Brachialer Einbruch ins Pforzheimer Schmuckmuseum: Drei Männer in U-Haft, einer auf der Flucht
Handelt es sich um organisierte Kriminalität? Waren die Verdächtigen im Auftrag von Sammlern am Werk? Oder hatten sie es bloß auf Edelmetall abgesehen? Alles spekulativ, heißt es am Montag aus dem Polizeipräsidium zu entsprechenden PZ-Fragen nach dem Einbruch ins Schmuckmuseum. Und doch gibt es etliche neue Fakten. Die drei vor Ort gefassten Männer sitzen inzwischen in U-Haft.
Sie sind nicht von hier, sondern stammen aus Zentralafrika und sollen von Frankreich aus eingereist sein. Die Fahndung dauert an. Denn ein vierter mutmaßlich an der Tat Beteiligter sei nicht identifiziert und weiter auf der Flucht. Es bleibt also viel zu tun bei der Aufarbeitung dieser so dreisten wie brachialen Tat vom frühen Sonntagmorgen – für die Ermittlungsbehörden wie für die Stadtverwaltung.
Drei Verdächtige sitzen inzwischen in Untersuchungshaft
37, 33 und 29 Jahre alt seien die Inhaftierten. Diese hätten noch im Reuchlinhaus festgenommen werden können. Polizeisprecher Alexander Uhr: „Das war eine gute Zusammenarbeit, wir hatten einen aufmerksamen Zeugen, und die richtigen Kollegen saßen im richtigen Auto.“ Sprich: Der Einsatz ließ wie am Schnürchen und zeitigte nicht zuletzt deshalb den unmittelbaren Erfolg. Die Einbrecher waren aber auch weder sachte noch leise zu Werke gegangen.
Aufmerksamer Zeuge alarmiert die Polizei
Wie die Polizei bestätigte, hatte ein Zeuge – nach PZ-Informationen ein junger Pforzheimer – am Sonntag gegen 2.15 Uhr gemeldet, dass mindestens drei Personen eine große Scheibe an der Dr.-Brandenburg-Straße eingeschlagen hätten und in das Reuchlinhaus eingedrungen seien.
Noch im Gebäude konnten die herbeigeeilten Beamte das Trio stellen. Dieses hatte nach bisherigen Erkenntnissen versucht, weitere gesicherte Bereiche des Museums gewaltsam zu öffnen. Diebesgut fiel ihnen nicht in die Hände.
Trotz des eingesetzten Polizeihubschraubers habe der mutmaßlich Vierte im Bunde nicht ausfindig gemacht werden können. Die Herkunft der anderen geben Polizeipräsidium und Staatsanwaltschaft in ihrer gemeinsamen Mitteilung mit „Zentralafrikanische Republik“ an. Also jenem Staat, der umgeben ist von Tschad, Sudan, Südsudan und Demokratischer Republik Kongo. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in dieses Land, in dem die Sicherheitslage überall „volatil“ sei: „Es kommt landesweit zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit Todesopfern.“ Es bestehe akute Gefahr von Terroranschlägen, es gebe willkürliche Verhaftungen, eine Million der Bewohner sei auf der Flucht. „Die Zentralafrikanische Republik gehört zu den ärmsten Ländern der Welt“, unterstreicht das Auswärtige Amt.
Offenbar keine Objekte aus dem Schmuckmuseum gestohlen
Der Erste Bürgermeister Dirk Büscher sowie Vertreter des Kulturamts, des Schmuckmuseums und des Gebäudemanagements haben sich nach Angaben des städtischen Sprechers Philip Mukherjee am Montagvormittag vor Ort ein Bild vom Ausmaß des Schadens gemacht. „Nach eingehender Prüfung gehen wir derzeit davon aus, dass keine Objekte entwendet wurden“, bestätigt Mukherjee. Dies sei insbesondere der schnellen Meldung des Zeugen zu verdanken.
Als erste Maßnahme habe man einen Sicherheitsdienst damit beauftragt, das Museum auch nachts zu bewachen. Nähere Angaben zur Höhe des Sachschadens seien noch nicht möglich.
Das Schmuckmuseum werde voraussichtlich noch einige Zeit geschlossen bleiben. Über die Wiedereröffnung werde man rechtzeitig informieren. Die Stadtverwaltung stehe weiter in engem Austausch mit der Polizei.
Eben jenem Zeugen gilt der besondere Dank des Sicherheitsdezernenten Büscher:
„Seinem schnellen und entschlossenen Handeln ist es zu verdanken, dass die Tatverdächtigen gestellt werden konnten. Dieses Verhalten ist ein starkes Beispiel für Zivilcourage und zeigt, wie wichtig es ist, nicht wegzuschauen.“
Auch das „schnelle, professionelle Handeln“ von Polizei und Feuerwehr würdigt Büscher.
Er stellt heraus, dass beim Ortstermin über weitere mögliche Sicherheitsmaßnahmen gesprochen worden sei, die nun „fachlich geprüft“ würden. Für solche hatte sich bereits am Sonntag Kulturbürgermeister Tobias Volle gegenüber der PZ starkgemacht.
Volle rückt die für die Mitarbeitenden von Schmuckmuseum und Kulturamt so belastende Situation in den Blick und sagt: „Der Einbruch in das Schmuckmuseum ist ein Schlag für die Kultur in unserer Stadt.“ Die dort bewahrten Objekte stünden für herausragende Schmuck- und Handwerkskunst aus fünf Jahrtausenden. Das Museum sei ein wichtiger Teil der kulturellen Identität Pforzheims und ein Aushängeschild.
