Bürgermeister im Dialog mit dem Landratsamt: Tödlicher Unfall von Eisingen wirkt nach
Pforzheim/Eisingen. Unfälle wie der vor gut einer Woche in Eisingen treffen die Betroffenen und ihr Umfeld heftig – und sind nicht so einfach prägnant in Worte zu fassen. Ein 22-Jähriger war ums Leben gekommen und sein 23-jähriger Beifahrer schwer verletzt worden.
Als Teilnehmer der Verkehrssicherheitskonferenz im Pforzheimer CCP hat sich Hugo Caviola von der Universität Basel mit dem Unfall, genauer gesagt, der Polizeimeldung dazu befasst. Ihm ist wichtig, festzuhalten, dass und wie Sprache die Wahrnehmung von Verkehrsereignissen beeinflusst, und Vorschläge für Verbesserungen zu machen. „Am Sonntag, 1. Februar, gegen 0.20 Uhr kam es zu einem schweren Verkehrsunfall auf der K 4530 kurz vor Eisingen“, begann die Meldung der Polizei. Dem Schweizer Sprachwissenschaftler klingt das zu „schicksalshaft“. Besser wäre aus seiner Sicht zu schreiben: „Es kam zu einer tödlichen Kollision.“
Hilfreich findet Caviola, was aus der PZ-Meldung noch klarer als im Original der Polizei hervorgeht, dass auf feuchter Fahrbahn „vermutlich überhöhte Geschwindigkeit“ im Spiel war. Auch wenn es noch keine Gewissheit gebe, bekomme die Leserschaft einen Hinweis darauf, dass menschliches Handeln eine wichtige Rolle spielt. „Das Fahrzeug wurde komplett zerstört“ – diese Aussage ist aus Sicht des Sprachwissenschaftlers so klar, dass es keine Schätzung des Sachschadens bräuchte.
Glätte vergrößert die Gefahr
Sprachliche Feinheiten sind das eine, doch vor allem Einheimische interessiert mehr, ob sich ein Unfall an einer riskanten Stelle ereignet hat und ob sich für die Zukunft Vorkehrungen treffen lassen. „Diese Kurve ist nicht ohne, vor allem wenn es glatt ist, beziehungsweise, wenn es etwas angezogen hat“, äußerte ein Eisinger, der anonym bleiben möchte, gegenüber der „Pforzheimer Zeitung“. Er erinnerte auch an einen tödlichen Unfall, der sich in derselben Kurve bergaufwärts ereignete. Ähnliche Äußerungen sind in Sozialen Netzwerken zu finden.
Auch wenn sich die Unfälle außerhalb der Gemeinde ereignet haben, treiben sie Bürgermeister Sascha-Felipe Hottinger um. Er ist dafür, das Tempolimit zu erweitern: Beidseitig, durchgängig und möglicherweise über den Bereich der Kurve hinaus sollten nur noch 70 Stundenkilometer erlaubt sein. Neue Schilder („Gefährliche Kurve“, „Unfallschwerpunkt“) könnten Verkehrsteilnehmer zusätzlich sensibilisieren. Für den Fall eines Unfalls sollten Zweiradfahrer durch „Schutzplanken mit Unterfahrschutz“ noch besser geschützt werden. Bereits 2025 habe man Kontakt zum zuständigen Straßenverkehrsamt im Landratsamt Enzkreis aufgenommen. Die bei der ersten baden-württembergischen Verkehrssicherheitskonferenz 2024 ausgezeichnete Eisinger Kampagne „Fahr langsam für mich!“ ist auch ein Hinweis darauf, dass es der Gemeinde ein Anliegen ist, die Sicherheit im Verkehr zu verbessern.
Positiver Effekt ist eher gering
Aus Sicht von Bürgermeister Hottinger ist „ein Grundverständnis der Bevölkerung“ für Tempolimits vorhanden. Das bedeutet aber nicht, dass sich jeder immerzu daran hält. „Eine dauerhafte Verbesserung der Verkehrssituation konnte durch Aufklärung und Prävention nicht erreicht werden.“ Dass Aufklärung allenfalls bedingt für verändertes Verhalten sorgt, ist Hottinger zufolge „eine zentrale Erkenntnis“ der Innerorts-Kampagne. Dass Anlieger bei einer Umfrage den Wunsch nach baulichen Maßnahmen geäußert haben, hat wohl damit zu tun, dass „Fahr langsam für mich!“ eben nicht für die gewünschte dauerhafte Verbesserung gesorgt hat.
Nur gemeinsam geht es voran
Auch was den riskanten Bereich zwischen Kieselbronn und Eisingen angeht, könnte sich Hottinger einen baulichen Eingriff vorstellen – veranlassen müsste ihn jedoch das Straßenverkehrsamt, mit dem Eisingens Rathaus-Chef den Dialog noch intensiviert hat.
