„Die Zeche bezahlt jeder Haushalt“: Was im Restmüll des Enzkreises zum Kostenproblem wird
Im Enzkreis landet noch immer viel Bioabfall dort, wo seine Entsorgung besonders teuer ist: im Restmüll. Die Kreisverwaltung will deshalb gegensteuern – welche Maßnahmen dafür infrage kommen, soll sich in den kommenden Monaten zeigen.
Enzkreis. Im Enzkreis landet noch immer zu viel Bioabfall im Restmüll – und verursacht damit unnötige Kosten. Das zeigen Sortieranalysen des Amts für Abfallwirtschaft. Die Kreisverwaltung will deshalb prüfen, wie sich der Anteil biologischer Abfälle im vergleichsweise teuren Restmüll verringern lässt. Anlass für die Beschäftigung mit dem Thema war eine Anfrage der CDU-Fraktion im Kreistag zur Abfallstatistik des Statistischen Landesamtes.
Fraktionsvorsitzender Günter Bächle aus Mühlacker hatte Landrat Bastian Rosenau darauf hingewiesen, dass der Enzkreis bei Haus- und Sperrmüll sowie Wertstoffen über den jeweiligen Landesdurchschnittswerten liegt. Die CDU wollte wissen, welche Schlüsse die Kreisverwaltung daraus zieht und welche Empfehlungen sie den politischen Gremien gibt. Einen ebenfalls gewünschten Fünf-Jahres-Vergleich könne die Verwaltung nicht vornehmen, schreibt Rosenau. Auf der Internetseite des Statistischen Landesamtes zur „Pro-Kopf-Müllmenge“ seien lediglich Werte für 1990, 1996 und 2023 ausgewiesen.
In der Abfallbilanz 2023 werde der Enzkreis mit knapp 200.000 Einwohnern zwar als städtischer Kreis eingeordnet, sei jedoch ländlich geprägt. Die Haus- und Sperrmüllmenge liegt knapp sieben Kilogramm je Einwohner über dem baden-württembergischen Mittel. Dies sei aus Sicht der Kreisverwaltung nicht besorgniserregend, da die Abweichung gering sei.
Als Erfolg wertet die Verwaltung, dass die erfassten Wertstoffe pro Kopf 12,5 Kilogramm über dem Landesdurchschnitt liegen. Elf Recyclinghöfe, die haushaltsnahe Sammlung von Altpapier, Leichtverpackungen und Verpackungsglas sowie die Abholung von Elektrogeräten erleichterten die getrennte Entsorgung. Das 2021 eingeführte System mit grüner, gelber und blauer Tonne habe sich etabliert.
Bei den über die Biotonne erfassten Abfällen liegt der Enzkreis dagegen mehr als 32 Kilogramm je Einwohner unter dem Landesdurchschnitt. Im Kreis sind rund 27.500 Bioabfallbehälter im Einsatz. Von einer Anschlussquote von mindestens 40 Prozent könne ausgegangen werden.
Statistik mit Lücken
Als Gründe für die geringe Menge nennt Rosenau unter anderem die Eigenkompostierung, insbesondere in ländlichen Orten. Zudem betreibt der Kreis 31 Häckselplätze. Dort wurden 2023 rund 12.284 Tonnen grasig-krautiges und 25.801 Tonnen holziges Material erfasst. In anderen Kreisen würden solche Mengen teilweise über die Biotonne verwertet und flössen damit in deren Pro-Kopf-Werte ein. Bächle hält deshalb die Kritik des Kreises an der Statistik für berechtigt. Größere Änderungen an der kommunalen Abfallwirtschaft hält Rosenau nicht für erforderlich. Handlungsbedarf sieht die Verwaltung jedoch beim Biomüll im Restmüll. Erste Erkenntnisse und mögliche Maßnahmen sollen im Spätjahr mit den umweltpolitischen Sprechern der Kreistagsfraktionen diskutiert werden. Die CDU begrüßt diese Überlegungen. Restmüllverbrennung und -entsorgung seien für Kommunen und damit über die Gebühren für die Bürger deutlich teurer als die Verwertung von Bioabfall, betont Bächle: „Das heißt, es werden Kosten erzeugt, die nicht notwendig wären. Die Zeche bezahlt jeder Haushalt und Betrieb.“
