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Fußball -  03.04.2020
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Fußball-Kommentator Oliver Forster aus Enzberg nach Corona-Infektion: „Jetzt Trübsal zu blasen, wäre falsch“

Als Fernsehmann ist Oliver Forster auch Unterhaltungskünstler. Dass er wegen der Sport-Pause derzeit fast beschäftigungslos ist, hat er entspannt aufgenommen. Ja nicht einmal ein positiver Corona-Test diese Woche trübt die Stimmung des gebürtigen Pforzheimers.

Pforzheimer Zeitung: Herr Forster, Sie sind am Sonntag, 22. März, 52 Jahre alt geworden, nachträglich alles Gute: War das bisher Ihr traurigster Geburtstag, vielleicht auch weil Sie da – wie wir im Nachhinein wissen – erste Corona-Symptome hatten?

Oliver Forster: Ach was! Meine Lebensgefährtin war da, ich hatte eine Torte und eine Flasche Wein. Es war ein sehr sonniger Tag: Viel Leute um mich zu scharen war leider nicht möglich, aber es war überhaupt kein trauriger Geburtstag, nur ein etwas absurder.

PZ: Ob mit Ihrem Sohn oder auch mir gegenüber haben Sie dieser Tage noch über Corona geflachst. Vorsorglich haben Sie sich aber testen lassen – und ausgerechnet am 1. April ein positives Ergebnis bekommen ...

Tja, seit meinem Geburtstag hatte es ein paar heftige Tage und Nächte gegeben: Dieses Virus ist schon ein sehr Brutales! Das hat mich schon weggerissen.

PZ: Schildern Sie doch bitte, wie das Krankheitsbild bei Ihnen war ...

Ich hatte die kompletten Erkältungssymptome und 39,5 Grad Fieber. Normalerweise jogge ich täglich und nun war ich total schlapp. Donnerstag voriger Woche wurde es heftiger. Da die Symptomatik deckungsgleich war, mit dem, was man hört, habe ich zugesehen, dass ich mich testen lasse. Übers Gesundheitsamt hatte ich erst einmal keine Chance. Geklappt hat es dann über eine Ärztin, die mit einer Bekannten von mir befreundet ist.

PZ: Und wie haben Sie es aufgenommen, dass der Test positiv war?

Das Gute war ja, als das Ergebnis kam, ging es mir schon besser. Also hat es mich nicht mehr so geschockt. Ich werde mich noch einige Tage schonen – und schauen, das ich niemanden anstecke. Alle, die ich angesteckt haben könnte, habe ich gleich informiert.

PZ: Immerhin verpassen Sie gerade nichts: Es gibt ja keine Fußballspiele zu kommentieren ...

Ich war noch beim fast letzten Spiel, sonntags bei FC Bayern gegen Augsburg. Danach war erstmal Schluss. Ich habe ja sonst auch noch viele Auftritte bei Veranstaltungen von Unternehmen, aber nun ist alles auf Eis gelegt.

PZ: Wie kommt es, dass Sie trotz allem so positiv gestimmt sind?

Ach, ich bin immer fröhlich. Wenn man schon Krisen überstanden hat, dann weiß man: Es geht weiter und man kommt auch wieder raus. Das ist nun ja auch eine Krise, für die ich als Einzelner nichts kann und die alle betrifft: Traurigkeit ist der falsche Ratgeber.

PZ: Sie waren ja schon 2007 kurz beschäftigungslos, als der Bezahl-Anbieter Arena, nachdem er ein Jahr die Bundesliga übertragen hatte, seinen Dienst einstellte: Erleben Sie nun ein Déja-vu?

Es ist anders. Es wird für viele Kollegen wahnsinnig schwer, diese Zeit auch finanziell zu überstehen. Selbst wenn es wieder beginnt, vielleicht mit Geisterspielen, gibt es im Sommer auf jeden Fall weniger Vorbereitungs-und Freundschaftsspiele – die Einnahmen werden nicht mehr sprudeln. Auf der anderen Seite: Du kannst ja gerade kein Geld ausgeben, du gehst ja nicht essen, trinkst keine teuren Weine, kaufst keine Klamotten – es ist ja fast alles dicht.

PZ: Da spricht der scharfsinnige Schwabe. Waren Sie auch so scharfsinnig, um für möglich zu halten, wie massiv die Corona-Krise auch Deutschland trifft?

