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Gesundheit -  15.06.2026
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Betroffene aus Pforzheim berichten: Welche Sätze Krebskranken gut tun – und welche nicht

Pforzheim. Die Diagnose Krebs ist nicht nur für die Betroffenen ein Schock. Auch Freunde und Angehörige wissen oft nicht, wie sie damit umgehen und sich richtig verhalten sollen. Eine Pforzheimer Gesprächsgruppe für Erkrankte hat Sprüche zusammengetragen, die sie als mitfühlend oder als völlig unpassend empfinden.

Mitarbeiter des DKFZ betrachtet Querschnittsbild einer Prostata
Eine Krebsdiagnose verändert nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch das von Angehörigen und Freunden. Foto: Uwe Anspach/Picture Alliance/dpa

Die Rangliste der schlechtesten Sprüche würde ein jeder Einzelne ein bisschen anders aufstellen. Aber auf einen Spitzenreiter können sie sich einigen: Den Kommentar „Ach, das wird schon wieder“ empfinden alle als besonders unpassend. Gehört haben ihn schon einige Teilnehmer der Gesprächsgruppe, die an Krebs erkrankt sind und sich regelmäßig alle 14 Tage treffen. Und nicht nur diesen: „Wenn es dir gerade richtig dreckig geht und jemand sagt dir, ‚Du siehst aber gut aus‘, ist das schwierig“, sagt Susanne Fischer.

Diese Sprüche mag die Gesprächsgruppe weniger:

  • „Ach, das wird schon wieder.“
  • „Reiß dich mal zusammen!“
  • „Da kenne ich auch jemanden …
  • „Nimm mal dies! Das musst du probieren!“
  • „Du musst mehr essen!“
  • „Du hast aber viel Glück gehabt.“
  • „Sie sehen gut aus, ihnen geht es bestimmt gut.“
  • „Du gehst zur Krebsberatungsstelle? Da bist du doch mit lauter Kranken zusammen.“
  • „Du siehst aber gut aus. Warst du im Urlaub?“
  • „Du machst Sport? Ich denke, du bist krank.“

Diese Bemerkungen empfinden Krebskranke als positiv:

  • „Ich bin für dich da.“
  • „Das tut mir leid.“
  • „Ich habe immer ein offenes Ohr für dich. Melde dich einfach!“
  • „Ich hab dich lieb.“
  • „Darf ich etwas für dich tun?
  • „Kann ich dir irgendwie helfen?“
  • „Ich freue mich, wenn ich dich sehe. Bitte gib mir einen Tipp, wie ich mit dir kommunizieren oder was ich mit dir unternehmen kann!“
  • „Wenn du reden willst, ich höre zu.“
  • „Es ist super, wie du alles meisterst.“ 

Individuelle Empfindungen

Dabei wissen die Betroffenen, dass solche Sätze wahrscheinlich gut gemeint sind. Denn die Diagnose Krebs trifft nicht nur sie selbst wie ein Schock – sie verändert oft auch das Leben von Angehörigen und Freunden schlagartig. Viele Menschen wollen in dieser Situation helfen, Trost spenden oder einfach da sein – und wissen gleichzeitig nicht, welche Worte die richtigen sind.

„Bei Krebs handelt es sich um eine lange Erkrankung, die wiederkommen kann. Man sieht es den Menschen oft nicht an, dass sie schwer krank sind."

- Monika Bühler-Wagner von der Psychosozialen Krebsberatungsstelle und Koordinatorin der Gesprächsgruppe

Monika Bühler-Wagner kann sich vorstellen, dass manche Sprüche daher schlicht aus Unsicherheit und Unwissenheit entstehen.  „Bei Krebs handelt es sich um eine lange Erkrankung, die wiederkommen kann“, sagt die Koordinatorin der Gesprächsgruppe von der Psychosozialen Krebsberatungsstelle. Man sehe es den Menschen oft nicht an, dass sie schwer krank seien.

Um beim Infostand zum zehnjährigen Bestehen der Beratungsstelle mit Besuchern ins Gespräch zu kommen, hat die Gruppe daher Bemerkungen zusammengetragen: Solche, die man lieber nicht hören will, und solche, die gut tun. Dabei empfinden die Teilnehmer diese durchaus unterschiedlich. Während Rudolf Lauck es beispielsweise als sehr hilfreich betrachtete, dass ihm jemand einen Hinweis auf einen anderen Betroffenen gab, mag Jutta Schmidt den Satz „Da kenne ich auch jemanden“ überhaupt nicht.

Manchmal macht es bereits einen Unterschied, wer etwas sagt. Laucks Frau darf ihn schon mal ermahnen, er solle sich zusammenreißen. „Sie kennt mich und ist mein Motivationscoach“, begründet der mehrfach an Krebs erkrankte 79-Jährige dies. Von anderen wirkt dieser Satz auf ihn dagegen wenig mitfühlend.

Manchmal überfordert die Diagnose das Umfeld auch: Bühler-Wagner hat es schon erlebt, dass die Krebserkrankung bei Angehörigen auf wenig Verständnis stieß oder sich manche Freunde plötzlich nicht mehr meldeten oder Beziehungen einschliefen. „Wenn ich körperlich eingeschränkt bin, kann ich eben nicht mehr zum Sportverein oder an Wandergruppen teilnehmen“, nennt die 65-jährige Susanne Fischer dafür einen möglichen Grund. Andererseits könne die Krankheit auch Bindungen vertiefen.

Viel Verständnis in der Gruppe

Viel Verständnis finden die Betroffenen innerhalb der Gesprächsgruppe. Es ist eine sehr vertraute, enge Atmosphäre. Schließlich sehen sich die acht bis neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer regelmäßig und freuen sich immer darauf. Für Mehmet Öztük ist die Gruppe fast wie eine kleine Familie. „Hier können wir offen über alles reden, nicht nur über Krankheit“, bestätigt Jutta Schmidt. Das stärke ungemein.

An Themen mangelt es nicht. Mal geht es um Schlafstörungen, mal um Ressourcen und Alltagsgestaltung und damit die Frage: Was ist möglich mit all den Dingen, die eben nicht mehr gehen? „Wenn ich heimgehe, bin ich beschwingt“, beschreibt Lauck die Wirkung der Gespräche, die auch schwere Themen nicht ausklammern. Großen Raum nahm beispielsweise das Thema Angst ein. „Das hat uns emotional noch mehr berührt als der Tod“, sagt die 68-jährige Schmidt. Vor allem, weil sich viel um Ängste der Angehörigen drehte, die oft schwerwiegender seien als die eigenen. „Weil ich es ja einschätzen kann, wie es mir geht“, sagt Susanne Fischer.

Ein Allgemeinrezept haben sie nicht, wie Freunde und Bekannte am besten mit der Diagnose Krebs umgehen sollen. Auch hier gibt es unterschiedlichste Auffassungen. Aber auf eines können sie sich einigen: Den Mut zu haben, den Erkrankten zu fragen: Zum Beispiel ob oder wie lange er darüber reden will. „Und dass man nicht reduziert wird auf die Krankheit.“