Gemeinden der Region
Enzkreis -  22.09.2021
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Es fehlt an Auszubildenden: Strukturwandel wirkt sich in Pforzheim und der Region aus

Pforzheim/Enzkreis. Die Coronapandemie macht sich auch auf dem Ausbildungsmarkt in der Region bemerkbar. Betriebspraktika entfielen, es fand weniger Berufsberatung an Schulen statt – und die Jugendlichen waren verunsichert, konzentrierten sich auf ihren Schulabschluss und warten nun ab. Die Folge: Es gibt in diesem Jahr deutlich mehr offene Lehrstellen als interessierte Bewerber. „Eine Entwicklung, die uns Sorge bereitet“, so Martina Lehmann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit. Sie appelliert an Schulabgänger wie Eltern, sich noch zu bewerben. Denn im kommenden Jahr konkurriere der Nachwuchs mit dem nachfolgenden Jahrgang.

Freuen sich auf die Messe: Arbeitsvermittlerin Iris Dreyer, Agenturchefin Martina Lehmann, die Leiterin der hiesigen Geschäftsstelle, Ulrike Mögle, und Silvia Heinkel, Teamleiterin der Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit (von links). Foto: Meyer
Freuen sich auf die Messe: Arbeitsvermittlerin Iris Dreyer, Agenturchefin Martina Lehmann, die Leiterin der hiesigen Geschäftsstelle, Ulrike Mögle, und Silvia Heinkel, Teamleiterin der Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit (von links). Foto: Meyer

Doch es gibt noch ein weiteres Problem, mit dem Pforzheim und der Enzkreis zu kämpfen haben: den Strukturwandel. Geprägt durch einen hohen Teil industrieller Berufe, machen sich hier Digitalisierung, Transformationsprozesse, die Rolle des Klimaschutzes sowie der demografische Wandel besonders bemerkbar. Lehmann rechnet mit einer Verschiebung der Sektoren. Hatte es in Pforzheim und dem Enzkreis im Sommer 2018 mehr als 2000 offene Ausbildungsstellen gegeben, sinkt das Angebot seither – zuletzt von 1796 im Jahr 2020 auf aktuell 1461 Stellen. Dem gegenüber standen im August 1367 Bewerber. Neben dem industriellen Sektor verzeichne auch das Hotel- und Gastrogewerbe – anders als in den Urlaubsregionen im Kreis Calw – einen massiven Rückgang an Stellen. Zu unsicher sind die Perspektiven, ist man doch von Tagesgästen und Messebesuchern abhängig. Indes steigt die Zahl der Stellen im Handel.

"Wir sind in der komfortablen Situation, dass der Großteil der Betriebe trotz Corona und Strukturwandel auf Ausbildung setzt",

so Lehmann.

Sie hofft aufgrund fehlender Bewerber auf ein Umdenken der Unternehmen: „Sie dürfen sich nicht nur auf die Schulabgänger verlassen, sondern müssen sich auch für die Ausbildung von Erwachsenen öffnen.“ 2500 junge Beschäftigte im Alter von 25 bis 35 Jahren waren in Pforzheim zuletzt an- und ungelernt. Im Enzkreis sind es weitere 2000. Während Unternehmen so dem Fachkräftemangel entgegenwirken könnten, sei eine Ausbildung auch im Sinne derjenigen ohne Berufsabschluss. Sie seien in Krisenzeit die ersten, die arbeitslos würden. Auch dies habe Corona gezeigt.

Die Aufgabe der Agentur für Arbeit sei es, die Vielfalt der knapp 360 Ausbildungsberufe darzustellen. Am 5. Februar 2022 soll dies bei der „Beruf aktuell“, größten Ausbildungsmesse im Nordschwarzwald, im CongressCentrum wieder in Präsenz möglich sein. Dabei können sich 120 Betriebe präsentieren, die in der kommenden Woche angeschrieben werden. Daneben wird ein Bewerbungsmappencheck angeboten. Bei strengem Hygienekonzept und Testmöglichkeit vor Ort rechne man mit mehreren tausend Besuchern.