"Deutsch genug?“ — Die Russlanddeutschen eine oft missverstandene Gruppe
Vorurteile, Identität und persönliche Geschichte: In ihrem Buch „Deutsch genug? Warum wir endlich über Russlanddeutsche sprechen müssen“ beschäftigt sich die Journalistin und Autorin Ira Peter mit einer großen, aber oft wenig verstandenen Migrantengruppe in Deutschland. Am Freitag, 20. März, um 18 Uhr in der Stadtbibliothek von Mühlacker liest sie aus ihrem Buch und verbindet politische Einordnung mit eigenen Erfahrungen als Russlanddeutsche.
Peter betont, dass ihre Veranstaltungen mehr seien als eine reine Lesung. Zwar lese sie auch aus ihrem Buch, zugleich gehe es ihr aber auch um den Austausch. Sie habe zum Beispiel auch Präsentationen vorbereitet.
Es gehe dabei unter anderem um die Herausforderungen, mit denen viele Russlanddeutsche seit ihrer Einwanderung in den 1990er-Jahren konfrontiert gewesen seien — Themen, die bis heute nachwirkten.
Peter weiß wovon sie spricht
Die Autorin wurde 1983 in der damaligen Sowjetrepublik in Kasachstan geboren und kam 1992 mit ihrer Familie nach Deutschland. Heute arbeitet sie als freie Journalistin, unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine“ und den „SWR“. Seit Jahren beschäftigt sie sich öffentlich mit russlanddeutschen Themen — auch in ihrem Podcast „Steppenkinder“. Ihr Buch „Deutsch genug?“ ist ihr erstes.
Sie erzählt, dass der Anstoß zum Buch von außen gekommen sei. Gleich mehrere Verlage hätten Interesse gezeigt, am Ende habe sie sich für den Goldmann-Verlag entschieden. Vermutlich sei die Agentur durch ihre journalistischen Beiträge auf sie aufmerksam geworden.
In ihrem Buch beschreibt sie unter anderem Vorurteile, mit denen Russlanddeutsche — als auch sie selber häufig konfrontiert werden. Eines davon sei die Behauptung, Russlanddeutsche würden vermehrt die AfD wählen. „Das stimmt so nicht“, betont sie.
Ein ganzes Kapitel widme sie diesem Thema in ihrem Buch. Oft habe sie das Gefühl, sich für die Sicht der Russlanddeutschen rechtfertigen zu müssen. Viel wichtiger wäre aus ihrer Sicht aber, „warum so viele Menschen in diesem Land diese Partei wählen“, sagt Peter. Gleichzeitig versuche sie, bei ihren Lesungen zu erklären, warum Russlanddeutsche so denken oder handeln, wie sie es tun: „Ich probiere, einen Blick hinter die Kulissen zu geben“, sagt Peter.
Dabei gebe sie auch Hinweise, wie man im Alltag, aber auch in der Politik mit diese Menschen umgehen kann.
Ein schöner Moment
Besonders berührend seien für sie Reaktionen von Menschen, die sich nach ihren Veranstaltungen öffnen.
Solche Gespräche seien für sie ein sehr schöner Moment. Dass Lesungen tatsächlich etwas verändern können, habe sie schon mehrfach erlebt. Ein Erlebnis ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben: Zwei Nachbarinnen — eine Russlanddeutsche, eine „pur Deutsche“ – hatten sich jahrelang nicht gegrüßt, obwohl sie Tür an Tür lebten, danach seien sie aber ins Gespräch gekommen:
„Nach meiner Lesung lagen sie sich in den Armen, weil sie sich endlich verstanden haben“, Ira Peter Autorin von "Deutsch genug?".
Mühlacker ist nicht ihre einzige Station. In vielen Städten — unter anderem in Berlin oder Hamburg — habe sie bereits Lesungen gehalten. „Es kam auch schon vor, dass wir mehr Stühle aufstellen mussten oder leider einige Menschen wieder zurückgeschickt haben“, sagt Peter.
In Mühlacker sei das Interesse bislang aber noch überschaubar.
