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Pforzheim -  26.06.2026
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KSC kommt ins Würmtal: Der Sportclub Pforzheim feiert 125 Jahre

Zum 125-jährigen Bestehen des SC Pforzheim gibt es Livemusik und als sportlichen Höhepunkt ein Jubiläumsspiel zwischen einer Pforzheimer Auswahl und den KSC-Allstars.

Mit dieser Mannschaft startet der Sportclub Pforzheim in die neue Saison. Vierte von links hinten ist Spielertrainerin Denise Heidt, rechts hinten steht Trainer Giovanni Lanzilotti.
Mit dieser Mannschaft startet der Sportclub Pforzheim in die neue Saison. Vierte von links hinten ist Spielertrainerin Denise Heidt, rechts hinten steht Trainer Giovanni Lanzilotti. Foto: SC Pforzheim

Der Sportclub Pforzheim ist für viele weit mehr als nur ein Sportverein. Er ist Treffpunkt, zweite Heimat und Wohlfühloase im Würmtal zugleich. Im Biergarten von „Peter’s Würmtal Gaststätte“ kommen Jung und Alt zusammen, am Wochenende wird bei den Fußballern mitgefiebert, den Boxern die Daumen gedrückt oder den Keglern zugeschaut. Vor allem aber ist der Verein seit Generationen ein Ort der Begegnung.

Genau dieser Gemeinschaftsgedanke steht auch beim 125-jährigen Vereinsjubiläum im Mittelpunkt. Vom 3. bis 6. Juli feiert der Sportclub sein Bestehen – insbesondere das seiner traditionsreichen Fußballabteilung – mit einem abwechslungsreichen Festprogramm auf dem Vereinsgelände. Seit Monaten laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Cheforganisator Peter Monasso und sein Team haben keine Mühen gescheut, um den Besuchern ein unvergessliches Jubiläumswochenende zu bieten. Der Eintritt ist frei. „Das wird ein großes Fest. 125 Jahre – das ist etwas ganz Besonderes“, sagt Monasso.

Musikalisch ist einiges geboten: Am Freitagabend, 3. Juli, sorgt ab 20 Uhr die Band „6th Element“ für Stimmung, am 4. Juli ebenfalls ab 20 Uhr steht „Cover Up“ auf der Bühne. Der sportliche Höhepunkt folgt am Montagabend, 6. Juli. Dann trifft um 18.30 Uhr eine Pforzheimer Auswahl auf die Allstars des Karlsruher SC. Eingefädelt wurde die Begegnung von Spieler- und Trainerberater Ronny Zeller, der selbst früher das Trikot des Sportclubs trug wie auch sein Vater Dieter.

Die Partie weckt Erinnerungen an ein besonderes Spiel. Am 18. September 1990 gastierte die Bundesligamannschaft des Karlsruher SC zu einem Benefizspiel im Würmtal. Anlass war der verheerende Brand an Weihnachten 1986, bei dem ein erheblicher Schaden entstanden war. Mit seinem Besuch setzte der KSC damals ein Zeichen der Solidarität.

Zahlreiche Zuschauer verfolgten die Begegnung, in der sich die Mannschaft des Sportclubs um Trainer Georg Krammerbauer und Spieler wie Anthony Lutz oder Karlheinz „Kalle“ Geibig vor allem in der ersten Halbzeit überraschend tapfer schlug. Geibig erinnert sich noch heute gut an die Partie: „Ich habe mich extra für das Spiel fitspritzen lassen“, erzählt er. Trotz eines Muskelfaserrisses wurde er nach der Pause eingewechselt und sorgte auf der rechten Außenbahn für ordentlich Betrieb. „Gegen die abgezockten Profis ging das aber schon an die Substanz“, sagt Geibig schmunzelnd. Als ihm im Laufe der Partie die Puste ausging und er zunehmend außer Atem geriet, habe ihn KSC-Spielmacher Michael Harforth gefragt, ob er Asthma habe. „Da ging die Schubserei natürlich los“, erinnert sich Geibig und lacht. Am Ende hatten sich aber alle wieder lieb.

Für den Sportclub trafen Peter Müller zum zwischenzeitlichen 1:2 (18.) und Peter Monasso zum 2:4 (32.). Der KSC, der unter anderem mit Alexander Famulla, Oliver Kahn (spielte in der zweiten Halbzeit), dem jungen Mehmet Scholl, Arno Glesius und Gunther Metz antrat – Srećko Bogdan vertrat Trainer Winnie Schäfer –, gewann am Ende erwartungsgemäß mit 12:2. Wenn die KSC-Allstars (siehe Kasten) nun zum Jubiläumsspiel ins Würmtal kommen, werden sie zwar nicht mehr ganz die Geschwindigkeit ihrer aktiven Jahre auf den Platz bringen. Fußballerisch haben es die Ex-Profis aber immer noch drauf. Auch die Pforzheimer Auswahl ist mit zahlreichen ehemaligen herausragenden Spielern besetzt. Die Zuschauer dürfen sich also auf ein munteres Spielchen mit vielen Toren freuen. Und am Rande der Partie wird es bestimmt die ein oder andere Geschichte zu erzählen geben.

Denn Geschichten hat der Sportclub in seinen 125 Jahren viele geschrieben. Besonders erfolgreich waren die Fußballer in den 1970er-Jahren, als sie in der 2. Amateurliga für Aufsehen sorgten. „Das war eine tolle Zeit“, erinnert sich Ehrenvorsitzender Hans Schneider. Damals verlief rund um den Rasenplatz noch die Aschenbahn der Leichtathleten. „Nach den Spielen hatte ich oft offene Oberschenkel. Aber wenn wir gewonnen hatten, war das völlig egal“, erzählt der heute 77-Jährige.

