhnächte beginnen am 25. Dezember und enden in die Nacht zum 6. Januar. In diesen Tagen soll die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits durchlässiger werden – und die Geister und die Seelen der Verstorbenen haben Ausgang.

Roswitha Hild (links) führt bei ihrer Wanderung durch den Schömberger Wald in die Mystik und Magie der Rauhnächte ein. Foto: Meister
Roswitha Hild (links) führt bei ihrer Wanderung durch den Schömberger Wald in die Mystik und Magie der Rauhnächte ein. Foto: Meister

Chaos vermischt sich mit Ordnung in diesen magischen Nächten. Allerdings streiten sich die Geister über die genaue Datierung. In anderen Gegenden wird bereits der Vorabend zur Wintersonnwende genannt.

Rauch soll Dämonen vertreiben

Am Samstag führte Roswitha Hild zahlreiche Interessierte durch den Schömberger Wald und erläuterte dabei die Tradition dieser Zeit. Passend hierzu hatte sich der Wald in eine Eis- und Schneelandschaft verwandelt und verpasste der Veranstaltung eine tolle Atmosphäre.

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Hild machte an mehreren Stationen im und um den Wald Rast und erläuterte den Mythos. Sie stellte zunächst klar, dass die Rauhnächte ursprünglich als Rauchnächte aufgefasst wurden. Hierbei wurde mit Kräutern geräuchert, damit dunkle Geister und Dämonen vertrieben werden. Zu Veranschaulichung hatte Hild einige regionale Kräuter in Räucherschalen für die Mitwanderer mitgebracht, diese sollten die segenbringenden Geister willkommen heißen.

Vor allem galt die Zeit zwischen den Jahren als Möglichkeit, reinen Tisch zu machen. Erledigungen sollten im alten Jahr abgeschlossen werden. Weder das Haus durfte unordentlich sein, noch Wäsche gewaschen oder aufgehängt werden. Der Mythos sagt aus, dass böse Geister sich sonst in der Wäsche verfangen. Auch das Kartenspiel war verboten. Alle Lebensbereiche waren von den Rauhnächten betroffen. Wichtig war es, die Götter friedvoll zu stimmen, damit das neue Jahr kein Unglück bringt. In ihrer kurzweiligen Erörterung verdeutlichte Hild den verbreiteten Brauch des Orakels währen den Rauhnächten. Vielerorts galten die zwölf Nächte auch als Losnächte für das kommende Jahr. Diese sollten verraten, ob es eine neue Liebschaft gibt oder ob mit einem feuchten oder trockenen Wetter zu rechnen ist. „Allgemein gilt es, die Wetterlage zwischen den Jahren zu beobachten, da sie für das neue Jahr aussagekräftig ist“, so Hild. „Auch Träume in dieser Zeit gilt es ernst zu nehmen“, fügte sie vor den staunenden Wanderern an.

Magie im Heute

Während der Wanderung wurde deutlich, dass das facettenreiche regionale Brauchtum zwar nicht mehr offiziell gelebt wird, aber dennoch mehr als ein Aberglaube ist. Hild erinnerte daran, dass auch heute zwischen den Jahren das Hamsterrad häufig stillsteht und deshalb die Zeit zur Besinnung gegeben ist. Statt zu orakeln, gießen wir an Silvester Blei. Ebenso versucht man, sich im alten Jahr noch von schlechten Angewohnheiten zu trennen.

Autor: Stefan Meister