Als es in China losging, habe ich noch nicht daran gedacht, dass es in Europa so eine Welle nach sich ziehen würde, aber als die Bilder aus Italien immer schrecklicher wurden. Italien ist ja ganz nah und lebt auch in unseren Herzen.

PZ: Gibt es Regeln, die Sie schon vor Ihrem positiven Test strikt befolgten?

Klar war, dass ich meine Eltern, erst einmal nicht besuchen würde. Mit Ihnen und mit meinem Sohn telefoniere ich jeden Tag, mit John lerne ich auch jeden Tag.

PZ: Was denn, Mathe und Physik?

Um Gottes Willen, das ist vollkommen unmöglich (lacht), in Mathe hatte ich null Punkte im Abitur. Aber Deutsch geht ganz gut, Politik geht ganz gut. Es ist eine schöne Geschichte, sich via Telefon an den Aufgaben entlang zu hangeln und sie zu bewältigen.

PZ: Und Ihre Eltern, hatten die schon vor diesem Test Sorge um Sie, vielleicht nach dem Motto: „Bub hättsch was Rechts glernt – wärsch zum Finanzamt …“?

Finanzamt ist wahrscheinlich nie schlecht (lacht). Aber ich bin ja nun völlig unschuldig an dem ganzen Theater. Außerdem wurde seit Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 immer gespielt, einzelne vor allem wetterbedingte Ausfälle in Deutschland mal ausgenommen. Dass der Fußball nicht mehr spielt – und das für länger – das konnte gewiss keiner vorhersehen.

PZ: Und der Fußball konnte ja quasi bis zum letzten Moment selbst nicht begreifen, dass er nicht mehr spielen sollte – nicht einmal von leeren Rängen ...

Ja, der Fußball lebt halt in seiner eigenen, oft viel zu Kohle-orientierten Welt, krankt an vielen Stellen und hat nach vielen Auswüchsen nun die Chance, wieder gesünder zu werden. Es muss wieder Normalität einkehren – bei Spielergehältern, Beraterhonoraren und auch bei den Rechtekosten.

PZ: Haben Sie als freier Journalist nun ausschließlich Kosten oder dank irgendwelcher Garantien trotz allem auch Einnahmen?

Es wäre fast schon asozial von jemandem wie mir, nun die verschiedenen Auftraggeber abzuklappern. Es geraten auch sehr viele Unternehmen der Medienbranche in eine schwierige Lage. Ich bin vielen zu großem Dank verpflichtet und habe großes Vertrauen zum Beispiel in Sport 1: Gemeinsam werden Lösungen gefunden, die okay sind.

PZ: Aber was ist, wenn diese Saison und vielleicht noch länger nichts mehr gehen sollte?

Nach einem halben Jahr ohne Einnahmen läge nicht nur Oliver Forster am Boden, sondern die komplette Branche – und es gäbe Millionen Privat-Insolvenzen. Ich glaube aber, dass Trübsal blasen in der Phase jetzt völlig falsch wäre. Nach diesem Shutdown wird es Zwischentöne geben müssen: Volle Stadien kann ich mir auf Monate nicht vorstellen. Vielleicht sagt man, ins Stuttgarter Stadion dürfen bei den ersten Spielen nur 10 000 Zuschauer. Wenn man die Saison nicht zu Ende spielen kann, sollten Bundesliga und 2. Liga auf 20 Vereine aufgestockt werden. Der Meinung bin ich schon lange.

PZ: Ihr Kollege Robert Hunke kommentiert in Internet-Videos, was auf der fast leeren Straße passiert, ein Engländer, wie seine Ehefrau Lasagne zubereitet ...

Ich hab das als nicht besonders leidenschaftlich empfunden. Ehrlich, von Herzen kommend und deshalb berührend, ist für mich das Video, in dem die Schweizer Nationalmannschaft „Imagine“ singt, dieses ganz naive Lied von John Lennon. Auch Grönemeyers aktueller ‚Dankessong‘ berührt.

PZ: Falls nun jemand das Bedürfnis hat, Kommentator Forster zu hören, was raten Sie dem?

Ehrlich gesagt bin ich stolz, wenn Sachen von mir auf YouTube millionenfach geklickt werden: Aus der jüngeren Vergangenheit gibt es das erste Haaland-Spiel, als der bei Dortmund in Augsburg reinkam und drei Tore gemacht hat: ‚Der Brecher mit dem Babyface‘ ist einfach abgegangen. Genial!

Autor: rks