20.000 Euro am Finger: Ein Blick hinter die Kulissen der Pforzheimer Schmuckfirma Eugen Dettinger
Pforzheim. Wuchtig und schwer liegt der Ring aus 18-Karat Gold mit unzähligen Brillanten wie ein Schatz in der Hand. Rund 20.000 Euro Publikumspreis, erläutert Firmenchef Falk Dettinger. Schnell wird deutlich, warum Rundgänge durch Schmuckmanufakturen wie die der 1916 gegründeten Eugen Dettinger GmbH in der Westlichen-Karl-Friedrich-Straße 89 eine Seltenheit sind. Die Branche ist diskret – allein schon wegen der Sicherheit.
Da ist beispielsweise das große Diamantenlager, das der Firma ermöglicht, Kunden in kürzester Zeit mit dem gewünschten Diamantschmuckstück zu versorgen, sagt Falk Dettinger, der die Firma in vierter Generation lenkt. Selbst ein Verlobungsring lasse sich so auch bei einem kurzfristigen Antrag realisieren, ergänzt Katja Cicala, die seit 2024 die Geschäftsleitung verstärkt.
Alles aus einer Hand
Hilfreich dabei ist, dass die Firma alle Schritte der Schmuckfertigung selbst im Haus abdeckt – vom Entwurf über Gießen und Schmieden bis hin zu Fassen und Polieren.
„Wir sind autark“,
sagt Firmenchef Falk Dettinger.
Hier werde nichts ausgelagert. Aus kaufmännischer Sicht würde so mancher Unternehmensberater den Kopf schütteln. Doch in der Corona-Zeit, als Lieferketten fragil waren, hatte die Firma Eugen Dettinger keine Unterbrechungen. „Es zählt ja jeder Tag“, sagt Cicala.
An Aufträgen mangelt es der Firma nicht. „Wir suchen Mitarbeiter“, sagt Dettinger, der vom Standort Pforzheim überzeugt ist. Besonders Poliererinnen seien schwer zu finden – von einer Automatisierung ist die Branche noch weit entfernt. Dass viele Unternehmen derzeit einen Einstellungsstopp verhängt haben, spüren auch die beiden Geschäftsführer. „Da hat sich etwas verschoben“, sagen sie. Es seien mehr gutausgebildete Fachkräfte auf dem Markt. Der Platz für weitere Goldschmiede oder im Büro sei allerdings jetzt schon knapp, wie sich bei einem Rundgang mit Oberbürgermeister Peter Boch, WSP-Chef Oliver Reitz und Wirtschaftsförderer Markus Epple zeigt.
Übernahme kleiner Firma am Bodensee
Rund 50 Mitarbeiter zählt Eugen Dettinger in Pforzheim. Hinzu kommen weitere Standorte – etwa in der Nähe von Vicenza in Italien, wo das Schmuckunternehmen 2015 die Firma Clioro übernahm. Dort fertigen zehn Mitarbeiter Ketten und Creolen.
Jüngster Zugang ist die Firma Leicht Chaton aus Überlingen, deren Inhaber altersbedingt den Betrieb aufgegeben hat. Das Angebot an Halbzeugen, Fassungen und Verschlüssen ergänzt nun das Sortiment von Eugen Dettinger. Damit wuchs auch das internationale Kundenportfolio – verstärkt exportiert das Unternehmen nach Skandinavien und in die USA.
Schmuck aus Pforzheim in die Welt
Dort spürt Eugen Dettinger derzeit die volle Wucht der Trumpschen Wirtschaftspolitik. Zölle verteuern die Produkte für die Kunden. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen in den USA noch sein bestes Ergebnis. „Wie es dieses Jahr wird, wird sich zeigen“, sagt Dettinger. Erschwert wird die Arbeit zudem durch den explodierenden Goldpreis, der immer neue Kalkulationen erfordert, sowie durch bürokratische Auflagen, die den Geschäftsführern bisweilen wie Schikane erscheinen. „Wir bekommen Auflagen, die es in anderen Ländern so nicht gibt. Das stärkt uns nicht im internationalen Wettbewerb“, sagt Dettinger.
