Hitze in Schulen und Kitas im Enzkreis und Kreis Calw: So schützen die Gemeinden die Kinder
Enzkreis. Schon zwei große Hitzewellen hat dieser Sommer mitgebracht, und die nächste steht vor der Tür. Während viele Erwachsene in klimatisierten Büros sitzen oder zumindest selbst nach Schatten und Abkühlung suchen können, sind die Kinder den Temperaturen oft einfach ausgeliefert. Klimaanlagen sind in den oft älteren Gebäuden kaum vorhanden, und auch für die Erzieher und Lehrer wird das Arbeiten unter solchen Bedingungen unerträglich – bis hin zu unerlaubt. Denn wenn die Temperaturen in einem Raum einmal die 35 Grad erreicht haben, ist dieser nicht mehr für „normale Tätigkeiten geeignet“. Die „Pforzheimer Zeitung“ hat sich umgehört, wie einzelne Gemeinden die Kinder und Mitarbeiter vor der Hitze schützen – und was noch getan werden soll.
Höfen setzt auf Fördergelder: „Unser Kindergarten ist außen mit Sonnenschutz entsprechend ausgerüstet“, sagt Höfens Bürgermeister Heiko Stieringer. Die Schule sei denkmalgeschützt und deshalb nur mit einem Sonnenschutz innerhalb der Räume ausgestattet. „Trotzdem war es nicht vermeidbar, dass sich bei diesen ungewohnt hohen Temperaturen die Gebäude aufgeheizt haben“, sagt er. Stieringer verweist auf ein Förderprogramm vom Bund zur Sanierung von Kitas. „Hierzu haben wir bereits ein Architekturbüro beauftragt, die erforderlichen Maßnahmen inklusive Klimaanlage in einer Kostenaufstellung zusammenzutragen“, so der Rathauschef. Der Gemeinderat werde dann entscheiden, welche Maßnahmen entsprechend durchgeführt werden sollen.
Auch in den aktuellen Hitzewellen habe es in Höfen keine Aussagen der Mitarbeiter gegeben, dass wegen zu hoher Temperaturen ein Arbeiten nicht mehr möglich gewesen sei. Zudem habe die Gemeinde kurzfristig Ventilatoren im Gesamtwert von rund 1000 Euro beschafft, um zumindest die Schlafräume der Kinder im Kindergarten angenehmer zu gestalten.
Enzklösterle punktet mit Höhenlage: „Wir haben in Enzklösterle zunächst einmal den großen Vorteil unserer Höhenlage. Im Vergleich zur Rheinebene wird es bei uns in der Regel deutlich weniger heiß“, sagt Enzklösterles Bürgermeisterin Sabine Zenker. Durch die vielen Wälder, Grünflächen sowie Bäche und Quellen kühle es nachts meist sehr gut ab. Dadurch könnten die Gebäude morgens und abends gezielt gelüftet werden.
Auch während der extremen Hitzewelle habe der Betrieb in Schule und Kindergarten weitgehend normal aufrechterhalten werden können. Klimaanlagen gebe es bislang nicht, es sei auch keine Anschaffung vorgesehen. „Es sind aber im Kindergarten zum Beispiel Ventilatoren vorhanden“, sagt Zenker. An besonders heißen Tagen habe es in der Schule teilweise Hitzefrei gegeben, wobei eine Notbetreuung jederzeit gewährleistet war. „Außerdem wurde Unterricht – soweit möglich – auch ins Freie an schattige Plätze verlegt“, sagt die Bürgermeisterin. Beispielsweise habe der Sportunterricht draußen im Schatten stattgefunden. Im Kindergarten stehe den Kindern ein Wasserspielbereich zur Verfügung, der an warmen Tagen gerne genutzt werde. Bei sehr starker Sonneneinstrahlung würden die Aktivitäten ins Gebäude verlegt. „Dort sorgen Ventilatoren, die wir bereits seit längerem im Einsatz haben, für eine Entlastung“, so Zenker.
Klimatisierter Kursaal in Schömberg als Anlaufstelle: In Schömberg gab es in diesem Sommer bereits zwei Wochen, in denen die Kindergartenkinder und die Erzieherinnen mit den hohen Temperaturen zu kämpfen hatten. Dies teilt Bürgermeister Matthias Stepan mit. „Eine Klimaanlage gibt es in den Einrichtungen nicht. Aktuell prüfen wir die Anschaffung von geeigneten Geräten für die Schlafräume in den Ganztagseinrichtungen“, sagt er. Dies habe klar Priorität, denn die Gesundheit der jüngsten Mitbewohner sei „unser höchstes Gut“. Besonders zu kämpfen hat die Gemeinde in der Rappelkiste in Langenbrand. An den heißesten Sommertagen könne die Temperatur hier auf über 30 Grad steigen. Die Gemeinde habe zudem bereits verschiedene Maßnahmen für den Hitzeschutz in allen Einrichtungen, Gebäuden und auch den Außenbereichen der Kitas realisiert. Dazu zählen laut Stepan größere Dachüberstände und Balkone, Zipscreens, Jalousien, Rollläden und Markisen, eine ausgeprägte Dämmung im Dach- und Wandbereich, damit die Hitze nicht so schnell ins Gebäude eindringt, sowie eine nächtliche Lüftung über die raumlufttechnischen Anlagen.
Bisher hätten in Schömberg aber nur kleinere Anschaffungen, wie zum Beispiel Ventilatoren und Sonnensegel, getätigt werden können, da die Gemeinde noch keinen genehmigten Haushalt hatte. „Neben der Anschaffung durch die Gemeinde erhielten die Kindergärten auch private Spenden, um die Verschattung in den Außenbereichen zu verbessern“, erzählt der Bürgermeister.
An extrem heißen Tagen soll zudem zukünftig der Saal im Kurhaus als Hitzeschutzraum dienen. „Speziell für unsere Kindertagesstätten mit Ganztagesangebot aber auch Senioren entwickeln wir ein Konzept, dass an diesen Tagen der Saal als Aufenthaltsort genutzt werden kann. Denn dieser verfügt über eine Klimaanlage“, erklärt Stepan.
ErstIrritation, dann Handeln in Straubenhardt: Die Gemeinde hatte kürzlich mitgeteilt, eine einheitliche Lösung für die Schlafräume der Kindertagesstätten zu schaffen, nachdem dort eine private Spende einer Klimaanlage für Aufsehen gesorgt hatte, die von der Gemeinde zunächst abgelehnt worden war. „In der Vergangenheit wurde bewusst darauf verzichtet, einzelne Geräte ohne einheitliche Grundlage einzusetzen. Ziel war es, zunächst klare Kriterien für eine sichere und nachhaltige Beschaffung zu entwickeln“, schreibt die Gemeindeverwaltung in einer Pressemitteilung. Die Beschaffung der Geräte werde nun vorangetrieben. „Besonders erfreulich ist die Spende eines mobilen Klimageräts für die Kita „Grabbenescht“ in Langenalb. Nach Prüfung der Voraussetzungen kann dieses Gerät nun eingesetzt werden“, so die Verwaltung weiter. „Uns war wichtig, nicht kurzfristig einzelne Lösungen umzusetzen, sondern eine einheitliche und verantwortungsvolle Vorgehensweise für alle unsre Kindertagesstätten zu entwickeln“, so Bürgermeister Helge Viehweg.
