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Enzkreis -  04.06.2020
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Bald Revolution bei der medizinischen Versorgung? Neues Modell könnte Untersuchung auf dem Land grundlegend ändern

Kreis Calw/Enzkreis. In Höfen gibt es schon seit Monaten keinen Hausarzt mehr, in Dobel droht selbes Szenario, wenn Hans-Jürgen Hornberger seine Praxis Ende Juni schließt und in den Ruhestand geht. Die Suche nach Nachfolgern gestaltet sich in beiden Gemeinden schwierig und in Zukunft werden auch in der Umgebung immer mehr Allgemeinmediziner altersbedingt wegfallen. Ein neues Konzept soll die medizinische Versorgung auf dem Land revolutionieren, indem neue Fachkräfte die Erstuntersuchung der Patienten übernehmen. Dem drohenden Hausärztemangel soll so entgegenwirkt werden. Das Land hat kürzlich 1,6 Millionen Euro dafür freigegeben. Was steckt dahinter?

Beim Projekt Ambigoal bleibt der Kontakt mit medizinisch geschultem Personal bestehen. Das kann bei Bedarf einen Arzt über neue Kommunikationswege hinzuziehen oder den Patienten direkt in dessen Obhut überweisen. Foto: dpa-Archiv
Beim Projekt Ambigoal bleibt der Kontakt mit medizinisch geschultem Personal bestehen. Das kann bei Bedarf einen Arzt über neue Kommunikationswege hinzuziehen oder den Patienten direkt in dessen Obhut überweisen. Foto: dpa-Archiv

Ambigoal heißt das gemeinsame Projekt des Regionalverbands Nordschwarzwald, einem Institut der medizinischen Fakultät Mannheim sowie den beiden Landkreisen Calw und Freudenstadt. Matthias Proske, Verbandsdirektor des Regionalverbands Nordschwarzwald, erklärt das Prinzip so: In jeder Gemeinde soll es einen sogenannten Physician Assistant geben, den Patienten wie den Hausarzt zuvor auch aufsuchen können. „Bei Lappalien kann der Assistent beispielsweise ein Rezept ausstellen“, sagt Proske. Sollte das Problem jedoch ernster sein, könne die speziell geschulte Fachkraft vor Ort einen Arzt hinzuziehen oder den Erkrankten direkt zu einem Fachmediziner überweisen.

Der Vorteil für vor allem ältere Bevölkerungsgruppen liegt laut dem Verbandsdirektor im Gegensatz zur reinen Telemedizin darin, dass nach wie vor ein Ansprechpartner „aus Fleisch und Blut“ vor Ort ist. Die sogenannten Physician Assistants seien von der Ausbildung her zwischen medizinischen Fachangestellten und Ärzten anzusiedeln. Das Universitätsklinikum Mannheim bietet jährlich zehn duale Studienplätze dazu an.

Proske spricht von einer „revolutionären Umkrempelung der medizinischen Versorgung auf dem Land“.

Mehr lesen Sie am 5. Juni in der „Pforzheimer Zeitung“ Ausgabe Nordschwarzwald oder im E-Paper auf PZ-news.

Autor: kri