Gemeinden der Region
Enzkreis -  14.11.2019
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Der lange Weg zur Gleichberechtigung: Ausstellung im Landratsamt zum Frauenwahlrecht

Pforzheim/Enzkreis. Eine andere Zeit sei das damals gewesen, sagt Katalin Erat und meint damit die Jahre zwischen 1974 und 1979: jene Zeit, in der sie für die SPD dem Kreistag angehörte – als erste Frau überhaupt. Über ihre Erfahrungen in dem Gremium informiert eine Tafel, die neben zahlreichen anderen im Foyer des Landratsamts hängt.

Gleichstellungsbeauftragte Martina Klöpfer (rechts) erklärt (von links) Wolfgang Herz, Kerstin Hopfensitz und Katalin Erat Wissenswertes zur Ausstellung. Foto: Roller
Gleichstellungsbeauftragte Martina Klöpfer (rechts) erklärt (von links) Wolfgang Herz, Kerstin Hopfensitz und Katalin Erat Wissenswertes zur Ausstellung. Foto: Roller

In der seit kurzem dort aufgebauten Ausstellung geht es um das in Deutschland seit 100 Jahren existierende Frauenwahlrecht. Die von den Gleichstellungsbeauftragten des Enzkreises und der Stadt in Kooperation mit dem städtischen Kulturamt auf die Beine gestellte Ausstellung präsentiert auf rund 20 Tafeln den Weg zum Frauenwahlrecht, statistische Angaben, Zitate und wichtige Frauen – auch aus der Region.

Frauen wie Katalin Erat. An ihre Zeit im Kreistag kann sie sich noch gut erinnern. Damals sei das Gremium noch eine reine „Herreneinrichtung“ gewesen. Für sie als einzige Frau unter lauter Männern nicht immer einfach: Während die Herren nach den offiziellen Sitzungen noch „Nachsitzungen“ in Kneipen und Gaststätten abhielten, fuhr sie direkt nach Hause, weil sie sich um ihre Familie kümmern und in ihrem Beruf als Grund- und Hauptschullehrerin den Unterricht für den nächsten Tag vorbereiten musste. 1979 strebte sie keine zweite Amtszeit an, weil ihr das Arbeitspensum auf Dauer zu hoch wurde.

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Heute sind Frauen im Kreistag eine Selbstverständlichkeit. Trotzdem weist Martina Klöpfer darauf hin, dass Frauen in Parlamenten immer noch unterrepräsentiert sind. Die Gleichstellungsbeauftragte des Enzkreises sieht dafür verschiedene Ursachen. Etwa, dass viele Frauen neben dem Beruf noch Familien- und Hausarbeiten zu erledigen haben. Oder, dass Frauen sich in der Politik nicht wohlfühlen, weil die Umgangsformen dort mitunter rau sein können, gerade in sozialen Netzwerken. Dennoch appelliert Klöpfer an die Frauen, etwas zu ändern, aktiv zu werden. Und sie appelliert an die Wähler, Frauen in der Politik zu unterstützen.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis Freitag, 22. November: montags von 8 bis 12.30 Uhr, dienstags von 8 bis 12.30 Uhr und von 13.30 bis 18 Uhr, donnerstags von 8 bis 14 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr.

Mehr lesen Sie am Freitag, 15. November, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Autor: Nico Roller