Nach Schlägerei und Nazi-Parolen auf Kieselbronner Maifest: Zwei Männer vor Gericht
Pforzheim/Kieselbronn. Zu einer handfesten Schlägerei samt Nazi-Parolen und Hitlergruß kam es im vergangenen Jahr auf dem Kieselbronner Maifest. Angeklagt sind nun vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Pforzheim unter der Vorsitzenden Richterin Stephanie Gauß ein 17-Jähriger und ein 53-jähriger Mann aus dem östlichen Enzkreis. Eigentlich steht auch der Bruder des Jugendlichen vor Gericht, doch er erschien am Donnerstag nicht zur Verhandlung und auch eine polizeiliche Vorführung blieb erfolglos, so dass jenes Verfahren nun gesondert behandelt wird.
In der Nacht zum ersten Mai 2025 trafen verschiedene Faustschläge die Gesichter etlicher Unbeteiligter – darunter ein Feuerwehrmann, der die Security unterstützte sowie ein Besucher, der mit einem Freund und dessen Frau bereits auf dem Heimweg war. Sein unfreiwilliges Mitbringsel: ein schmerzhaftes großes Veilchen über dem Auge. Dem Begleiter wurde mit Gewalt das T-Shirt zerrissen.
„Ich habe schon viel Respektlosigkeit in meiner Polizeikarriere erlebt, aber der Angeklagte ist unter den Top drei“,
so ein Polizeibeamter über einen der Angeklagten, der damals noch 16 Jahre alt war.
Dieser soll beim Fest nicht nur mit ausgestreckter Hand den Hitlergruß gezeigt und Naziparolen wie „Sieg Heil“ gerufen haben, sondern sich zudem geschlägert, ins Polizeiauto erbrochen und die Beamten übel als „Hurensöhne und Nazis“ beschimpft haben. „Selbst als er aus dem Gewahrsam entlassen wurde, hat er wieder weitergemacht“, schildern mehrere Zeugen. Auch eine Polizeibeamtin bekam die körperliche Gewalt der Täter zu spüren.
Der Jugendliche hatte mächtig Alkohol getankt und verwies nun auf einen kompletten Filmriss. „Ich kann mich an nichts mehr erinnern. Es ist mir unangenehm, dass ich nicht sagen kann, ob alles stimmt oder nicht. Ich schäme mich“, so der Jugendliche, der sich vor Gericht aber dennoch bei den Beamten entschuldigte. „Mit 16 Jahren 1,9 Promille, das muss man auch erst einmal schaffen“, sagte Staatsanwalt Maximilian Schneider. Zudem soll der Junge zuvor noch gekifft haben.
„Ich wollte mich bedanken, dass Sie so behutsam mit mir umgegangen sind“,
sagte der ältere Angeklagte zu einem Polizeibeamten.
Der Mann hatte selbst etliche Blessuren erlitten, denn er rannte in einen Bauzaun hinein. Mit der Schlägerei will er allerdings nichts zutun gehabt haben. „Ich habe das Pfand abgegeben und war auf der Toilette“. Danach hätte man ihn beschuldigt, bei der Auseinandersetzung dabei gewesen zu sein. Der Mann sei dann vor der Masse auf einen Berg geflüchtet und direkt in den Bauzaun gelaufen. „Es kam mir vor wie eine Hetzjagd, was da abgegangen ist“, so der 53-Jährige auf der Anklagebank.
„Ist dies der Mann, der die unfreiwillige Begegnung mit dem Bauzaun hatte?“,
fragte die Richterin immer wieder nach.
Dies blieb von allen Seiten unstrittig – Fausthiebe will jener allerdings nicht verteilt haben. Ein Opfer war sich jedoch sicher, dass der Schlag in sein Gesicht von exakt diesem Mann kam. „Zuerst hieß es: ‚Die Feuerwehr nicht‘ und dann wurde von hinten doch zugeschlagen“, schilderte ein Betroffener.
Der Stein des Anstoßes zum Streit soll gewesen sein, dass ein Besucher von einer Bierbank gefallen sei. Doch schon geraume Zeit vor der Keilerei sei die Gruppe durch Schattenboxen und Naziparolen unangenehm aufgefallen.
Die Verhandlung wird am Dienstag vor dem Amtsgericht in Pforzheim fortgesetzt.
