Gemeinden der Region
Neuenbürg -  02.04.2026
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Entschlossenes Vorgehen bei Razzia in Neuenbürg: Polizei schlägt an sechs Orten zu

Neuenbürg. Neuenbürg. Dieser Einsatz erregt Aufsehen: Es ist bei einigen Neuenbürgern Frühstückszeit an diesem Mittwoch, andere sind schon bei der Arbeit, als die Polizei im Städtle an der Enz anrückt. Massiv. Gut vorbereitet und koordiniert. Beamte in Sturmhauben fallen Anwohnern auf. Vor Anwesen an der Enz. Vor Wohngebäuden und einem gastronomisch genutzten Gebäude. Und auch in der Nähe des Parkplatzes, wo am Morgen des 25. Februars, der Leichnam des 41-jährigen Hausmeisters der katholischen Kirchengemeinde Ersingen in seinem Auto entdeckt worden war.

Anwohner beobachten im ersten Morgenlicht vermummte Polizisten an einem der durchsuchten Objekte.
Anwohner beobachten im ersten Morgenlicht vermummte Polizisten an einem der durchsuchten Objekte. Foto: Privat

Nach PZ-Informationen war er erschossen worden. Alleine sechs Liegenschaften in Neuenbürg hat die Polizei nach eigenen Angaben durchsucht, hat Spuren und Beweismittel gesichert. Tags darauf wird klar: Die Ermittler haben bei diesem Großeinsatz auch einen 40-jährigen Tatverdächtigen festgenommen – wegen Mordverdachts.

Man spürt, dass das Tötungsdelikt Neuenbürg umtreibt. Die Menschen kennen einander. Es ist zwar eine Stadt, aber im Hauptort selbst leben rund 5140 Menschen, unten im älteren Stadtkern rechts und links des Flusses sind es noch weniger. Neuigkeiten machen schnell die Runde. Seit Wochen wird viel darüber spekuliert, was hinter der Tat stecken könnte, die die Menschen nicht fassen können. Jetzt sind es nicht wenige, die mitgekriegt haben, in welchem Umfeld der Zugriff erfolgt ist. Einige sind im Gespräch auch heute noch angespannt. Die PZ hat mit Menschen gesprochen, die sicher sind, dass die Polizei den Täter geschnappt hat. Und mit anderen, die sagen: „Der war das auf keinen Fall.“

„Meine Frau hat morgens gesehen, wie sechs schwer bewaffnete Polizisten und eine Frau auf dem Flößerwegle Richtung Turnstraße gelaufen sind.“ - Schilderung eines Anwohners zu den Einsätzen in Neuenbürg.

Klar ist: Die Erkenntnisse der Polizei haben den zuständigen Haftrichter am Amtsgericht Pforzheim überzeugt, Untersuchungshaft gegen den 40-Jährigen zu verhängen.

An einem gastronomischen Betrieb, in dem das Opfer einmal als Lieferant gearbeitet haben soll, wie Eingeweihte berichten, sei die Tür beim Polizeieinsatz zerstört worden, heißt es. Am Tag danach ist sie mit einer Sperrholzplatte provisorisch verschlossen worden. Ein handgeschriebener Zettel weist darauf hin, dass der Betrieb bis auf Weiteres geschlossen sei. Auch bei weiteren Gebäuden sagen Beobachter, die Polizei sei sehr entschlossen vorgegangen. Kein Wunder beim Blick auf den schwerwiegenden Tatvorwurf. Im Inneren hätten sie gründlich gesucht, alles auf den Kopf gestellt. Das passt zu dem, was Staatsanwaltschaft und Polizei selbst zur Arbeit der zuständigen Sonderkommission „Motor“ sagen. Die sei schon im Vorfeld des Einsatzes akribisch Hunderten Spuren nachgegangen.

Die Einsatzorte von diesem Mittwoch liegen über den ganzen Stadtkern verteilt, haben laut Anwohnern mit einem Personenkreis zu tun, der untereinander eng vernetzt ist. Wie gut sich der Festgenommene und das Opfer gekannt haben? So klar wird das aus den Gesprächen vor Ort über den angeblichen früheren Geschäftskontakt hinaus nicht. Staatsanwaltschaft und Polizei sprechen vorsichtig und betont neutral schlicht von einer „Vorbeziehung“ zwischen Opfer und Tatverdächtigem. Mit Blick auf das weiterhin laufende Ermittlungsverfahren könne man darüber derzeit nichts Näheres sagen. Gegenstand der Untersuchungen seien beispielsweise das Motiv für die Tat und die Frage, wie genau sie abgelaufen ist.

Offen lassen die Ermittlungsbehörden auch, ob sie alleine durch das eigene Zusammensetzen von Puzzlestücken auf die Spur des Verdächtigen gekommen ist oder ob ein Zeugenhinweis eine Rolle gespielt hat. Mitte März hatten Staatsanwaltschaft und Polizei eine Belohnung von 10.000 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Ergreifung des Täters führe.

Die Ermittlungsbehörden erhalten freilich ihren Zeugenaufruf aufrecht, der explizit auch die Möglichkeit gibt, Hinweise anonym zu übermitteln. Auch beispielsweise Video-, Bild- oder Audiodateien. Dafür gibt es ein eigenes Online-Portal oder man kann sich telefonisch oder per Mail melden. Den Kriminaldauerdienst erreicht man unter (07231) 186-4444. Mails richtet man an pp@polizei.bwl.de.

VG WORT Zählmarke