„Das war alles nur Liebe“ – Hat Pforzheimer Vater seinen Sohn missbraucht?
Pforzheim. Ein ungewohntes Bild zeigte sich am Mittwoch im Pforzheimer Amtsgericht. Denn etwa zehn Personen betraten den sonst eher leeren Sitzungssaal und nahmen in den Zuschauerreihen Platz. Schnell wurde klar, wieso sie alle der Verhandlung folgen wollen: um den angeklagten 27-Jährigen zu unterstützen. Unter anderem handelt es sich um Familienmitglieder. Verantworten muss sich der Mann wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen.
Videos waren Zufallsfund
Zufällig wurden die Videos gefunden, die dem zweifachen Familienvater zum Verhängnis wurden. Denn die Polizei durchsuchte die Pforzheimer Wohnung des Mannes und seiner Ehefrau eigentlich wegen eines Betrugsdelikts. Nun muss das Gericht um die Vorsitzende Richterin Diana Schick entscheiden, ob der Angeklagte wegen eines Sexualdelikts zu verurteilen ist. Konkret geht es um zwei Videos, die den Vater und seinen damals dreijährigen Sohn zeigen, gefilmt von der Ehefrau. Die 27-Jährige wurde dafür bereits zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Im Video, das im Juli 2023 entstanden ist, sehe man laut Anklageschrift den Mann, wie er das Geschlechtsteil seines Sohnes in den Mund nehme. Im anderen Video von September 2024 bewege er seine Finger im Analbereich des Kindes.
Ausdruck von Liebe
Über seine Verteidigerin Gabriele Braun ließ der Mann erklären, dass die Vorfälle zwar wie angeklagt stimmen würden, aber nie sexuell motiviert gewesen seien.
„Das war alles nur Liebe“,
übersetzte sie die Worte des Angeklagten.
In seiner Roma-Familie und Kulturkreis sei es nichts Ungewöhnliches, die Liebe und Zuneigung zu den eigenen Kindern auf diese Art und Weise zu zeigen. Sexuelle Hintergedanken habe er nie gehabt. Er sei einige Wochen verreist gewesen und habe seinen Sohn deshalb sehr vermisst und am ganzen Körper geküsst, so seine Begründung für das erste Video. Dass diese Handlung gesetzlich verboten ist, sei ihm nicht bewusst gewesen. „Ich wollte nichts Böses“, so der Angeklagte weiter. Er liebe seine beiden Kinder.
Im zweiten Video habe er lediglich eine von der Kinderärztin verschriebene Creme in den Po des Sohnes einführen wollen, da dieser unter Verstopfungen gelitten haben soll. „In dem Video ist aber gar keine Creme zu sehen“, so die Richterin. Er habe seinen Sohn zunächst ablenken wollen, bevor er die Abführcreme einführte, so der 27-Jährige. Gefilmt habe seine Frau, um eine Erinnerung zu haben. Die Ehefrau, die seit einigen Monaten inhaftiert ist, war am ersten Verhandlungstag als Zeugin geladen. Gegen ihren Mann wollte sie aber nicht aussagen und machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. „Mein Mann ist ein sehr guter Vater und ein wunderbarer Ehemann. Ich gestehe meine Fehler ein. Ich finde es nicht richtig, wenn mein Ehemann für meine Fehler bestraft wird“, ließ sie über ihren Dolmetscher erklären unter Tränen.
Immer wieder erwähnte der Mann während der Verhandlung seine Religion, die er nicht näher benannte, und welchen Stellenwert vor allem Kinder dort einnehmen.
„Kinder sind ein Geschenk Gottes.“
Seine Familie sei ebenfalls schockiert über die Anschuldigungen gegen ihn. Aber die Menschen wüssten, dass er „ein guter Kerl ist“ und unterstützen ihn. Seit drei Monaten sitzt der Mann in U-Haft.
Der Prozess wird am 8. April fortgesetzt.
