Hella Marquardt hätte ihre Freude: Die Pforzemer Mess zeigt Herz für Senioren
Pforzheim. Eine gute Tradition der Pforzemer Mess lebt fort – ganz im Sinne der verstorbenen Hella Marquardt, deren Namen an diesem Seniorennachmittag in aller Munde ist.
Auf Wunsch wird hier alles serviert – von der Apfelschorle bis zu einer ganzen Maß Bier. Rund 80 Seniorinnen und Senioren können die Pforzemer Mess in vollen Zügen genießen. Dafür sorgen das städtische Marktamt in Kooperation mit den Schaustellern. Vor allem aber wirkt hier das Lebenswerk einer unvergessenen und ungemein hilfsbereiten Pforzheimer Persönlichkeit fort.
Der Auftakt zum Seniorennachmittag im Festzelt der Familie Platzer startet mit Stärkung für die Senioren und deren Pflegekräfte. Wahlweise werden nach dem Salat Schnitzel mit Beilagen oder Knödel mit Champignons serviert – und sogar kleine Geschenke verteilt. Schausteller Ludwig Loritz hat für alle knallrote Plüschherzen mitgebracht, zudem gibt es vom hiesigen Schaustellerverband Anstecker mit dem Pforzemer-Mess-Logo.
Die jahrzehntealte Tradition des Seniorennachmittags, einst ins Leben gerufen von Hella Marquardt, findet dieses Jahr erstmals ohne die frühere Stadträtin statt. Marquardt starb im Januar im Alter von 89 Jahren. Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes wird von vielen der Anwesenden gewürdigt.
„Sie hat schon immer geholfen und sich um die Schwachen gekümmert“, sagt Laura Brennenstuhl, eine Verwandte der Verstorbenen und Pflegekraft im Seniorenpflegeheim Atrium.
Der Erste Bürgermeister Dirk Büscher erinnert ebenfalls an die Gründerin des Nachmittags und freut sich, dass deren „sehr schöne Idee“ zur Tradition wurde und weiter Bestand hat. „Wir nehmen uns gerne Zeit für Sie“, begrüßt Büscher die Besucher.
Eine Aussage, die wertgeschätzt wird, und zwar von allen Besuchern der fünf teilnehmenden Seniorenheimen. „Ein Mitbewohner hat heute Morgen bestimmt fünf Mal gefragt, wann wir endlich losgehen“, erzählt Patricia Pillitteri, Leiterin der sozialen Betreuung im Atrium. „Kontakt zu haben, ist so wichtig.“ Täglich unternehme man mit Senioren Ausflüge, besuche mit kleinen Gruppen auch die Mess. Doch solch ein großes Gemeinschaftserlebnis sei nur durch die Organisatoren dieses speziellen Tages möglich. Dimitri Eberle, Pflegedienstleiter des Altenheims der August-Kayser-Stiftung, berichtet, viele der Teilnehmenden hätten Erinnerungen an die Kirmes und fieberten dem Messbesuch entgegen.
Und Barrierefreiheit wird großgeschrieben. Artur Dingeldein, der Vorsitzende des Schaustellerverbands Pforzheim, verspricht Betreuung durch die Schausteller. So stellt zum Beispiel das traditionsreiche Etagenkarussell eigens Personal bereit, um beim Einstieg in Kutschen und Schlitten zu helfen, so Betreiberin Tanja Hartmann:
„Meine Familie ist seit über 40 Jahren dabei und hat noch keinen Seniorennachmittag verpasst.“
Auch die Pflegenden leisten viel an diesem Nachmittag. So erhalten etwa zuckerkranke Senioren vor dem Essen Insulin und werden während der Aktion bei Bedarf medizinisch versorgt. Trotzdem: Gestresst wirkt niemand im Festzelt. Im Gegenteil. Alle scheinen rundherum glücklich und tief dankbar.
