Kammerkonzert des „Pforzheimer Musikwinters: Klangreise in die Seele des Ostens
Pforzheim. Das 5. Kammerkonzert des „Pforzheimer Musikwinters“ im Schmuckmuseum hat seine Zuhörer nach Osteuropa und nach Fernost entführt. Dabei begeisterte die zierliche, aber großartig am Flügel aufspielende Pianistin Yixin Song, die es mit ihrem oft wuchtig hämmernden Anschlag und ihrer technischen Perfektion mit jedem Tastenlöwen aufnehmen kann.
Originelles Programm
Auch beeindruckte der Solo-Bratschist Oliver Scherke, Pforzheimer Musiklehrer und Organisator der verdienstvollen Veranstaltungsreihe – ein stets gut aufgelegter Musikant, der sich zwar der dominierenden pianistischen Klangwucht öfters unterordnen musste, aber meisterlich hochvirtuos mit klangschön-weichem Viola-Sound nicht nur in Solopassagen und Kadenzen brillierte. Das sehr gut harmonierende Solisten-Duo war mit seinem originellen Programm ein Erlebnis.
Insbesondere fesselte die Wiedergabe der „Vier Stücke für Viola und Klavier“ des zeitgenössischen chinesischen Komponisten und Konzertbratschisten Qingwu Guan, dessen Tochter in Pforzheim lebt. Die chinesische Musik ist Ausdruck einer der ältesten Kulturen der Welt und spielte seit jeher im staatlichen Leben Chinas eine hervorragende Rolle. Während der Befreiungskriege unter Mao Zedong seit 1934 galten Liebes-, Volks- und Soldatenlieder als Urgrund auch der Instrumentalmu-sik. Darauf bezieht sich Guan.
Sein drittes Stück mit dem Titel „Loushanguan“ (Am Loushan-Pass) vertont ein Mao-Gedicht zum verlustreich-blutigen Kampf der Roten Armee gegen die japanischen Besatzer: In der Pforzheimer Interpretation waren rhythmisch klappernde Pferdehufe zu hören, Schmerz und Gefühlskälte des Blutvergießens im musikalischen Ausdruck zu spüren.
Ein mongolisches „Steppenlied“ erfreute mit feinen lautmalerischen Abschnitten. Der mit „Kucaihua“ bezeichnete, als „Bitterkrautblüte“ oder „Blumengemüse“ zu übersetzende Satz schwelgte in lyrisch-sehnsuchtsvollen Melodien. Dazu gab es hinreißend perlendes Klavierlaufwerk, von der chinesischen „Native“-Interpretin leidenschaftlich intoniert, sowie artistische Glissando-Schleifen, Doppelgriffpassagen und Pizzikati der Bratsche.
Der andere Programm-Teil des Konzertabends im Reuchlinhaus war dem Komponisten Antonín Dvorák, dem polnischen Violinvirtuosen Henryk Wieniawski, Michael Glinka und dem komponierenden sowjetgeorgischen Virtuosen Sulchan Zinzadse gewidmet.
Klangsatte Sinnlichkeit
Dvoráks Sonatine G-Dur (op. 100) in einer Fassung für Viola und Klavier belebte mit kammermusikalisch temperamentvoller Vielgestaltigkeit den Hörgenuss, Wieniawskis „Reverie fis-moll“, ebenfalls in einer Bearbeitung für das Duo Viola-Klavier, erfreute mit molldunkler, klangsatter Sinnlichkeit. Glinkas „Allegro moderato“ aus der Sonate in d-Moll zeichnete sich in der Pforzheimer Interpretation durch russisch wild anmutende, etwas lärmende Tonsprache aus.
Schwieriger Fünfachtel Takt
Zu Zinzadses grusinischem Tanz „Chorumi“ bemerkte Oliver Scherke mit charakteristischem Understatement, er habe den immens schwierigen Fünfachtel-Takt nicht genug geübt, um dann umso eindrucksvoller bei der Ausführung zu glänzen.
Anhaltender herzlicher Applaus verlangte nach einer Zugabe, die mit einem Duo-Satz des rumänischen Komponisten und Cellisten Constantin Dimitrescu gern gewährt wurde.
