Dunkle Wolken über dem Kälbling: In Bad Wildbad stehen die Anlagen wegen Defekts still
Bad Wildbad. Bad Wildbad. Dieser Tage hat der Regionalverband wieder Gebiete für mögliche Windkraftanlagen festgezurrt. Während nun also vielerorts die Planungen für neue Windkraftanlagen beginnen können, wären andere schon froh, wenn die installierten Windräder planmäßig laufen würden. Wie im Bad Wildbader Windpark Kälbling. Wie berichtet, steht dort eine von zwei Anlagen wegen eines Defektes seit Wochen still – ein planmäßiger Betrieb ist offenbar noch lange nicht in Sicht.
So ist der aktuelle Stand.
Das ist passiert: Nachdem im vergangenen Sommer nach einigen wetterbedingten Verzögerungen die beiden Anlagen installiert waren, drehten sich beide Windräder. Allerdings nicht lange. Denn eine der beiden Anlagen fiel bereits kurz nach der Inbetriebnahme aus. „Es handelt sich um ein singuläres Ereignis“, sagt Miriam Teige, Pressesprecherin der EnBW. „Wir als EnBW betreiben weit über 300 Windenergieanlagen an Land in Deutschland. Dies ist der erste Fall bei EnBW, dass an einer Windenergieanlage nach solch einer kurzen Betriebszeit ein gravierender Schaden auftritt“, so Teige.
Das weiß man über den Defekt: „Es gab einen Schaden am Triebstrang“, sagt Teige. Die Suche nach der Schadensursache stehe noch weiterhin aus. „Es sind keine weiteren Fälle mit ähnlichem Schadensbild in der Vestas V162er-Flotte bekannt“, meint die Pressesprecherin. Nun müsse der defekte Triebstrang getauscht werden. „Dafür wird ein Großkran benötigt“, erklärt sie. Der Schaden sei aufgetreten, als die Anlagen bereits im Betrieb waren, und sei nicht auf einen Montagefehler zurückzuführen. „Alle Sicherheitssysteme haben vollumfänglich reagiert und die Windenergieanlage in einen sicheren Modus gebracht“, sagt Teige.
So groß ist der Ausfall: Aktuell gehen die Beteiligten davon aus, dass diese eine Anlage noch mehrere Wochen stillstehen wird. Dies sei auf die Krankapazitäten und Materialverfügbarkeiten zurückzuführen. „Wie groß der Ausfall an erzeugter Stromleistung ist, können die Kollegen leider nicht sagen, da die Anlage in einen Zustand versetzt wurde, der keinen Datenversand mehr erlaubt“, meint Teige. Bereits wenige Woche nach dem Bekanntwerden des Defekts war Teige davon ausgegangen, dass bis zu diesem Zeitpunkt rund 100 Megawattstunden Strom verloren gegangen seien. „Zu Kosten und Haftung gibt es vertragliche Regelungen mit dem Anlagenhersteller und Wartungsunternehmen“, sagt die Pressesprecherin.
Dieses Teil ist defekt: „Der Triebstrang besteht aus allen leistungsübertragenden, drehenden Komponenten der Windkraftanlage“, erklärt Teige. Er setze sich aus dem Rotor, der Rotorwelle, gegebenenfalls einem Getriebe, einem Generator und der Rotorbremse zusammen. Das Teil hat eine wichtige Aufgabe: „Als Hauptbestandteil der Gondel beeinflusst die Anordnung des Triebstrangs maßgeblich die statische Auslegung der Windkraftanlage“, meint sie.
So lief das Projekt bisher: Knapp zehn Jahre lang wurde am Windpark Kälbling geplant, bis das Projekt endlich umgesetzt werden konnte. Und bereits vor der Inbetriebnahme gab es einige Probleme. Wind und Wetter hatten schon beim Aufbau immer wieder zu Verzögerungen geführt. Zudem hatte sich im Juli der Start aufgrund einer Reparatur verschoben: Ein Rotorblatt war beim Transport noch auf dem Umladeplatz beim Neuenbürger Freibad leicht beschädigt worden, der Hersteller musste das bereits montierte Blatt reparieren.
Mit einer Nabenhöhe von 166 Metern und Rotoren mit einem Durchmesser von 162 Meter sind die beiden Riesen kaum zu übersehen. Sie sollen laut EnBW rund 23.500 Megawattstunden Strom pro Jahr liefern. Diese Menge reicht rein rechnerisch für 5.600 Haushalte. Ursprünglich war die erste Stromeinspeisung für Juni/Juli 2025 geplant.
Zum Schutz des Wespenbussards und von Fledermäusen müssen die Anlagen teils stundenlang stillstehen. Die endgültigen Betriebszeiten sollen im Jahr 2027 festgelegt werden. Die Anlagen sollen rund 30 Jahre lang in Betrieb bleiben.
Die Arbeiten zur Aufforstung hatten bereits begonnen, wurden aber wegen der Reparaturarbeiten nun zunächst ausgesetzt.
