Fiasko für Kleingärtner: Stadtwerke Pforzheim drehen wegen Diebstahl den Wasserhahn zu
Pforzheim. Die Lage verschärft sich zusehends: Nachdem die Stadtwerke Pforzheim (SWP) in der vergangenen Woche vier der insgesamt 26 Zapfstellen im Stadtgebiet gesperrt haben, sind es nun schon sieben. Gründe für die Schließungen sind Wasserdiebstahl und Sachbeschädigung. „Wir können das nicht mehr tolerieren“, heißt es seitens der SWP. Wie lange die Wasserhähne zugedreht bleiben, ist völlig offen. „Das können wir derzeit nicht sagen“, betonen die Stadtwerke. Aber da Wasserklau und Sachbeschädigung sich nun auch auf andere Zapfstellen ausweiten, bestehe die Gefahr, immer mehr Einrichtungen schließen zu müssen. Im schlechtesten Fall sogar alle 26, wenn die Wasserdiebe und Vandalen immer weiter machten.
Schon in den vergangenen Jahren habe man Wasserdiebstähle an allen Zapfstellen beobachtet, so die SWP, aber in verkraftbaren Mengen. „Dieses Jahr jedoch ist das völlig anders und nicht mehr hinnehmbar. Deshalb mussten wir handeln.“
Für alle Kleingärtner ohne eigenen Wasseranschluss ist das eine Hiobsbotschaft – zumindest für jene, die auf das Wasser an den gesperrten Zapfstellen angewiesen sind, um ihre Beete in dieser neuerlichen Trockenperiode zu bewässern: Hinter der Warte, Höhenstraße, Huchenfelder Hauptstraße, Ersinger Straße, Am Mühlkanal, Dietlinger Straße und Zum Geigersgrund/ Kutscherweg. Werden noch mehr Wasserstellen dichtgemacht oder sogar alle, wird die Hobbygärtnerei im Stadtgebiet ein jähes Ende finden. Denn Regen ist derzeit Mangelware. Den Südwesten trifft es besonders hart, weil hier die Temperaturen in der Regel bundesweit am höchsten sind. Und so überrascht es nicht, dass die Bodenfeuchte in Baden-Württemberg schwer im Minus steht. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) liegt sie in Pforzheim und der Region derzeit bei unter 30 Prozent, was bedeutet, dass die Vegetation sich bereits im Trockenstress befindet. Auch die Niederschlagsmengen verdienen den Wortteil „Menge“ nicht mehr: Im Juni fiel laut DWD-Zahlen mit 36,4 Litern gerade mal die Hälfte der sonst üblichen Menge bezogen auf die Referenzperiode von 1991 bis 2020. Und die Aussichten? Steigende Temperaturen und kein Tropfen Regen.
Vergangene Woche informierten die SWP per Pressemitteilung die Öffentlichkeit über die Schließung der ersten vier Wasserstellen. Man habe sich zu dieser Maßnahme wegen „wiederholter Manipulationen an Wasserzapfstellen sowie Wasserdiebstahl“ gezwungen gesehen, die zu zusätzlichen Kosten geführt und auch den Betrieb der Einrichtungen und das Wassernetz der Stadt gefährdet hätten. Die Schadenssummen gingen in die Zehntausende Euro, berichten die SWP auf PZ-Nachfrage.
Aufgrund der hohen Wasserentnahme sei es etwa bei Anwohnern der Zapfstelle Hinter der Warte zu Druckschwankungen in der Leitung gekommen. Hier sei auch beobachtet worden, wie Hunderte Liter fassende Tanks, abgestellt auf Ladeflächen von Pick-Ups, über einen langen Schlauch befüllt worden seien. „Das ist schlicht verboten“, heißt es seitens der SWP, „denn das ist keine handelsübliche Entnahmemenge“.
Da das Schloss nicht aufgebrochen ist, müssen die Diebe wohl einen der 300 Schlüssel besitzen, die die Stadtwerke ausgegeben haben. Da sie allerdings universell in alle Schlösser der 26 Zapfstellen im Stadtgebiet passen, kann der Kreis der Übeltäter nicht näher eingegrenzt werden. Einige seien aber wohl auf frischer Tat ertappt worden, auch an den anderen Zapfstellen. Gegen sie werde jetzt Anzeige erstatte.
Ebenso gegen jene Vandalen, die an den anderen Zapfstellen ihr Unwesen getrieben haben, um an Wasser zu kommen. „Es wurden Schlösser aufgebrochen und Hähne abgeflext, um einen Schlauch anschließen zu können“, berichtet die SWP-Pressestelle.
Die Zapfstellen wurden in den 1950er-Jahren im Stadtgebiet installiert, um die Wasserversorgung der Bevölkerung in der Nachkriegszeit sicherzustellen. Heutzutage würden sie meist von Hobbygärtnern genutzt, die über keinen Wasseranschluss verfügten. In den mittlerweile immer häufigeren und längeren Hitze- und Trockenperioden reicht das gesammelte Regenwasser oft nicht aus, um die Pflanzen zu versorgen. Jeder, der einen Zapfstellenschlüssel wolle, könne einen bekommen, ohne einen Verwendungszweck angeben zu müssen, erklären die SWP. Bezahlt würde pro Tag. Wird der Schlüssel im Kundencentrum der SWP am Sandweg wieder abgegeben, enden die Zahlungen. Viele Gärtnerinnen und Gärtner hätten aber ganzjährig einen Schlüssel, die Kosten dafür belaufen sich auf 72 Euro pro Jahr.
Ob es sich aber lohnt, ihn zu behalten, wird sich erst noch zeigen müssen. Die SWP prüfen nach eigenen Angaben derzeit, wie es mit den Zapfstellen künftig überhaupt weitergehen soll und ob beziehungsweise wie man sie gegen den massiven Missbrauch, wie er derzeit stattfindet, schützen könne.
PZpersönlich von Petra Joos
Ich besitze seit sechs Jahren einen Zapfstellenschlüssel, weil es seither nicht mehr ohne geht. Zuvor fiel immer wieder genug Regen, um meine Beete im Sommer zu bewässern. Aber das hat sich geändert. Denn es vergeht kein Jahr ohne längere Trockenperioden mehr, sodass ich als Hobbygärtnerin ohne eigenen Wasseranschluss auf die Zapfstelle in der Nähe meines Gartens angewiesen bin, um das Gemüse durchzubringen. Die gehört aber zu jenen, die jetzt gesperrt wurden. Das ist eine echte Katastrophe – nicht nur für mich, sondern für alle Hobbygärtnerinnen und -gärtner, die von den Schließungen betroffen sind.
Die Beete stehen voll, die Pflanzen tragen wie verrückt, und ich brauche derzeit mindestens 60 Liter pro Komplettbegießung. Das entspricht etwa sechs großen Gießkannen. Diese Menge kann ich von einer weiter entfernten Zapfstelle, bei der ich aufs Auto angewiesen bin, nicht jeden Tag aufs Neue beschaffen – und vor allem nicht transportieren.
Da diese Woche kein Regen fiel und auch die nächste keine Aussicht auf Niederschlag bringt, wird mein Vorrat an Regenwasser schnell aufgebraucht sein. Bei den angesagten Temperaturen von über 30 Grad wird alles vertrocknen. Dann war alle Arbeit seit März umsonst, von den Anschaffungskosten der zahlreichen Pflanzen ganz zu schweigen.
Ich habe eine Stinkwut auf diese unverschämten Menschen, die mit krimineller Energie Zapfstellen manipulieren und beschädigen, um Wasser im großen Stil zu klauen.