Unvergessen bleibt für ihn auch die „A-Jugend-Wundermannschaft“ von Trainer Hans Watermann, die Anfang der 1960er-Jahre Vizemeister Süddeutschlands wurde. Ebenso gehören die erfolgreiche „Schnürles“-Mannschaft und die unzähligen Bälle, die früher wie heute aus der vorbeifließenden Würm gefischt werden mussten, zur Vereinsgeschichte.

Zu den prägenden Trainern des Sportclubs zählen Namen wie Rolf Mayer, Georg Krammerbauer, Harry Neumeister oder Peter Erdmann. Sogar Hermann Spohn, damals „Halbprofi“ bei Viktoria Berlin 89, stand nach seiner Zeit beim 1. FC Pforzheim zeitweise an der Seitenlinie des Vereins.

Unter dem Trainerduo Anthony Lutz und Lutz Elsässer spielte der SCP in den 90er-Jahren lange erfolgreich in der A-Klasse. Heute ist die Mannschaft um Fußball-Abteilungsleiter Volker Dürrstein in der C-Klasse beheimatet. Dennoch besitzt der Verein ein besonderes Alleinstellungsmerkmal: Mit Denise Heidt verfügt der Sportclub über die einzige Spielertrainerin im Fußballkreis Pforzheim. Gemeinsam mit Giovanni Lanzilotti führt sie die Mannschaft und möchte den Sportclub Schritt für Schritt wieder nach oben bringen.

„Für uns ist aktuell einfach wichtig, dass wir überhaupt eine Mannschaft haben“, sagt Hans Schneider. Zeitweise habe der Verein kurz davor gestanden, die Mannschaft vom Spielbetrieb abzumelden. „Damit hätte sich der Fußball beim Sportclub wohl verabschiedet.“

Dass es dazu nicht gekommen ist, sei auch ein Verdienst von Peter Monasso. Als „Hansdampf in allen Gassen“ hält er den Verein mit großem Engagement zusammen. Doch auch die Mitglieder der anderen Abteilungen – Boxen, Gewichtheben, Kegeln mit Abteilungsleiter und Sportclub-Urgestein Claus Maibauer, Wandern und Tischtennis – sorgen dafür, dass der Sportclub lebendig bleibt.

Wie eng die Verbundenheit mit dem Verein bis heute ist, zeigt ein Blick auf den Stammtisch der ehemaligen Fußballer. Immer am ersten Freitag im Monat treffen sich dort Weggefährten wie Karlheinz Geibig, Anthony Lutz, Lutz Elsässer, Michael Hund, Ralf Stuber, Peter Wettschei, Arno Schiffer, Frank Willadt oder auch Patrick Theurer in Peter’s Würmtal Gaststätte. Dann werden alte Geschichten ausgepackt, Erinnerungen ausgetauscht und Anekdoten zum Besten gegeben.

„Wir haben immer eine Mordsgaudi“, sagt Geibig. Und nach dem Jubiläums-Spiel gegen die KSC-Allstars wird es beim nächsten Stammtisch vermutlich wieder jede Menge neue Geschichten zu erzählen geben.

Die Aufgebote des Jubiläumsspiels:

Pforzheim-Auswahl: unter anderem Anthony Lutz (SC Pforzheim), Giovanni Lanzilotti (SCP), Volker Dürrstein (SCP), Anton Zenko (SCP), Rolf Hampl (SCP), Axel Boden (SV Huchenfeld), Jochen Marten (TuS Ellmendingen), Andreas Diebold (TuS Ellmendingen), Stefan Schick (TuS Ellmendingen), Stephan Pahlke (TuS Ellmendingen), Raffi Samouelian (TuS Ellmendingen), Ralf Hack (VfR Pforzheim), Norbert Kolbe (FC Nöttingen)

KSC-Allstars: unter anderem Michael Wittwer, Emanuel Günther, Rainer Krieg, Burkhard Reich, Rainer Scharinger, Sascha Traut, Eberhard Carl, Steffen Haas, Timo Staffeldt, Dubravko Kolinger, Moritz Hoeft, Marco Engelhardt, Thomas Kies, Ronny Zeller

Die Historie: 

Der Sportclub Pforzheim wurde 1901 als Fußballverein gegründet und entwickelte sich trotz schwieriger Anfangsbedingungen rasch weiter. Nach dem Beitritt zum Süddeutschen Fußballverband im Jahr 1904 nahm der Verein am geregelten Spielbetrieb teil und feierte bereits 1906 seinen ersten großen Erfolg. Mit der Pachtung der „Seewiese“ im Würmtal 1907 erhielt der Club seine sportliche Heimat. Nach den Herausforderungen der beiden Weltkriege gelang jeweils ein erfolgreicher Neuanfang. Im Laufe der Jahre entstanden zahlreiche Abteilungen, darunter Leichtathletik (1931), Boxen (1956), Kegeln und Schnürles (1979) sowie Wandern (1982). Der Verein brachte mehrere erfolgreiche Sportler hervor, darunter die deutsche Meisterin im 80-Meter-Hürdenlauf Lieselotte Federmann (1947), den Stabhochsprung-Meister Julius Schneider (1951) und den Weltmeister im Gewichtheben Winfried Hartmann (1986, 1990). Trotz Rückschlägen wie dem Brand des Vereinsheims (1986) konnte sich der Sportclub stets weiterentwickeln und gehört heute zu den traditionsreichen Mehrspartenvereinen Pforzheims. dom