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Pforzheim -  01.04.2026
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Neue Ungereimtheiten rund um GU-Türkischer SV Pforzheim

Pforzheim. Da zwei führende Köpfe wegen des Verdachts der Geldwäsche in Untersuchungshaft sitzen, rückt auch der Fußball-Verbandsligist in den Fokus. Eine der unangenehmen Fragen in diesem Zusammenhang ist, ob der Verein seitens der Stadt Pforzheim auch noch gefördert wurde, obwohl die Voraussetzungen dafür zuletzt möglicherweise nicht mehr gegeben waren.

GU Türk Spielfeld Brötzinger Tal
In Sachen GU-Türkischer SV stellen sich in Pforzheim und darüber hinaus diverse spannende Fragen. Foto: Röhr

Die Fußballer der GU-Türkischer SV Pforzheim spielen in der Verbandsliga weiter vorne mit, doch abseits des Platzes sind neue Störgeräusche zu vernehmen. Seit zwei Personen aus dem Umfeld des Vereins wegen des nach einer Zollkontrolle am Flughafen Stuttgart vor zwei Monaten öffentlich gewordenen Verdachts der Geldwäsche in Untersuchungshaft sitzen, gibt es offenbar von verschiedenen Seiten den Wunsch, den Club zu durchleuchten. Beispielsweise wurde im Sportausschuss im nicht-öffentlichen Teil jüngst die Frage gestellt, ob die GU-Türkischer SV bei der Stadt Pforzheim Schulden habe.

In diesem Zug kam der Fragesteller auf die kürzlich erfolgte Abmeldung der Jugendabteilung zu sprechen und darauf, dass der Verein seine erste Mannschaft ausgegliedert haben soll. Wie im Profi-Bereich könnte Letzteres die Finanzierung des Teams erleichtern.

Ohne Jugendarbeit keine Spielberechtigung für die Oberliga – das haben mehrere Kenner der Erfordernisse im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung“ gesagt. Unabhängig davon fehlt ohne Nachwuchs die Basis für eine finanzielle Unterstützung der Stadt. Pforzheims 2024 in Kraft getretene Sportförderungsrichtlinien sehen für jedes durch die Statistik des Badischen Sportbundes nachgewiesene jugendliche Mitglied eines gemeinnützigen Vereins 19,50 Euro Zuschuss pro Jahr vor.

Nun werfen Medienberichte die Frage auf, ob die GU-Türkischer SV Pforzheim nicht mehr gemeinnützig ist – womöglich sogar schon seit rund zehn Jahren: Der bisher letzte Nachweis soll vorgelegt worden sein, als der Club noch in der A-Liga kickte. Seit 2020 hat der Verein den „Badischen Neuesten Nachrichten“ zufolge von der Stadt einen Mähroboter für 11.000 Euro und 22.000 Euro erhalten.

Eine schriftliche Anfrage der „Pforzheimer Zeitung“ an die Stadt blieb am Mittwoch unbeantwortet. Aufgrund der Osterferien könne vom betreffenden Amt diese Woche niemand Auskunft geben, teilte eine Sprecherin auf eine telefonische Nachfrage hin mit.

Dem Zuwendungsempfängerregister des Bundeszentralamts für Steuern zufolge hat die Germania Union 1896 Türkischer SV Pforzheim am 14. April 2025 einen Freistellungsbescheid erhalten, also eine Bestätigung der Gemeinnützigkeit. Auffällig ist, dass in den Rubriken „Datum Erteilung Feststellungsbescheid“ und „Steuerbegünstigter Zweck“ der Vermerk „keine Angabe“ zu finden ist. Dieser Umstand erlaube aber keinerlei Rückschlüsse, teilte ein Sprecher des Bundeszentralamts für Steuern auf PZ-Nachfrage mit.

Laut BNN liegt der Stadt kein Freistellungsbescheid vor. Das könnte daran liegen, dass ein derartiger regelmäßiger Beleg in der Praxis offenbar nicht nötig ist, um Fördergelder zu erhalten: In diese Richtung äußerten sich Vertreter anderer Vereine der PZ gegenüber. Die 22-seitigen Pforzheimer Förderrichtlinien halten fest, dass ein Antrag im Vereinsregister sowie eine Anerkennung des Finanzamts als gemeinnützig die Voraussetzungen jedweder Unterstützung sind. Dieser Passus könnte also allgemein Grundlage für Rückzahlungsforderungen sein.

Unter Verweis auf das Steuergeheimnis äußerte sich Jens Kuchta, Amtsleiter beim Finanzamt Pforzheim, zum Verbandsligisten GU-Türkischer SV Pforzheim auf PZ-Anfrage nicht. Ein führender Vertreter des Clubs wiederum erklärte, er müsse wegen dieser Thematik Rücksprache mit Kollegen halten und stellte eine Rückmeldung spätestens kommende Woche in Aussicht. Daneben wies der Mann auf die Mitgliederversammlung am Freitag, 25. April hin, die reguläre Vorstandswahlen beinhalte. Etliche der seiner Aussage zufolge etwa 400 Mitglieder dürften sich von diesem Termin so einige Aufschlüsse erhoffen.

Autor: Ralf Kohler und Anna Wittmershaus