Eine Rückkehr ohne Angst: Pforzheimer Stadträtin Sabine Zeitler reist nach Syrien
Pforzheim. Zum Wort Stadtbild lässt sich viel sagen. Vor allem, seit Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner gelegentlich eigentümlichen Ausdrucksweise den Begriff so pauschal wie unelegant verwendete – und viele darin Kritik an einer zu großen Zahl arabisch aussehender Menschen im deutschen, na ja, Stadtbild sahen. Die Pforzheimer Stadträtin Sabine Zeitler von der Frauenliste ist dafür bekannt, Zuwanderung aus muslimischen Ländern kritisch zu sehen. Gelinde gesagt. Sie beobachtet mehr Kopftücher auf Pforzheims Straßen, auch bei Mädchen im Vorschulalter. Zudem beklagt sie das auftrumpfende Gebaren junger Männer aus diesem Kulturkreis. Auch deshalb würden sich viele Frauen auf Pforzheims Straßen nicht mehr wohl fühlen. Vor allem abends.
Nun hat sich Zeitler – nicht zum ersten Mal – selbst ein Bild von arabischen Millionenstädten gemacht. Allein, auch abends. Konkret: in Syrien, wo bis vor knapp zwei Jahren das Assad-Regime Krieg gegen die eigene Bevölkerung führte und Bilder zerstörter Städte aus Damaskus, Aleppo und Homs in unsere Wohnzimmer lieferte. Bis der Islamist Ahmed al-Schaara als Sieger in Damaskus einzog, wo er sich als gemäßigter Übergangspräsident an der Macht hält. Außenminister Johann Wadephul (CDU) erklärte vor zehn Monaten und bekräftigte später, wegen der schweren Zerstörungen sei eine Rückkehr syrischer Flüchtlinge aus Deutschland nur sehr eingeschränkt möglich. Zeitler hält das für falsch.
Diplom-Arbeit über Assad
Die Politikwissenschaftlerin hatte sich Ende der 1980er-Jahre anderthalb Jahre für ihre Diplomarbeit „Machtrivalitäten zwischen Jassir Arafat und Hafis al-Assad“ in Syrien aufgehalten – zwischen dem damaligen Anführer der Palästinenser und dem Begründer der Diktatorendynastie. „Ich habe bei einer arabischen Familie mit elf Kindern gewohnt, die ich jetzt wieder besucht habe, in Damaskus“, berichtet Zeitler der PZ. „Ich wollte mir ein eigenes Bild machen.“ Zehn Tage lang sei sie in Damaskus, Aleppo, Homs und Tartus unterwegs gewesen, „länger als der Außenminister“, fügt sie hinzu. „Mein Eindruck ist, es ist weniger zerstört, als ich gedacht habe.“
Einfache Einreise
Die Zerstörungen hätten vor allem die Vororte getroffen, darunter Harasta, wo Wadephul gewesen sei. „Da ist eine Rückkehr nicht möglich, da gebe ich ihm recht.“ In Aleppo hingegen sei der Basar nach dem Bau eines neuen Dachs weitgehend wieder geöffnet. Die Geschäfte liefen. In der Küstenstadt Tartus hätten ihr Menschen gesagt, sie hätten vom Krieg außer der Ankunft von Binnenflüchtlingen kaum etwas mitbekommen.
Auch die Einreise sei einfach gewesen: Flug nach Beirut, dort ein syrisches Visum für 14 Tage zu 75 Euro, „und dann mit dem Taxi über Nacht nach Damaskus“. Angst, allein als Frau unterwegs zu sein? Keineswegs. „Ich habe mich überall frei bewegt.“ Auffällig sei nur gewesen, dass viel mehr Frauen als früher Kopftuch trügen. Dass sie selbst keines getragen habe, sei unproblematisch gewesen.
An den schönen Stränden seien inzwischen Burkinis vorherrschend. Ansonsten habe sich im Vergleich zur Vorkriegszeit wenig verändert: „Die Reichen sind nach wie vor reich, die Armen arm.“ Unsicher habe sie sich nie gefühlt, auch nicht nach Einbruch der Dunkelheit. Womöglich liege das an den belebten Straßen, räumt sie ein.
Ihre Eindrücke zur Sicherheit und zu den Rückkehrmöglichkeiten hat Zeitler Außenminister Wadephul in einem Brief geschildert. „Keine Reaktion“, sagt sie. Als Nächstes will sie sich an Wadephuls Staatsminister wenden, den Pforzheimer Bundestagsabgeordneten Gunther Krichbaum.
