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Enzkreis -  23.12.2022
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Der Grinch und seine Wurzeln im Enzkreis: Wie ein Enkel Mühlhausens Weihnachten gestohlen hat

Tiefenbronn-Mühlhausen. Der Grinch, ein Kinderbuchheld und irrwitziger Festverächter, stellt die Region auf den Kopf. Denn US-Autor Dr. Seuss hat familiäre Wurzeln im Tiefenbronner Teilort.

Oscar Make-Up "Der Grinch"
„Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat“: Dr. Seuss’ Buch ist hierzulande durch Hollywood-Verfilmungen bekannt geworden. Zum Beispiel im Jahr 2000 durch den Realfilm mit Jim Carrey (im Bild) oder 2018 durch den Animationshit „Der Grinch“, in dem Otto Waalkes dem Festverächter die Stimme geliehen hat. Foto: Picture Alliance/dpa/UIP

In den USA ist der grüne Festverächter Grinch so bekannt wie hierzulande Pippi Langstrumpf. Sportprofis, Schauspiel-Stars und zahllose Normalsterbliche werfen sich in der Adventszeit gerne in das haarige Kostüm des koboldhaften Wesens, das im Buch des Autors Dr. Seuss von 1957 Weihnachten gestohlen hat. Genauer gesagt, stielt es alle Geschenke der Bewohner Whovilles, die immer opulenter und kommerzieller feiern wollen. Erst als der Grinch feststellt, dass die Menschen auch ohne Präsente zusammenkommen, fasst sich der Weihnachtshasser ein Herz und gibt alles zurück.

Und nun ist dieser Grinch auch noch ein Mühlhausener. Ein bisschen jedenfalls. Die Aufmerksamkeit für die Herkunft des 1991 verstorbenen Schriftstellers, der mit vollem Namen Theodor Seuss Geisel hieß, ist einem neugierigen Team des SWR zu verdanken, das der Familiengeschichte nachgespürt hat – und bei Großvater Theodor Geisel in Tiefenbronns Teilort gelandet ist. „Das schlägt hier gerade Wellen“, sagt Bauamtsleiterin Manuela Krentzel, die eine Leidenschaft für die Ortshistorie hat. Rathauspraktikantin Lilli Marleen Schiecke hat den grünen, neuen Mitbürger gleich mal zu Papier gebracht. Und Geschichtsexperte Dieter Leicht hat wichtige Belege in den Kirchenbüchern entdeckt.

„Ich habe den Autor und den Grinch vorher noch gar nicht gekannt. Meine Kinder dagegen wussten sofort, was da los war. Hierzulande kennt man eher die Filme.“

Dieter Leicht, Tiefenbronner Ortshistoriker und Gemeinderat

Die Familiengeschichte von Theodor Seuss Geisel lässt sich dank der Liebe der Amerikaner zur Ahnenforschung über Datenbanken wie „ancestors.familysearch.org“ gut zurückverfolgen. Der Autor war Sohn von Theodor Robert Geisel und „Nettie“ Seuss, deutschstämmigen Einwandererkindern, die in Springfield, Massachusetts lebten. Vater Geisel war Brauer dort. Der berühmte Sohn, der sich als Autor nach dem Mädchennamen der Mutter taufte, kam 1904 zur Welt.

Bis in sein elftes Lebensjahr erlebte der spätere Schriftsteller noch den Großvater Theodor Geisel (ja, so heißen alle in dieser Geschichte), dessen Namen Leicht im Standesbuch der Jahre 1785 bis 1841 gefunden hat. Die Pfarrer hätten zur damaligen Zeit akribisch Buch geführt, so Leicht: „Man muss dann nur noch ihre Handschrift entziffern können.“ Leicht schafft so etwas und hat schwarz auf weiß die Notiz über die Geburt Theodor Geisels in Mühlhausens katholischer Gemeinde „im Jahre eintausend und ein und vierzig am neunten Juli nachts um elf Uhr“.

Das ist eine kleine Unstimmigkeit zu den US-Daten, die den 8. Juli 1840 als Geburtstermin ausweisen. Doch die Bezüge auf „Mühlhausen, Tiefenbronn, Oberamt Pforzheim“ sind bei den Amerikanern eindeutig. Und Leicht hat im Ortsfamilienbuch des Dorfes an der Würm auch den Beweis gefunden, dass Theodor Geisel 1869 nach Amerika ausgewandert ist. 1872 heiratete er in Massachusetts Christina Schmaelzle.

Der SWR hatte spekuliert, ob alte Legenden aus dem Würmtal den „Grinch“-Autoren eventuell beeinflusst haben. „Ein bisschen weit hergeholt“, schmunzelt Krentzel. Auch wenn sie eine Sage über den „Dammgeist“ einst selbst ausgegraben hat. Dahinter verberge sich aber kein grüner Zausel, sondern eine Art Zwergkuh mit riesigen, leuchtenden Augen. Ein Unglücksbote, vor dem sich alle fürchteten. Ein paar Jahre Zeit für Erzählungen des Opas hätte es gegeben, so Krentzel. Und: Dr. Seuss hat ja viele andere Fabelwesen für Kinderbücher ersonnen. Den „Lorax“ etwa, Hüter rarer Bäume in einer Plastikwelt, oder eine mikroskopische Zivilisation, deren Welt ein Staubkorn ist, in „Horton hört ein Hu“. Also, wer weiß?

Autor: hei