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Enzkreis -  16.10.2026
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E-Scooter-Unfälle: Was Ärzte im Krankenhaus Mühlacker erleben

Pforzheim/Einzkreis. E-Scooter gehören längst zum Straßenbild – doch mit ihrer zunehmenden Verbreitung steigt auch die Zahl der Unfälle. Die Folgen reichen von harmlosen Schürfwunden und Prellungen bis hin zu schweren Knochenbrüchen und lebensgefährlichen Kopfverletzungen. Dr. Holger Kugel, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme, und Khalid Beloud, Facharzt für Chirurgie/Unfallchirurgie im RKH Krankenhaus Mühlacker erzählen, was sie zu sehen bekommen.

RKH Klinik Mühlacker Notaufnahme
In der Zentralen Notaufnahme der RKH Klinik Mühlacker landen immer häufiger auch Menschen nach E-Scooter-Unfällen. Foto: Meyer

PZ: Welche Verletzungen sehen Sie nach E-Scooter-Unfällen besonders häufig?

Dr. Holger Kugel und Khalid Beloud: Wir sehen ganz unterschiedliche Verletzungen, abhängig von Geschwindigkeit, Sturz auf verschiedene Körperregionen und Bodenart - etwa Asphalt oder Rasen. Die Verletzungen reichen von schmerzhaften, aber einfachen Prellungen bis zu komplexen Frakturen oder sogar Organverletzungen. Viele dieser Stürze betreffen die Schulter- und Schlüsselbeinregion.

Was unterscheidet diese Verletzungen von Fahrrad- oder Pedelec-Unfällen?

Die Verletzungen sind sehr ähnlich.

Wie oft sind Kopfverletzungen dabei – und welchen Unterschied würde ein Helm machen?

Glücklicherweise sind schwere Kopfverletzungen sehr selten. Bei den Fällen mit Schädelbeteiligung sind sehr schwere Verletzungen dabei, die teilweise schicksalhaft verlaufen und das weitere Leben erheblich verändern.

Gibt es typische Unfallkonstellationen, die immer wieder auftreten?

Unfälle können immer auftreten. Besonders die Nacht, schlechtes Wetter und das Fahren unter Alkohol- und/oder Drogeneinfluss erhöhen die Häufigkeit von Unfällen drastisch.

Welche Rolle spielen Alkohol oder nächtliche Fahrten?

Alkohol oder Nachtfahrten erhöhen die Unfallgefahr deutlich.

Sehen Sie eher junge Menschen oder zieht sich das durch alle Altersgruppen?

Mittlerweile nutzen fast alle Altersgruppen den E-Scooter, damit sehen wir auch Verletzte aus allen Altersgruppen. Selbstverständlich nutzen viel mehr junge Menschen den E-Scooter, so dass wir (noch) vermehrt junge Menschen in der Notaufnahme sehen.

Haben Zahl oder Schwere der Fälle in den vergangenen Jahren zugenommen?

Die Unfallhäufigkeit von E-Scootern ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, da die E-Scooter sich immer weiter verbreiten.

Gibt es Verletzungen, die gerade durch Bauart und kleine Räder der E-Scooter begünstigt werden?

Man darf die relativ hohen Geschwindigkeiten und keinerlei Schutz durch das Fahrzeug nicht unterschätzen. Dadurch können Stürze und Zusammenstöße mit hoher kinematischer Kraft entstehen. Dies kann ungebremst auf die aufprallenden Körperpartien übertragen werden. Frakturen von Unterarm, Schulter und Schlüsselbein sind häufig.

Wie oft müssen Betroffene stationär behandelt oder operiert werden?

Wir sehen vermutlich viele Fälle mit leichten Verletzungen gar nicht. Glücklicherweise leiden mehr als die Hälfte der Patienten lediglich unter Prellungen und Schürfungen. Knochenbrüche, die operiert werden müssen, sind schätzungsweise in zehn Prozent der Fälle vorhanden. Ernste Organverletzungen oder schwere Schädel-Hirn-Traumata sind glücklichwerweise die absolute Ausnahme.

Was ist aus medizinischer Sicht der größte vermeidbare Risikofaktor?

Der größte vermeidbare Risikofaktor ist sicher der Fahrstil - angepasste Geschwindigkeit, Beachtung der Verkehrsregeln -  und die Verkehrssicherheit.

Wenn Sie eine Regel ändern könnten: Welche würde aus Ihrer Sicht die meisten schweren Verletzungen verhindern?

Viele Verletzungen können wir heute gut behandeln, so dass bleibende Schäden selten sind. Bleibende Schäden gehen fast immer auf ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zurück. Dies kann durch das Tragen eines Helmes reduziert werden. Daher würden wir für die Helmpflicht auch bei E-Scootern plädieren.

Autor: bsch