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Pforzheim -  04.03.2026
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Die Suche geht wieder los: City-Managerin Sandra von Garrel verlässt Pforzheim

Pforzheim. Als Sandra von Garrel am Dienstagabend im Ausschuss für Wirtschaft und Digitalisierung das Wort ergreift, läutet sie wieder ein, was mit ihrer Einstellung im vergangenen Jahr doch eigentlich endlich vorbei sein sollte: die mühsame Suche nach einem Kümmerer für die Pforzheimer Innenstadt. Die Leiterin des WSP-Geschäftsbereichs Standort- und Kongressmarketing kündigt ihren Abschied an – nach nur elf Monaten. Ende März wird sie den Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP) verlassen, wie es in einer Pressemitteilung der Stadt Pforzheim heißt.

Sandra von Garrel Portrait
Die WSP GeschäftsbereichsleiterinSandra von Garrel hinterlässt eine Lücke. Foto: Meyer

Von Garrel, 35, begründe demnach ihren Schritt mit einem Satz, der in seiner Höflichkeit fast wie eine Diagnose klingt: Damit verbunden seien ein „Karriereschritt und eine berufliche Perspektive, in der ich mich noch etwas mehr auf der strategischen und konzeptionellen Ebene einbringen kann“. Es ist ein Statement, das nahelegt, in Pforzheim habe sie womöglich zu wenig bewegen können – oder zu wenig bewegen dürfen? Sandra von Garrel dementiert entschieden. Auf PZ-Anfrage heißt es: Ihr Weggang habe nichts mit fehlendem Handlungsspielraum zu tun. Und: „Die Zusammenarbeit mit meinem Vorgesetzten sowie den Kolleginnen und Kollegen beim WSP und den vielen Partnern in der Stadt habe ich als sehr konstruktiv mit dem Wunsch der stetigen Weiterentwicklung erlebt.“

Dabei sollte sie in Pforzheim eigentlich genau das tun: strategisch denken, konzeptionell handeln – und eine Innenstadt mitziehen, die, wie Innenstädte europaweit, unter Druck steht. Leerstände, Kaufzurückhaltung, Onlinehandel, veränderte Wege, weniger Frequenz.

Dass von Garrel überhaupt nach Pforzheim kam, galt bereits als Signal: Die Stelle war zuvor vier Jahre unbesetzt, Bewerber waren rar, der Ruf nach einem Citymanager aus Politik und Wirtschaft laut. Zuvor hatte Marketingchef Sascha Binoth 2019 die WSP verlassen – „im gegenseitigen Einvernehmen“, wie es damals hieß. Binoth war 2018 aus Karlsruhe gekommen und hatte den neuen WSP-Bereich Standort- und Kongressmarketing übernommen. Doch schon nach fünf Monaten endete die Zusammenarbeit. Für die Geschäftswelt war sein Weggang ein „herber Verlust“, wie die PZ damals berichtete.

Anfang 2024, beim von der IHK initiierten Innenstadtforum, wurde diese Vakanz zum Politikum. FDP-Stadtrat Hans-Ulrich Rülke und Stadtrat Michael Schwarz von der Freie-Wähler-Partei sahen ob der unbesetzten Stelle vor allem den WSP-Chef Oliver Reitz in der Verantwortung, zu handeln. Michael Hertl, zuständig für Innenstadtentwicklung beim WSP, musste den Eigenbetrieb an diesem Vormittag regelrecht verteidigen: „Wir sind kein genehmigendes Amt. Wir können nur vermitteln.“Nun also der nächste Bruch – kurz nach dem erhofften Neustart. Oberbürgermeister Peter Boch und WSP-Direktor Oliver Reitz waren „seit letzter Woche in Kenntnis“ und geben sich verständnisvoll. „In dem knappen Jahr hat Sandra von Garrel schnell bei uns in Pforzheim Fuß gefasst“, sagt Boch. Reitz bescheinigt, von Garrel habe „manchen Stein insbesondere bei unseren Event-Aktivitäten hochgehoben und hier und da auch umgedreht“.

Für Pforzheim bleibt vor allem die Frage, die sich durch die Innenstadt-Debatten der vergangenen Jahre zieht: Wer hält das Steuer – und wie lange? Reitz will „den Blick nach vorne“ richten, die Stelle „zeitnah erneut“ besetzen. Einstweilen werde er kommissarisch den Geschäftsbereich wieder selbst leiten und „insbesondere die Innenstadtentwicklung zur Chefsache machen“.

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