Gemeinden der Region
Pforzheim -  24.03.2026
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

„Die Blicke waren vernichtend“: Warum das MediMobil für Bedürftige in Pforzheim so wichtig ist

Pforzheim. Rund um das Haus der Jugend herrscht reger Betrieb. Zahlreiche Interessierte nutzen die Gelegenheit, sich über das MediMobil zu informieren. Ein Angebot, das bedürftige Menschen medizinisch versorgen soll. Entsprechend dringend werden ehrenamtliche Helfer gesucht.

Auftaktveranstaltung MediMobil
Fools-Garden-Sänger Peter Freudenthaler (Vierter von links), Sozial-Bürgermeister Frank Fillbrunn (links), Jutta Arndt (Dritte von rechts), Geschäftsführerin des Wichernhauses, Alicia Schumacher (Zweite von links), die das Projekt betreut, und zahlreiche Interessierte kommen zur Auftaktveranstaltung zum Haus der Jugend am Benckiserpark. Foto: Meyer

Was das Fahrzeug leisten soll, erläutern Jutta Arndt, Geschäftsführerin des Wichernhauses, und Mitarbeiterin Alicia Schumacher.

„Ich kann verstehen, dass manche Menschen nicht mehr zum Arzt gehen“,

sagt Schumacher.

Aus ihrer Arbeit mit Wohnungslosen kennt sie die Hürden. Sie berichtet von einem gemeinsamen Arztbesuch mit einem Obdachlosen: Schon die Terminvergabe sei schwierig gewesen. Im Wartezimmer folgte die nächste Belastung: „Die Blicke waren vernichtend.“

Genau hier setzt das MediMobil an. „Wir können zu den Menschen fahren und ihnen ihren Schutzraum mitbringen“, erklärt Schumacher. Viele Betroffene hätten das Vertrauen verloren oder scheiterten an strukturellen Hürden.

Hinzu kommen weitere Probleme: fehlende Pünktlichkeit aufgrund der Lebensumstände, schwierige Kommunikation und bürokratische Hürden. Wer keinen festen Wohnsitz habe, müsse oft den Höchstsatz der Krankenversicherung zahlen, so Arndt.

Der Bedarf an einer niedrigschwelligen, aufsuchenden medizinischen Versorgung ist daher groß. Geplant ist, dass das MediMobil mindestens einmal pro Woche ausgewählte Standorte in Pforzheim und der Region anfährt. Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen und Beziehungen auf Augenhöhe zu ermöglichen.

Eine zentrale Rolle spielen dabei Ehrenamtliche.

„Sie schaffen eine andere Beziehungsebene“,

sagt Arndt.

In Städten wie Stuttgart und Reutlingen funktionierten vergleichbare Projekte in dieser Struktur bereits sehr gut.

Auch bei den Besuchern stößt das Konzept auf großes Interesse. Birgit Kilcullan aus Ispringen, ehemalige Krankenschwester, möchte sich nach einer schweren Erkrankung neu engagieren: „Das MediMobil spricht mich sehr an.“

Ermöglicht wurde das Projekt durch das Jubiläumskonzert der Band Fools Garden im August 2024. Der Erlös ging je zur Hälfte an die Stiftung „Water is Right“ von Rolf Stahlhofen und an „Menschen in Not“, die Hilfsaktion des Medienhauses „Pforzheimer Zeitung“. Beide Organisationen erhielten jeweils 45.000 Euro. Zusätzlich unterstützt die Vector-Stiftung das MediMobil mit weiteren 100.000 Euro.

Wer sich engagieren möchte, kann sich an Alicia Schumacher vom Wichernhaus wenden: telefonisch unter (07231) 20448412 oder per E-Mail an medimobil@wichernhaus-pforzheim.de.