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Enzkreis -  16.07.2020
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Digitale Wirtschaftskonferenz der WFG Nordschwarzwald: Mit Mut zur Kurzarbeit aus der Krise

Pforzheim. „Mut machen“ sollte die Digitale Wirtschaftskonferenz, die am Donnerstag von der WFG Nordschwarzwald veranstaltet wurde. Doch momentan überwiegt noch die Skepsis. Der Pforzheimer Kulturschaffende Gerhard Baral kritisierte die missliche Situation der Künstler- und Eventbranche, die von den staatlichen Fördermaßnahmen nicht profitierte. „Viele stehen beruflich vor dem Nichts.“ Katrin Schütz, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft und Arbeit, konterte: „Das Land Baden-Württemberg hat mit der Schaffung eines fiktiven Unternehmerlohns die richtigen Schritte unternommen.“

Diskutierte bei der virtuellen Wirtschaftskonferenz mit: Martina Lehmann von der Agentur für Arbeit. Foto: Meyer
Diskutierte bei der virtuellen Wirtschaftskonferenz mit: Martina Lehmann von der Agentur für Arbeit. Foto: Meyer

Soloselbstständige und Künstler erhalten in Corona-Zeiten monatlich als Soforthilfe 1180 Euro. Und auch die vielfältigen Hilfen für die Wirtschaft zeigten positive Wirkung. Jochen Protzer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung im Nordschwarzwald, lobte die zahlreichen Förderangebote für Unternehmen. Martina Lehmann, Chefin der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, sprach von der dramatischen Situation. Fast jeder zweite Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe sei in Kurzarbeit. Insgesamt rechnet Lehmann bis Ende Juli mit bis zu 100.000 Kurzarbeitern in der Region Nordschwarzwald. „Die rege Inanspruchnahme zeigt, dass die Unternehmen an ihre Zukunft glauben.“ Die organisatorische Bewältigung sei eine „Herkulesaufgabe“, sagte Moderator Hans-Ulrich Wetzel, Verleger des Mühlacker Tagblatts.

„Ich gehe häufiger essen“, erklärte Martina Lehmann im Blick auf die Förderung der heimischen Gastronomie – auch ein Verlierer der Krise. Der private Konsum sei nämlich ein wichtiger Faktor, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Allerdings gebe es derzeit eine unselige Kombination aus den Folgen der Corona-Pandemie, einer Strukturkrise im Automobilbereich und einer weltweiten Konjunkturkrise.

Obwohl die Firma Richard Wolf in Knittlingen in der Medizintechnik tätig ist, zählt das Unternehmen nicht zu den Gewinnern der Krise, erläuterte Geschäftsführer Jürgen Steinbeck. Grund: Der Ausfall von sämtlichen Operationen, die nicht lebensnotwendig waren. Und Wolf liefert eben keine Schutzmasken, sondern vorwiegend Endsokope für Krankenhäuser. Die Folge: Kurzarbeit im Vertrieb, wobei 80 Prozent des Umsatzes im Export erzielt werden. Es werde künftig eine neue Meeting- und Reisekultur geben, mit weniger Auslandsaufenthalten. Wolf setze auf Webinare, ein eigenes TV-Studio, das weltweite Live-Übertragungen von Operationen ermögliche und eine e-Academy. Insgesamt sei man zuversichtlich bald wieder durchstarten zu können, sagte Steinbeck.

„Kalt erwischt“ wurden die vielen Hotel- und Gastronomiebetriebe. „Im Mai brachen die Übernachtungszahlen um 75 Prozent ein“, berichtete Christina Lennhof, Geschäftsführerin des Kraichgau-Stromberg-Tourismus. „Bei ausländischen Gäste sogar um 90 Prozent.“ Doch der Blick nach vorn ist positiv: „Der regionale Tourismus wird zunehmen“, ist Lennhof überzeugt.

Zwar musste auch Matthias Fleig von der Mühlacker Firma Heinzelmann in einzelnen Bereichen wie dem Messebau massive Einbrüche verkraften, doch da das Handwerksunternehmen breit aufgestellt ist, profitierte man von vielen privaten und öffentlichen Aufträgen.

Autor: Lothar Neff